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Der kommunalpolitische Kommentar

Das Wachstum birgt Gefahren - 19.05.2012 19:44 Uhr

Franz Beckenbauer hat in vielen Jahren medialer Dauerpräsenz schon vieles von sich gegeben, was man getrost sofort vergessen durfte. Oft ist er halt ein netter Schwafler, unser Fußball-Kaiser. In Sachen Fan-Randale redete Beckenbauer jetzt aber Klartext. „Man muss dagegen vorgehen, sonst kommt ja keiner mehr ins Stadion, wenn du so Geisteskranke hast. Die muss man ausgrenzen.“

Stimmungsvoll und zumeist friedlich: Die Fans der SpVgg Greuther Fürth fallen bis dato meist nicht durch besondere Aggressivität auf.
Stimmungsvoll und zumeist friedlich: Die Fans der SpVgg Greuther Fürth fallen bis dato meist nicht durch besondere Aggressivität auf.
Foto: Winckler
Stimmungsvoll und zumeist friedlich: Die Fans der SpVgg Greuther Fürth fallen bis dato meist nicht durch besondere Aggressivität auf.
Stimmungsvoll und zumeist friedlich: Die Fans der SpVgg Greuther Fürth fallen bis dato meist nicht durch besondere Aggressivität auf.
Foto: Winckler

Ausgrenzen ja, aber wie? Und wer soll hier wen ausgrenzen? Es waren ja nicht lauter Ultras oder Hooligans, die beim Relegationsspiel zwischen Düsseldorf und Hertha BSC den Platz stürmten. Viele dieser euphorisierten Düsseldorfer sahen aus wie ganz normale Fans, wie Familienväter, die sich an einem Sieg ihrer Mannschaft berauschen können, ohne gefährliches Feuerwerk abzubrennen oder sich mit anderen Fans zu prügeln. Und dennoch trugen sie ihren Teil zu einem der größten Skandale im deutschen Profifußball bei. Sind das lauter Geisteskranke?

Das Problem ist: Den Fan an sich gibt es nicht. Die Anhängerschaft der Bundesligaklubs ist im vergangenen Jahrzehnt nicht nur exorbitant gewachsen, sondern auch sehr vielschichtig geworden. Um nur die beiden Extreme zu benennen: Der wohlsituierte Haupttribünengast empfindet den Ultra aus der eigenen Fankurve zunehmend als Bedrohung. Im Gegenzug halten die jungen Stimmungsmacher jeden für ein Weichei, für einen Fan zweiter Klasse, der nicht 90 Minuten lang klatscht und anfeuert.


Wie sich eine Fangemeinde überwiegend positiv entwickeln kann, zeigt das Beispiel der SpVgg Greuther Fürth. Noch vor wenigen Jahren war im Ronhof bei Heimspielen tote Hose. Befördert durch die neue Nordtribüne und befeuert vom Erfolg des Kleeblatts ist eine Szene entstanden, die mächtig Stimmung macht und dabei noch vergleichsweise übersichtlich und friedlich ist. Doch das zuletzt rasante Wachstum birgt auch Gefahren. Mehrfach waren in dieser Saison Rauchbomben, Knallkörper und gelegentlich auch sogenannte Bengalos gezündet worden. Sogar während der Feiern in der Gustavstraße und vor dem Rathaus meinten junge Kleeblatt-Fans, ihr Anderssein mit Pyrotechnik zeigen zu müssen.

Noch ist nichts Schlimmes passiert. Noch ist der Ronhof ein relativ ungefährlicher Ort in der deutschen Fußball-Landschaft. Noch sind es beim Derby vor allem Club-Fans, die unangenehm auffallen. Noch kennt man in Fürth seine Pappenheimer, während bei anderen Klubs ein Teil der Anhänger bereits in einer abgeschotteten Parallelwelt wütet. Noch haben die SpVgg-Verantwortlichen und alle vernunftbegabten Fans die Chance, dem grassierenden Irrsinn Einhalt zu gebieten. Noch kann der Aufsteiger der Herzen beweisen, dass er auch in dieser Hinsicht besonders ist.

Das ist wahrscheinlich eine genauso schwere Aufgabe wie das Erreichen des Klassenverbleibs, aber auch genauso wichtig. 

K. HEIDINGSFELDER


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