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1972: Aerobic-Queen Jane Fonda im „Feindeslager“

Als Gegnerin des Vietnam-Krieges reiste die Schauspielerin nach Hanoi - 14.07.2012 13:43 Uhr

Ein starkes Bild: Umringt von Soldaten und Reportern singt Schauspielerin Jane Fonda 1972 in der Nähe von Hanoi ein Anti-Kriegslied.

Ein starkes Bild: Umringt von Soldaten und Reportern singt Schauspielerin Jane Fonda 1972 in der Nähe von Hanoi ein Anti-Kriegslied. © dapd


Die amerikanische Luftwaffe flog am Tag vor dem Besuch des Filmstars 310 Einsätze; Ziel der B-52-Bomber waren die westlichen Vororte von Hanoi. Auch Jane Fonda selbst musste Schutz vor den Bomben suchen. Sie habe dabei, wie sie später erzählte, keinerlei Hass gegen sie als Amerikanerin gespürt, sondern eher Verwunderung über ihre Anwesenheit.

Zu Hause wird sie schnell als „Hanoi-Jane“ abgestempelt. Dabei war sie natürlich keine Kommunistin geworden, sondern Teil der weltweiten Anti-Vietnam-Kriegsbewegung. Sie fürchtete um die eigentlichen Werte der Amerikaner, die durch die Brutalität des Krieges weltweit in Misskredit gerieten – ein Streit um den wahren Patriotismus also, der allerdings mit harten Bandagen geführt wurde: „Der republikanische Kongressabgeordnete Fletcher Thompson beschuldigte sie des Hochverrates. Er forderte den Justizminister auf, den Filmstar nach seiner Rückkehr gerichtlich zu verfolgen“, berichteten die NN.

Daraus wurde nichts, trotz umfangreicher Telefon-Überwachung durch die Nixon-Administration.

Auf YouTube kann man ein TV-Interview vom September 1972 sehen: Zu erleben ist eine zierliche, strahlende Frau Mitte dreißig, etwas mädchenhaft wirkend, die unaufgeregt ihre ganz und gar nicht radikale Position erklärt und sich dafür von Anrufern in der Sendung auch beschimpfen lassen muss.

Wunde heilt langsam

Jane Fonda war in dieser Lebensphase mit dem Politiker Tom Hayden, einem linken Demokraten verheiratet. Sie hatte 1971 ihren ersten Oscar für die Rolle einer Prostituierten im Film „Klute“ erhalten. Einen zweiten Oscar gab es für sie im Vietnam-Drama „Coming home“ (1979). In der Dreiecksgeschichte nimmt Sally (Jane Fonda) eine einfühlsame Liebesbeziehung zu einem schwer verwundeten Vietnam-Rückkehrer auf, während ihr Mann selbst noch in Vietnam stationiert ist – eher eine Geschichte mit privatem Charakter als ein politischer Anti-Kriegsfilm.

Die Wunde Vietnam heilt nur langsam, auch in der Biografie Jane Fondas: Als sie 1990 zu Filmaufnahmen unterwegs ist, wird vor Ort von Vietnam-Veteranen eine Aktion organisiert: Am Baum hängt eine Jane-Fonda-Puppe, die verbrannt wird.

Auch wenn sie im Nachhinein nicht mehr zur Hanoi-Aktion von 1972 steht („Ich habe in einem leichtsinnigen Moment einen furchtbaren Fehler begangen, der viele Amerikaner verletzte“, sagt sie in einem Zeit-Interview 2007), hat sie sich doch noch einmal öffentlichkeitswirksam in die Politik eingemischt: Sie protestierte im Januar 2007 gegen den Irakkrieg.

Schweigen keine Option

In ihrer Rede vor den Demonstranten in Washington (Motto: „Holt unsere Jungs endlich zurück nach Hause.“) sagte sie: „Seit 34 Jahren habe ich nicht mehr an einer Anti-Kriegs-Demo teilgenommen. Doch jetzt ist Schweigen keine Option mehr. Ich bin so traurig, dass wir dies hier tun müssen – dass wir die Lehren aus dem Vietnam-Krieg nicht gezogen haben.“ Sie selbst hatte eine Lehre gezogen: Nicht den Soldaten die Schuld am Krieg zu geben, sondern mit ihnen und ihren Familien Schulter an Schulter gegen die Politik im Weißen Haus zu protestieren. Jetzt, 2012, kann sie selbst noch ins Weiße Haus einziehen, als Schauspielerin im Film natürlich nur: Die frühere Ikone des Protestes soll in dem Film  „The Butler“ die ehemalige First Lady Nancy Reagan darstellen.

Inzwischen ist Jane Fonda 74 Jahre alt. Dass ihr Leben – mit drei Scheidungen – voller Brüche und Eigenwilligkeiten zu sein scheint, hat wohl mit der Maxime zu tun, die sie in der Zeit verrät: „Man kann nicht immer auf der sicheren Seite leben. Sonst verpasst man zu vieles, was wichtig ist.“ 

OTTO BÖHM

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