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Nach der Vielzahl an Schmierereien mit rechtsradikalen Inhalten in Weißenburg und Treuchtlingen sowie nach einer Versammlung brauner Gruppen am Grab des NS-Kampffliegers Hans-Ulrich Rudel im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen hatte es den Bürgern in den betroffenen Orten endgültig gereicht.
Das Landkreis-Bündnis gegen Rechtsextremismus und der Freundeskreis Jugendzentrum in Weißenburg veranstalteten deshalb eine Mahnwache im Hof des Jugendzentrums, das mehrfach Zielscheibe der Schmierereien gewesen ist. Rund 200 Menschen fanden sich nach Polizeiangaben ein. Am Ende der Veranstaltung riefen die Organisatoren noch zu einer Spontandemonstration durch die Innenstadt auf.
Der Einsatzleiter sei diesem Wunsch nachgekommen, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken unserer Redaktion. Die anwesenden Beamten zogen zudem zur Absicherung des Demonstrationszuges mit durch die Altstadt.
Kaum war der Zug samt Polizei außer Sicht- und Hörweite, gab es vor dem Jugendzentrum nach Augenzeugenberichten einen donnernden Knall. Eine Gruppe dunkel Gekleideter und Vermummter rannte auf das Gebäude zu und zündete pyrotechnische Gegenstände, die in den Vorhof des Zentrums flogen. Dort hielten sich noch einige Menschen auf, darunter ein Rollstuhlfahrer. Dabei wurde ein Mann leicht verletzt, neben dem ein Böller explodierte. Er klagte über Probleme mit dem Gehör.
Ein Transparent mit der Aufschrift „Nie wieder Faschismus“ rissen die Unbekannten vom Zaun und zündeten es an. „Wir fühlten uns bedroht“, schildert ein Augenzeuge.
Obwohl die Polizei sofort alarmiert und zurückbeordert wurde, konnten die Angreifer entkommen. Man ermittle in alle Richtungen und suche weiter nach Zeugen, betonte der Polizeisprecher. Noch habe man keinen Beweis dafür, dass es sich bei den Tätern um Rechtsradikale handele.
Auch im Fürther Fall wollen sich die Ermittler noch nicht auf einen rechtsradikalen Hintergrund festlegen (wir berichteten). Sie haben inzwischen die Sonderkommission „Ford“ eingerichtet, die klären soll, wer das Auto eines Mitglieds der Antifaschistischen Linken Fürth in Brand gesteckt hat. Für das Fürther Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus ist dagegen klar, dass Neonazis die Tat verübt haben. In den vergangenen drei Jahren sei dies bereits der vierte Anschlag auf ein Auto von Nazigegnern, betonen Bündnismitglieder.
Rechtsextremismus-Forscher beobachten, dass Neonazis sich zunehmend unbehelligt in Franken treffen und vor allem mit Jugendlichen vernetzen. Sie gelten zum Teil als gewaltbereit und machen häufig mit Flugblättern auf sich aufmerksam, wie jüngst in Langenzenn im Kreis Fürth.
Sozialwissenschaftlerin Birgit Mair aus Nürnberg, die Schulklassen über rechtsradikale Gruppierungen aufklärt, spricht von neuen Strukturen, die es den Neonazis ermöglichen, sich regelmäßig zu treffen. Vor allem im ländlichen Raum.

