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Berlin Intern

Gilt in der Hauptadt bald Bauhelm-Pflicht? Verkehrsplaner muten Bürgern und Touristen heuer und im nächsten Jahr einiges zu - 18.08.2012 16:05 Uhr

Ein Nationalessen ist die Currywurst.

Ein Nationalessen ist die Currywurst. © colourbox.com


Schuld ist die U5 – eine U-Bahn, die vom Hauptbahnhof bis zum Alexanderplatz geführt werden soll. Ziemlich sicher die letzte ihrer Art, denn in Zukunft wird sich die Stadt wohl solche Ausgaben nicht mehr leisten können. Sie kann es ja eigentlich jetzt schon nicht. Diese Linie verdankt ihre Entstehung noch der Wiedervereinigungs-Euphorie – und der bloßen Notwendigkeit, West und Ost verkehrstechnisch besser zu verbinden.

Das Problem: Die Route muss zwangsläufig die Prachtstraße Unter den Linden entlang führen. Eine U-Bahn ist aber nun mal keine Gasleitung, die man mal eben unter dem Bürgersteig verbuddelt. Der Asphalt muss auf breiter Front aufgerissen werden, die Arbeiten reichen bis 25 Meter tief unter die Erde. Deswegen wird der Boulevard weiträumig abgesperrt und der Spaziergang entwicklt sich für die Touristen zum Slalomlauf. Von den armen Berlinern, die jeden Tag hier unterwegs sind, wollen wir erst gar nicht reden. Am besten würden sie alle mit Bauhelmen ausgestattet.
 

"Fahr`n Se da jar nich hin!"


Inzwischen ist der wohl heikelste Teil des Unternehmens an der Reihe: die Kreuzung Unter den Linden/ Friedrichstraße. Hier führt bereits eine viel genutzte U-Bahn unter der Straße hindurch, die U6. Sie muss nun für 16 Monaten unterbrochen werden. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) raten den Menschen gar nicht erst, sich von einer Station zur anderen mit dem Bus, auch Schienenersatzverkehr genannt, fahren zu lassen. Man solle lieber die 500 Meter laufen, wird empfohlen.

Von Taxifahrern ist als guter Tipp zu hören: „Fahr´n Se da am besten jar nich´ mehr mit dem Auto hin!“ Die Linienbusse nehmen abenteuerliche Wege durch kleine Seitenstraßen.

Am besten haben es noch die Radfahrer. Zumindest dann, wenn sie bereit sind, über die Verkehrsregeln großzügig hinweg zu sehen und das ganze Stadtzentrum als eine Art Geländeparcours betrachten.

Der einzige Trost: Im Juli 2019 soll die neue U-Bahn-Linie ihren Betrieb aufnehmen. Allerdings sollte man bei Berliner Bauvorhaben mit Terminangaben etwas skeptisch sein. Ein paar Jahre Luft sind immer drin, siehe den Großflughafen Berlin Brandenburg. 

HARALD BAUMER - Sonntagsblitz

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