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1982: Neues Leben für ein kulturhistorisches Kleinod

Vor 30 Jahren leitete ein Sinneswandel der EWAG die Sanierung des Industriestandorts Hammer ein - 28.01. 18:06 Uhr

Die schriftliche Mitteilung der EWAG Energie- und Wasserversorgungs AG erreichte die SPD Stadtratsfraktion am 1. Februar 1982. Der Brief leitete eine Wende in der Auseinandersetzung um ein einzigartiges Industriedenkmal ein: Hammer, der Kleinst-Stadtteil bei Laufamholz, durfte weiterleben und wurde nicht – wie von der EWAG lange Zeit propagiert – entvölkert.

Das Uhrenhaus in Hammer vor seiner Restaurierung in den 80er Jahren. Heute beherbergt das einstige Wohngebäude ein kleines Museum zur Geschichte des Mini-Stadtteils Hammer.
Das Uhrenhaus in Hammer vor seiner Restaurierung in den 80er Jahren. Heute beherbergt das einstige Wohngebäude ein kleines Museum zur Geschichte des Mini-Stadtteils Hammer.
Das Uhrenhaus in Hammer vor seiner Restaurierung in den 80er Jahren. Heute beherbergt das einstige Wohngebäude ein kleines Museum zur Geschichte des Mini-Stadtteils Hammer.
Das Uhrenhaus in Hammer vor seiner Restaurierung in den 80er Jahren. Heute beherbergt das einstige Wohngebäude ein kleines Museum zur Geschichte des Mini-Stadtteils Hammer.

Zwei Fronten standen einander lange unversöhnlich gegenüber. Auf der einen Seite die EWAG: Sie hatte das gesamte Areal mitsamt der bewohnten Häuser 1977 erworben, weil es in der engeren Schutzzone der Trinkwassergewinnung gelegen war. Am liebsten wäre es den Wasserwerkern gewesen, wenn es in dieser Zone überhaupt keine Bebauung gegeben hätte; ein Abriss der denkmalgeschützten Häuser kam nicht infrage. Dass innerhalb der engeren Schutzzone aber weiterhin Menschen wohnten, war ihnen ein Dorn im Auge, stellte dies doch eine latente Bedrohung fürs Grundwasser dar. Die Gebäude, die zum Teil aus dem 16. Jahrhundert stammten, verfügten zur Zeit des Kaufs durch die EWAG noch nicht einmal über einen Anschluss an die Kanalisation; die Abwässer landeten in Sickergruben.


Das kleine Museum gibt einen Einblick in die Wohnverhältnisse der Arbeiter des ehemaligen Messingwerkes.
Das kleine Museum gibt einen Einblick in die Wohnverhältnisse der Arbeiter des ehemaligen Messingwerkes.
Foto: Archiv/Voll
Das kleine Museum gibt einen Einblick in die Wohnverhältnisse der Arbeiter des ehemaligen Messingwerkes.
Das kleine Museum gibt einen Einblick in die Wohnverhältnisse der Arbeiter des ehemaligen Messingwerkes.
Foto: Archiv/Voll

Auf der anderen Seite standen viele Bürger (nicht nur aus Laufamholz), die sich für den Erhalt von Hammer als lebendigen Stadtteil einsetzten. Denn Hammer ist etwas Einzigartiges: Fachleute priesen es als „kulturhistorisches Kleinod“. Wenn in den Gebäuden erst einmal niemand mehr lebte, „sind sie der Gefahr des Vandalismus ausgesetzt, was die Gefährdung des Wasserschutzes maximiert“, argumentierten Peter Schönlein, damaliger SPD-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat und der kulturpolitische Sprecher Günter Masopust (SPD).

Tatsächlich handelt es sich bei Hammer um ein außergewöhnliches Industriedenkmal. Erstmals wurde im Jahr 1372 in einem Lehensbrief Kaiser Karls IV. eine Mühle an dieser Stelle der Pegnitz erwähnt. Seit 1492 ist in Hammer die Einrichtung eines Messinghammerwerks belegt. Bis zur Zerstörung bei einem englischen Luftangriff im August 1943 wurde hier Messing (eine Legierung aus Kupfer und Zink, der geringe Mengen von Blei, Mangan, Aluminium, Eisen und Zinn zugesetzt werden können) in Form von Blechen und Draht hergestellt. Zeitweise war Hammer der bedeutendste Industriestandort in Nürnberg. Eine Spezialität waren hauchdünne Folien von zwei hundertstel Millimetern Stärke, die bis nach Indien exportiert wurden, wo sie Tempeln ihren goldenen Glanz verliehen. Während des Ersten Weltkriegs produzierten die Arbeiter Patronenhülsen.



Zu Beginn der 19. Jahrhundert ersetzten erstmals Walzwerke die alten Hämmer. Seit 1894 (und bis heute) wird in Hammer Strom erzeugt, mit dem einst mehr als 30 Ortschaften im Moritzberggebiet versorgt wurden.

Der Zeit weit voraus

Vorbildlich und ihrer Zeit weit voraus waren die sozialen Leistungen, die die (häufiger wechselnden) Hammerherren, darunter die Familien Haller, Volkamer und von Forster, ihren Arbeitern bis ins 19. Jahrhundert gewährten. Die Beschäftigten und ihre Familien durften in Werkswohnungen leben, sie erhielten ein Unfall- und Altersgeld, Kinder der Arbeiter wurden ab dem 17. Jahrhundert kostenlos in einer eigenen Schule unterrichtet und der Fabrikherr kam für alle Steuern und Abgaben seiner Beschäftigten auf. Die Wohnungen bestanden aus Stube, Kammer, Küche und Bodenraum – für damalige Zeiten durchaus gute Verhältnisse, auch wenn manche Familie mit 16 Personen dort lebte. Die Unterkunft wurde sogar einmal im Jahr auf Werkskosten frisch getüncht.

Im Gegenzug mussten sich die Arbeiter verpflichten, die Produktionsgeheimnisse der Messingherstellung zu hüten und nach dreijähriger Ausbildung ein Gelübde ablegen, niemals die Herstellungsmethoden zu verraten.

Bis heute verschafft der Ort einen lebendigen Eindruck früheren Lebens und Arbeitens, wenngleich es weit beschaulicher zugeht als früher. Um 1820 lebten auf dem Areal bis zu 140 Personen, heute sind es gerade noch vier, ein Hund und eine Katze. Seit 1992, nach zehnjähriger Sanierung der Gebäude und dem Anschluss an die Kanalisation, erhalten Besucher in einem kleinen Museum im sogenannten Uhrenhaus einen Einblick in die Geschichte des Mini-Stadtteils (geöffnet sonntags vom Ostersonntag bis Ende Oktober, 14–17 Uhr; Eintritt frei).

Bei der N-Ergie, der Nachfolgerin der EWAG, ist man 30 Jahre nach dem Sinneswandel froh, sich für die Einrichtung des „lebendigen Museums“ entschieden zu haben. „Das hat sich bewährt“, sagt Sprecherin Heidi WillerGEORG KLIETZ 




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