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Man kann sie aber auch – was führende Islamisten tun – als Versuch sehen, an die Siege der Anhänger Mohammeds im 7. Jahrhundert anzuknüpfen. Noch sind sich Politiker und Militärs des Westens nicht einig über die Diagnose. Entsprechend wirr sind die therapeutischen Empfehlungen. Schon gar nicht ist eine schlüssige Strategie erkennbar.
Verhindert wird eine angemessene Politik auch dadurch, dass alte Konfrontationsmuster die heutigen Konflikte überlagern. Etwa in Syrien, wo die Vetomächte Russland und China den UN-Sicherheitsrat aus-bremsen und jede Intervention blockieren.
Allerdings sprechen die jüngsten Erfahrungen eher gegen ein Eingreifen in Konflikte islamischer Länder. Die Kriege in Afghanistan, im Irak und in Libyen haben nicht zu dem von der Nato erhofften demokratischen Wandel geführt. Aber der Westen konnte seine Rohstoffinteressen sichern. Ob es in Mali anders läuft, lässt sich noch nicht sagen. Auch da geht es nicht allein um politische Werte, sondern um die Uran- und Phosphatlagerstätten.
Dass dort, wo es Bodenschätze gibt, mit oder ohne UN-Zustimmung interveniert wurde, im rohstoffarmen Syrien aber nicht, halten Kritiker für zynisch. Das kann man so sehen, ändert aber nichts an der Tatsache, dass ein zeitgemäßer Plan für den Umgang mit der islamischen Welt fehlt. Was Bush einst „Krieg gegen den Terror“ nannte, ist völlig unzureichend.
Bleiben wir bei Syrien. Der Westen könnte dort, wenn er schon nicht ohne UN-Mandat eingreifen will, durch umfassende humanitäre Hilfe und logistischen Beistand viel tun, um die Lage der Flüchtlinge zu erleichtern und die Legitimationsbasis der gemäßigten Opposition zu stärken.
Das wäre – so viel wurde auf der Münchner Sicher-heitskonferenz deutlich – mit Risiken verbunden; zumal von dieser Unterstützung indirekt Al-Qaida-nahe Islamisten profitieren würden. Nichts zu tun, befreit den Westen freilich nicht von dem Dilemma, in dem er steckt: Mit jedem Tag des Abwartens, schwindet die Glaubwürdigkeit der Uno, während die dschihadistischen Kräfte erstarken. Das kann nach Assads Sturz unerwünschte Folgen haben.
Gleichwohl darf es nicht bei der Analyse von München bleiben. Wir brauchen mit Blick auf die islamische Welt eine Politik, die differenziertere Möglichkeiten eröffnet, als es der „Krieg gegen den Terror“ vermag.