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Schwerhörig durch Disco-Beats

In der Disco besser Ohrstöpsel tragen - 26.04. 21:48 Uhr

Sankt Augustin   - Jugendliche tragen in der Disco besser Ohrstöpsel, um nicht schwerhörig zu werden. Denn das Gehör kann bereits dauerhaft beeinträchtigt werden, wenn Discobesucher zwei Stunden pro Woche laute Musik hören.

Symbolbild.
Symbolbild.
Foto: colourbox.com

Solche regelmäßigen Discobesuche könnten das Risiko einer späteren Schwerhörigkeit um das Zehnfache erhöhen, sagte der Lärmforscher Martin Liedtke anlässlich des Tags gegen Lärm an diesem Mittwoch (27. April). Untersuchungen zufolge leiden fünf Prozent derjenigen, die sich 24 Jahre lang zwei Stunden pro Woche in extrem lauten Räumen beschallen lassen, unter geringer oder mittlerer Schwerhörigkeit.

„Irgendwann kommt dann das Hörgerät, und dann wird es nie mehr so sein wie mit gesundem Gehör“, sagte der Experte vom Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung in Sankt Augustin bei Bonn. Er hat einen Lärmbelastungsrechner entwickelt, der sich im Internet herunterladen lässt. Mit ihm können Discobesucher die Gefahr für das eigene Gehör analysieren.


Liedtke empfiehlt Jugendlichen, nur mit Gehörschutz in Clubs zu gehen. Eine andere Möglichkeit sei es, den DJ anzusprechen und ihn darum zu bitten, den Lärmpegel zu senken. Umfragen hätten ergeben, dass die meisten Discogänger nichts gegen weniger stark wummernde Beats haben.

Klassik ist am besten für die Ohren

Das Absenken zu lauter Musik werde von dem Gehör verhältnismäßig wenig wahrgenommen, sagte Liedtke. Wenn eine extrem hohe Schallintensität beispielsweise um das Zehnfache abgesenkt wird, denke der Clubgänger, dass die Lautstärke nur um die Hälfte reduziert wurde.

Das gilt auch für das Musikhören mit dem MP3-Player: Wer den Balken auf der Skala bei hoher Lautstärke nur etwas absenkt, vermindert gefährlichen Lärm bereits deutlich. Beim Musikhören mit dem MP3-Player warnt Liedtke davor, ihn bis zum Anschlag aufzudrehen. Sechs von zehn Balken auf der Lautstärke-Skala eines Abspielgeräts seien hingegen unbedenklich.

Wie stark Musik das Gehör beeinträchtigen kann, hängt auch von der Musikart ab: Zu laut abgespielte Charts mit Pop- und Rocksongs sind für das Ohr deutlich schädlicher als Oldies und Jazz. Denn aktuelle Popstücke hätten kaum ruhige Sequenzen, und der Lärmpegel in einem Song sei fast durchgängig hoch.

Am wenigsten belastet Klassik das Gehör, denn Beethoven und Mozart hätten in ihren Stücken auch ruhigere Abschnitte. Entwarnung gibt Liedtke hingegen für Kinobesucher, die im akustischen Dauerbeschuss von Actionfilmen um ihr gutes Gehör fürchten. „Der Kinobesuch an sich ist ungefährlich.“ Nur wer länger als sechs Stunden pro Tag im Kinosessel Actionkracher konsumiert, habe Grund zur Besorgnis.