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1952: Als ganz Franken Ostern im Freien feierte

Vor 60 Jahren luden sommerliche Temperaturen zu ausgedehnten Ausflügen ein - 07.04.2012 14:31 Uhr

Die Osterausgaben der Nürnberger Nachrichten von 1952 gleichen einem Bilderbuch: Unter der Überschrift „Sonnige Ostern im Zeichen der Stadtflucht“ sind entspannte Paare in vollen Biergärten, endlose Radler- und Motorrad-Kolonnen auf den Straßen und Menschentrauben im Tiergarten zu sehen.

Ostern an der Pegnitz: Die meisten Familien nutzten die freien Tage zu einem entspannten Picknick.
Ostern an der Pegnitz: Die meisten Familien nutzten die freien Tage zu einem entspannten Picknick.
Foto: Gertrud Gerardi
Ostern an der Pegnitz: Die meisten Familien nutzten die freien Tage zu einem entspannten Picknick.
Ostern an der Pegnitz: Die meisten Familien nutzten die freien Tage zu einem entspannten Picknick.
Foto: Gertrud Gerardi

Die Meteorologen hatten bis zu 24 Grad vorausgesagt. Eindeutige Vorzeichen der Ausflugsstimmung bekam man im Hof des Polizeipräsidium zu sehen: Dort versammelte sich täglich ein Riesenpulk von Motorradfahrern – alle wollten noch schnell die Zulassung, um ins Grüne fahren zu können.

Tödlicher Bubenstreich

Der bevorstehende Osterverkehr löste sogar Besorgnis aus. Die Bundesverkehrswacht startete eine Großaktion „Ostern ohne Unfall.“ Die Nürnberger Nachrichten können nach Ostern schließlich feststellen: „Der Appell verhallte nicht ungehört – trotz Rekordverkehr nahm die Unfallzahl gegenüber 1951 ab.“


Für einen Nürnberger endete eine Spritztour nach Rothenburg allerdings tödlich. Die NN berichten unter der Überschrift „Furchtbare Folgen eines Bubenstreichs“: Nach einer ausgedehnten Zecherei kamen der 18-Jährige und seine drei Kameraden auf die Idee, einen Wagen zu stehlen und damit auf Spazierfahrt zu gehen.

„Durch ununterbrochenes Hupen hielten sie sich die Fahrbahn frei“, heißt es in den NN. Kurz vor Großhabersdorf verlor der 19-jährige Fahrer die Herrschaft über den Wagen und prallte gegen einen Alleebaum. Das Auto wurde zehn Meter weit geschleudert und blieb zertrümmert liegen.“ Der 18-Jährige Mitfahrer starb später im Krankenhaus. Keiner der drei Autodiebe war im Besitz eines Führerscheins.

Risikoloser hielten es dagegen die Familien, die in den Tiergarten pilgerten. Die Attraktionen waren vier junge Braunbären und ein Pärchen indischer Marabus. Nach den vier Tagen konnte die Tiergartenverwaltung einen Rekordbesuch von 46000 Besuchern melden. Mit den entstandenen Abfallbergen und den zertrampelten Wiesen musste sich der damalige Direktor Dr. Seitz resigniert abfinden.

Diskussionsthema in Nürnberg war, wie auch eine Umfrage und eine Leserbriefseite zeigen, zu dieser Zeit die geplante Verlängerung der Ladenöffnungszeiten. Nach einem Gesetzentwurf sollten am Samstagnachmittag überall die Läden geöffnet bleiben, dafür aber am Mittwochnachmittag geschlossen sein. Die Beschäftigten liefen Sturm gegen die Pläne.

Die damals geltende Regelung ermöglichte für den Samstag eine Fall-zu-Fall-Lösung, eine Einigung von Einzelhandel und Gewerkschaft vorausgesetzt. So wird auch eine auf den ersten Blick überraschende Großanzeige des Bekleidungshauses Wöhrl verständlich: „Bekanntgabe – Wir können trotz der Erweiterung unserer Geschäftsräume insbesondere an Samstagen dem Kundenstrom nicht mehr Herr werden. Deswegen und um den vielen berufstätigen Kunden entgegenzukommen führen wir ab sofort folgende verlängerte Verkaufszeiten ein: Montag bis Freitag durchgehend 9 bis 19 Uhr; Samstags durchgehend 8 bis 16 Uhr.“

Symbolfigur Osterhase

Gerade die Bekleidungsbranche bediente sich in der Werbung vor Ostern ausgiebig des Osterhasen als Symbol. Der springt unter der Parole „Ostern – mit kleinem Geld große Sprünge machen“ durch eine Anzeige des damals noch stehenden Ringkaufhauses. Die Firma „Sturm & CO“ dichtet: „Und wo kauft der Osterhase – Natürlich in der Siegfriedstraße“. Bei Pretscher in der Karolinenstraße gibt es das „Osterei“ für IHN und für SIE, zum Beispiel Perlon-Strümpfe für 5,45 DM.

Als echtes Windei erwies sich das Osterei, das die Geflügelzüchter in die Nester gelegt haben wollten: In einer Anzeige von Milch-Eisenhut, Lorenzer Straße, wurde eine „Trephon-Eier-Kur“ angepriesen, die Verjüngung und Heilung verspricht.

Die NN klären auf: „Trephon, ein Wuchsstoff im Hühner-Embryo, soll Zellerneuerung anregen. Es heißt, man soll einen Monat lang täglich ein seit neun Tagen bebrütetes rohes Ei essen.“ Überzeugen ließ sich kaum jemand: Die meisten Ausflügler und Tiergartenbesucher aßen zum Picknick in der fränkischen Frühlingssonne zwar Eier – aber sicher keine rohen. 

OTTO BÖHM


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