|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
Manfred Rieck steht zwischen den ehemaligen Klärschlammgruben und atmet tief durch die Nase ein. Er riecht pure Natur. Keine Spur von Abwassergeruch oder Klär-Mief weht über das Gelände. Stattdessen duftet es nach grüner Wiese und Bäumen — dank Rieck. Genauer: dank des US-Stützpunktes in Grafenwöhr in der Oberpfalz.
Rieck, Leiter des Umweltbüros in der amerikanischen Heeres-Kaserne, hat gemeinsam mit der Stadt Grafenwöhr und den Umweltämtern des Landes aus der Klärschlammgrube einen kleinen Naturpark gemacht. „Wir haben den Schmutz entsorgt, saniert und renaturiert“, erinnert er sich.
Das Ergebnis: Auf dem Gelände von der Größe eines Fußballfelds herrscht eine Artenvielfalt wie im Zoo. Vögel, Schmetterlinge leben hier, wenn auch versteckt. Auf einer Hinweistafel sind sie abgebildet. Der gelb-schwarz gefiederte Pirol baut seine Nester, der gefährdete Bachnelkenwurz wächst in der Nähe.
Der größte Truppenübungsplatz in Europa in Grafenwöhr liegt in einem wertvollen Stück Natur. Zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten haben hier ihr Zuhause. Diese Lebensräume zu erhalten — und zu erweitern — ist Riecks Aufgabe. Dafür stehen ihm immerhin 20 Mitarbeiter und nicht weniger als zwölf Millionen Dollar pro Jahr zur Verfügung.
Viel Geld, um die Natur fernab der Vereinigten Staaten zu erhalten. Insbesondere für einen Staat, der nicht unbedingt als Vorreiter in Sachen Umweltfreundlichkeit gilt. „Die Armee ist da anders“, kontert Manfred Rieck. In jeder US-Kaserne ist ein Umweltbüro Standard, „deutsche Stützpunkte sind dazu nicht verpflichtet“, meint er.
Den Grund für das Engagement nennt ein Soldat: „We wanna be good neighbours“, sagt er: Gute Nachbarn wollen sie sein. Und das sind die amerikanischen Soldaten und ihre Familien. Bereits zum dritten Mal ist die Kaserne für ihr vorbildliches Umweltprogramm ausgezeichnet worden. Als beste Heeres-Kaserne im Ausland in Sachen Naturschutz.
Dabei ist das Prinzip grundsätzlich einfach: „Wir versuchen, alles im Gleichgewicht zu halten“, sagt Rieck. Das bedeutet: Eingriffe in die Natur (Baumaßnahmen) werden mit dem Umweltbüro abgesprochen, ökologisch sinnvoll geplant. Und es werden Ausgleichsmaßnahmen gestartet. Auf dem Übungsgelände werden dann Waldbereiche aufgeforstet und Biotope oder Habitate angelegt.
Der bislang größte Erfolg für die Umweltschützer in der Kaserne: Der Seeadler hat auf dem Stützpunkt einen neuen Lebensraum gefunden. Dabei galt das Tier in Süddeutschland als ausgestorben. Für den geflügelten Fischfänger bieten die zahlreichen Teiche auf dem Gelände reichlich Nahrung. Sieben Vogelpaare zählen Rieck und die Truppe inzwischen.
Obwohl sich die Maßnahmen auf die Kaserne beschränken, profitieren die Einwohner von Grafenwöhr von den Umweltaktivitäten. „So grün hat es hier nicht immer ausgesehen“, sagt Hubert Anton vom ansässigen Bundesforstbetrieb. Der Wald im Kasernengebiet ist „dank 100-jähriger Erfahrung vonseiten der Kaserne und vonseiten des Forstamts“ perfekt auf die Bedingungen abgestimmt. Er dient als Sicht- und Staubschutz.
Auch im Innern haben die Baumreihen ihre Funktion: Wegen Schieß- und Feldübungen müssen die Baumreihen genügend Abstand zueinander haben. Platz, den so manche bedrohte Art dringend nötig hat. Außerdem: Die 450 Hektar großen Wasserflächen auf dem Gelände dienen bei starken Regenfällen als Rückhaltebecken.
Dass die Soldaten ihren grünen Daumen beweisen, dafür sorgt Riecks Umwelt-Team mit zahlreichen Schulungen — Mülltrennung und Recycling ist zunächst nicht jedem ein Begriff. Und bei der Fortbewegung hat sich der Natursinn der Amerikaner noch nicht völlig durchgesetzt. Deshalb sollen im zivilen Bereich des Fuhrparks der US-Armee bald mehr umweltfreundliche Elektroautos eingesetzt werden, die derzeit getestet werden.
Denn noch sieht die Situation anders aus. Jeep, Ford, Jeep, Ford: Am Straßenrand reihen sich die Geländewagen aneinander. Zu viel Benzin können die „Spritschleudern“ zum Glück auf dem Truppengelände nicht verbrauchen — Vollgasfahrten sind dort dank Tempolimit nicht erlaubt.

