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Am Ende weicht die Begeisterung plötzlich aus den Gesichtern der Zuhörer. Wie wichtig es wäre, dass Schüler ihre Lehrer beurteilen dürften, sagt Christian Pfeiffer da. Selbstverständlich solle die Bewertung anonym sein und so geschützt, dass nur die Lehrer selbst und vielleicht bei Anfängern noch der Direktor die Bewertungen einsehen können.
Aber diese Forderung lässt die Grund- und Hauptschullehrer, vor denen der niedersächsische Kriminologe mit bayerischen Wurzeln und bayerischem Abitur das ausspricht, sichtbar schlucken. „Jetzt sind Sie plötzlich alle ganz still“, erkennt Pfeiffer lächelnd. „Aber richtig ist es doch.“ Und schon hat er sich den Applaus wieder gesichert.
„Extensiver Medienkonsum als Ursache für schulisches Leistungsversagen?“ Das war das Thema beim Hauptvortrag auf dem vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband veranstalteten Fortbildungstreffen, zu dem bis einschließlich heute rund 1000 Pädagogen in Schwabach erwartet werden.
Doch das Fragezeichen war unnötig. Denn seit Pfeiffer mit seinem Kriminologischen Forschungsinstitut vor vier Jahren eine Studie unter 45000 Schülern durchgeführt hat, wiederholt er leidenschaftlich immer wieder dieselbe These: Je mehr Medienkonsum, desto schlechter die Leistungen in der Schule.
Betroffen sind demnach vor allem die Jungen: Weil sie viel länger am Computer hängen und viel empfänglicher für Killerspiele sind, sacken sie leistungsmäßig viel stärker ab als die Mädchen. Pfeiffer prophezeit weitreichende Folgen: „Das mit der Frauenquote richtet sich von allein, weil es die Männer nicht mehr bringen, in die Führungspositionen zu kommen.“
Zwei Gründe nennt der 67-Jährige für den Zusammenhang zwischen Computer, Fernseher und schlechten Noten: Die Bildschirme stehlen die Zeit fürs Lernen. Und sie liefern dem Gehirn so starke Bilder und Gefühle, dass der Schulstoff nicht mehr ins Langzeitgedächtnis wandert.
Auswege aus dem Dilemma hat Pfeiffer durchaus vorzuschlagen: Intensive Eltern-Information gehört dazu. Bei einem Pilotprojekt in Landkreis Reutlingen konnte damit, so berichtet er, die deutschlandweit niedrigste Quote von Bildschirmen in Kinderzimmern erreicht werden.
Auch die Ganztagsschule befürwortet Pfeiffer. „Aber nicht als Verwahranstalt. Sondern als Ort, der den Nachmittag ausnutzt, um Lust auf Leben zu machen.“ Eine solche Schule hat er in Neuseeland kennengelernt. Lehrer müssen dort weniger reguläre Unterrichtsstunden halten, wenn sie am Nachmittag Kurse über ihre Hobbys anbieten. Das führt zu einem besseren Miteinander auch am Vormittag. Und beugt Burnout-Problemen vor.
Eine andere Beispielschule hat Pfeiffer in den USA besucht. Sie richtet sich nach Erkenntnissen der Hirnforschung — und setzt auf Fitness. „Die Vernetzung der Synapsen entsteht durch Bewegung“, erklärt der Kriminologe. Während die Schüler knifflige Matheaufgaben lösen, strampeln sie auf Ergometern oder rennen in der Turnhalle von Station zu Station. Der Stundenplan wurde umgestellt: Erst wird Sport getrieben, dann Naturwissenschaften gepaukt. Pfeiffer will so etwas in Deutschland ausprobieren — unter anderem an einer bayerischen Schule. Das Okay der Staatsregierung hat er demnach bereits.

