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„Fischerstechen ist wie eine Droge“

Die traditionelle Volksbelustigung ist auch ein harter Sport — Sieben Teams kämpften gestern gegeneinander - 15.09.2012 19:33 Uhr

Spannender Kampf auf schmaler Planke: Wer zuerst in Wasser fliegt, verliert das Fischerstechen.

Spannender Kampf auf schmaler Planke: Wer zuerst in Wasser fliegt, verliert das Fischerstechen. © Uwe Niklas


„Es macht einfach Spaß, auf dem Brett zu stehen. Fischerstechen ist wie eine Droge“, meint auch Holger Ohlhaut. Dem 41-Jährigen drohen nun Entzugserscheinungen – nach 20 Jahren nimmt der Vorjahresfinalist Abschied. „Das war definitiv mein letzter Kampf“, erklärt er, nachdem ihn der 13 Jahre jüngere Stefan Mages bereits in Runde zwei in die Pegnitz befördert hatte.

Zähes Ringen

28 Fischerstecher aus sieben Teams gingen am Samstag an den Start, um den Sieger zu ermitteln. Gekämpft wird im K.-o.-Verfahren – zwei Kontrahenten werden gegeneinander gelost, wer ins Wasser fällt, scheidet aus. Am Ende bleiben zwei Vertreter der Pengertz-Ratz’n Nürnberg übrig, die unter den Augen von Ohlhaut, Hochstädter sowie zahlreicher Besucher rund um die Museumsbrücke den König des Fischerstechens ermitteln. Im Duell zweier 22-Jähriger setzt sich nach zähem Ringen Renato Ravanelli gegen Andreas Brandmann durch.

Altmeister Hochstädter ist zufrieden – immerhin hat seine Mannschaft wieder mal hervorragend abgeschnitten, Team- und Einzelwertung gewonnen. Hochstädter gehört ebenso wie Michael Hagl, heute zweiter Vorsitzender des Fördervereins Altstadtfest, zu den Gründungsvätern der Pengertz-Ratz’n.

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Fischerstechen Fischerstechen Fischerstechen
Altstadtfest 2012: Traditionelles Fischerstechen auf der Pegnitz

Die Wasser der Pegnitz wurden am ersten Altstadtfest-Samstag Schauplatz des traditionellen Fischerstechens. Obwohl der ein oder andere Recke ein Bad im kühlen Nass nehmen musste, war die Stimmung hervorragend.


Als Hagl und Co. die Ratz’n 1978 ins Leben riefen, gab es zwar schon ein alljährliches, seit 1971 eng mit dem Altstadtfest verbundenes Fischerstechen auf der Pegnitz – aber die Nürnberger Teams hatten gegen Mannschaften aus Bamberg oder Schliersee stets das Nachsehen, erinnert sich Hochstädter. Das wollten die Ratz’n ändern, taten sich anfangs jedoch schwer. „In den ersten Jahren waren wir Fischfutter für die anderen“, erinnert sich Hochstädter lachend.

Schnelles Bad

Aber dann wurde eben auf dem Dutzendteich fleißig trainiert. Das zahlte sich aus. Zwischen 1987 und 2004, als der heute 50-Jährige letztmals dabei war, holte sich der Busfahrer elfmal die Siegertrophäe.

„Fischerstechen ist Volksbelustigung und zugleich harter Sport“, sagt Hagl. Auch Hochstädter betont, wie sehr ein langer Kampf in die Knochen geht – während in den ersten Runden unerfahrene Fischerstecher bei nur geringer gegnerischer Einwirkung schon ein Bad nehmen, halten sich die Besten in den finalen Kämpfen auch dann auf der schmalen Planke, wenn der Kontrahent schon gehörig mit der Lanze stößt. „Man braucht viel Kondition und Kraft“, sagt Hochstädter. Doch so sehr sich die Kämpfer auf dem Wasser auch verbissen beharken – wenn man sich am Ufer wieder trifft, herrscht beste Stimmung. Fischerstecher sind gute Verlierer und nehmen es nicht ganz so ernst, wenn sie mal ins Wasser müssen. Und so freut sich auch der Zweitplatzierte Brandmann für seinen Kumpel Ravanelli mit, als der die Glückwünsche der Altstars Hochstädter und Ohlhaut entgegennehmen darf. 

MARCO PUSCHNER

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