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Captain Kirk, Kapitän des Raumschiff Enterprise aus der Fernsehreihe „Star Trek“, hat’s leicht: Er gibt den Befehl zum „Warp-Antrieb“ und sein Schiff rast zwischen Sternen und Planeten im Universum hin und her, ohne sich um physikalische Grenzen zu scheren.
Wissenschaftler sind schon heute erdähnlichen Planeten auf den Fersen. Doch wenn wir einen finden, stellt sich die Frage: Wie kommen wir hin? Selbst Lichtteilchen brauchen sehr lange, um die Galaxie zu durchqueren: Mehr als 25000 Jahre beispielsweise, um in das Zentrum unserer eigenen Galaxie, der Milchstraße, zu gelangen. Und die Physik legt leider fest, dass wir nicht schneller als das Licht fliegen können. Es sei denn, die Physik irrt und es geht irgendwie doch noch einen Tick schneller. Dann wäre vielleicht auch der Besuch auf einer zweiten Erde möglich.
Und so kursieren immer wieder einige — unbewiesene — Hypothesen, dass es doch irgendwie noch schneller gehen könnte. Der portugiesische Kosmologe João Magueijo zum Beispiel schrieb 2005 ein Buch mit dem Titel „Schneller als die Lichtgeschwindigkeit: Hat Einstein sich geirrt?“. Seine Antwort: Ja. Er behauptet, dass sich Licht kurz nach dem Urknall viel schneller bewegt haben muss, denn das Universum sei schließlich im Radius größer, als Lichtstrahlen seit Beginn des Universums an Strecke hätten zurücklegen können.
Es ist eh unwahrscheinlich, dass wir je ein Objekt mit Lichtgeschwindigkeit auf die Reise schicken können. Denn um ein Raumschiff derart zu beschleunigen, bräuchte man nahezu unendlich viel Energie, die auf der Erde nicht vorhanden ist.
Von solchen Dimensionen sind wir weit entfernt: Den Geschwindigkeitsrekord im Weltraum halten bislang die in den 1970er Jahren gestarteten Helios-Sonden mit etwa 250000 Kilometern pro Stunde. Das Licht legt 300000 Kilometer in einer Sekunde zurück. Mit Helios Höchstgeschwindigkeit würde man selbst das knapp 21 Lichtjahre entfernte und damit relativ nahe Sonnensystem Gliese 581 mit seinen sechs bekannten Planeten erst in 90000 Jahren erreichen.
Ein anderes Problem: Reisten Astronauten quer durch die Galaxie, würden sie nach der Rückkehr auf die Erde feststellen, dass ihre Freunde alt oder tot sind. Das ist eine Folge der Relativitätstheorie, die besagt, dass mit zunehmender Geschwindigkeit die Zeit langsamer vergeht – relativ wohlgemerkt. Wenn also ein Raumschiff mit 99 Prozent Lichtgeschwindigkeit zu einem zehn Lichtjahre entfernten Planeten und wieder zurück flöge, vergingen an Bord etwa drei Jahre, auf der Erde 20.
Könnten wir wenigstens mit heute verfügbarer Technik fremde Welten erreichen? Am Lehrstuhl für Raumfahrttechnik der Technischen Universität München arbeitet ein Team um Markus Czupalla an „Virtual Habitat“, einer Simulation von Mensch und Umgebung in Raumschiffen. Die Forscher testen damit Lebenserhaltungssysteme für Langzeitraumflüge. Das System soll Astronauten über einen längeren Zeitraum ein unabhängiges Leben ermöglichen.
Das virtuelle Schiff verfügt über einen eigenen Wasserkreislauf. Algen und Pflanzen produzieren Sauerstoff und Nahrung für die Astronauten. An Bord wachsen Weizen, Reis, Bohnen, Salate, Kartoffeln oder Tomaten – kurzum: Man könnte damit Jahrzehnte im All verbringen. „Wir berücksichtigen ausschließlich Technologien, die bereits in der Internationalen Raumstation (ISS) verwendet werden, auf der Erde demonstriert wurden oder sich in der Entwicklung befinden“, sagt Czupalla.
Der Forscher geht davon aus, dass künftig Aussaat und Ernte automatisiert werden – in dem derzeitigen System müssten die Astronauten einen Teil ihrer Zeit der Pflanzenzucht widmen. Vermutlich machen sie das sogar gerne, denn „es gibt Studien, die zeigen, dass Pflanzen an Bord sich positiv auf die Stimmung auswirken,“ so Czupalla. Einige Astronauten würden zwar behaupten, dass sie ungern ihr Überleben vom Gedeihen der Pflanzen an Bord abhängig machen wollten, dennoch glaubt Czupalla, dass solche Systeme künftig unerlässlich sind – insbesondere bei längeren Missionen.
Derzeit testen die Münchner Physiker Reisen mit einer Dauer von bis zu zwei Jahren — genug für einen Flug zum Mars. Prinzipiell wären sogar Raumflüge über mehrere Generationen möglich – allerdings können die Schiffe derzeit noch nicht so dicht gebaut werden, dass sich der Verlust von Wasser vermeiden lässt. Die so genannten Generationenraumschiffe müssten unterwegs Wasser von anderen Himmelskörpern tanken. Abgesehen davon weiß niemand, wie lange Menschen es in einer völlig abgeschlossen Umgebung aushalten.
Dennoch: Wenn die Menschheit nicht auf bahnbrechende Erfindungen warten will, sind diese Schiffe derzeit die realistischste Variante, um fremde Welten zu erreichen. Freiwillige würde sich vermutlich sogar auftreiben lassen. Jetzt muss man sie nur noch finden, die nächste neue Erde.


Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.