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Berlin intern

Zerstört sich die Berliner SPD selbst? Bei einer Kampfkandidatur um den Landesvorsitz droht Wowereits Weggefährten eine Niederlage - 05.05.2012 18:35 Uhr

Ein Nationalessen ist die Currywurst.

Ein Nationalessen ist die Currywurst. © colourbox.com


Trotzdem könnte der 47-jährige Müller, der bei seinen Auftritten immer ein wenig wie ein großer Bub wirkt, in wenigen Wochen sein Amt los sein. Gegen seinen eigenen Willen. Er kandidiert wieder, aber er hat einen überraschend starken Gegenkandidaten erhalten: den 38-jährigen Jan Stöß, einen Vertreter der Berliner SPD-Linken, bisher Vorsitzender des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg.

Altgediente Berliner Sozialdemokraten wie Ex-Bürgermeister Walter Momper und Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse können es nicht fassen, dass das eingespielte Führungsteam aus Wowereit und Müller nun gesprengt werden soll. Sie warnen vor einer Selbstzerstörung der Landes-SPD nach dem Motto „Wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er auf’s Eis“.

Ganz eigene Haltung

Das Hauptargument, das gegen den bisherigen Landeschef, einen gelernten Drucker, ins Feld geführt wird: Seit er vor ein paar Monaten vom Posten des Fraktionschefs in das Amt des Stadtentwicklungs- und Verkehrssenators gewechselt ist, könne er die klare, unverfälschte Position der SPD nicht mehr so richtig vermitteln. Er sei zu sehr in die Regierungszwänge eingebunden.

Müllers Gegner Jan Stöß, von Beruf Verwaltungsrichter, sieht das ähnlich. Er sagt: „Die Berliner SPD muss aber unabhängig vom Tagesgeschäft der Koalition ihre ganz eigene sozialdemokratische Haltung zu den Problemen in unserer Stadt – von Renten bis Mieten oder der S-Bahn – finden. Wir sollten bereit sein, manchmal weiter als nur bis zu den Kompromissen des Koalitionsvertrags zu denken.“

Das kommt offensichtlich gut an. Gerade erst hat sich bei einer Regionalkonferenz der wichtige, weil halbwegs als neutral geltende Bezirk Mitte für den Bewerber Stöß entschieden. Da half es Michael Müller wenig, dass er kurz danach die Vorentscheidung in Charlottenburg gewann, denn der alte Westen Berlins gilt ohnehin als seine Domäne.

Voraussichtlich am 9. Juni wird beim Landesparteitag der Berliner SPD entschieden, wer künftig Vorsitzender ist. Nachdem sich der Partei-Liebling Klaus Wowereit schon für seinen Weggefährten Müller ausgesprochen hat, wird er im Falle von dessen Niederlage ebenfalls politisch geschädigt. Aber das scheint den Berliner Sozis momentan egal, denn der Trend geht eindeutig in Richtung Jan Stöß.

Michael Müller gibt sich nach außen gelassen. Was er denn am Abend des 9. Juni unternehmen wolle, wird er oft gefragt. Feiern, sagt er. Egal, was passiert. Er plant, als Senator (Minister) die Party zum 25-jährigen Bestehen der Gärten der Welt in Marzahn zu besuchen. Wenn sie ihm da mal nur nicht einen Trauermarsch zur Begrüßung spielen... 

HARALD BAUMER

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