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Der kommunalpolitische Kommentar

Dürer deckt fränkisch-bayerische Risse auf - 17.02. 15:12 Uhr

Nürnberg  - Dürers „Selbstbildnis im Pelzrock“ geht nicht auf Reisen, sondern bleibt dauerhaft in der Alten Pinakothek München — nachdem selbst die Restauratoren des Germanischen Nationalmuseums nach einer eingehenden Analyse des Werkes einräumen müssen, dass das 500 Jahre alte Gemälde nicht guten Gewissens von der Landeshauptstadt in die Noris transportiert werden kann.

Was bleibt also als Fazit des bizarren Bilderstreits? Keiner trägt die Verantwortung und die in Nürnberg geplante Ausstellung zum Frühwerk des wohl berühmtesten Sohnes der Stadt hat viel Gratis-Werbung erhalten? Zurück zur Tagesordnung? Von wegen!

Die vergangenen Wochen waren ein Lehrstück, mit weit über einen Experten-Streit hinausreichenden Erkenntnissen: Gewährten sie doch einen tiefen Einblick in das bayerisch-fränkische Verhältnis im Jahr 2012.

Wenn der Dürer-Krach eines belegt hat, ist es die Tatsache, dass es nach wie vor nicht gut bestellt ist um die Rücksichtnahme auf regionale Befindlichkeiten im Freistaat.



Denn es bedurfte zunächst eines wahren Flächenbrandes, befeuert durch in seltener Einmütigkeit verfasste Resolutionen aller im Landtag vertretenen Gruppierungen, ehe der Thematik der Stellenwert beigemessen wurde, den sie verdient hat.

Vorher konnte der Eindruck entstehen, dass es den verantwortlichen Kulturpolitikern in diesem Bundesland reichlich egal gewesen war, dass ein weit über Nürnbergs Grenzen hinausstrahlendes Museum ein Gemälde, das in dieser Stadt von einem hiesigen Maler entstanden ist, temporär ausgeliehen haben wollte.

Das böse Wort von der Arroganz der Münchner machte die Runde — und nicht nur die notorisch-skeptischen Franken-Lobbyisten schüttelten verwundert den Kopf. Die heftige Reaktion des ansonsten als eher besonnen bekannten Schwabacher Landtagsabgeordneten Karl Freller (CSU) mag exemplarisch dafür stehen. Das Angebot der Münchener, Besucher der Dürer-Ausstellung könnten gratis das Original in der Pinakothek bewundern, bezeichnete Freller nicht zu Unrecht als „Almosen“.

Keine Frage: Der Umgang mit fränkischer „Beutekunst“ erregt die Gemüter — über Fachkreise hinaus und mehr als dies so manchem Kabinettsmiglied in München recht sein dürfte.

Die kritischen Töne, die der oberfränkische Regierungspräsident Wilhelm Wennig, an und für sich ein dem Freistaat loyal dienender Spitzenbeamter, anlässlich der Übergabe der Heinrichskronen-Kopie in Bamberger anschlug, belegen dies eindrucksvoll.

Die fränkische Seele strebt nach Gerechtigkeit. Zumindest der transportfähige Teil der aus Franken stammenden Kunstwerke, die in großer Anzahl in den Museen und Depots der Landeshauptstadt schlummert, sollte in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehren. Das ist kein kleingeistig-provinzieller Wunsch, sondern ein nachvollziehbares Begehren, dem sich die zuständigen Kreise nicht dauerhaft verweigern sollten.MICHAEL HUSAREK 




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