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Ohne jede Flohmarkt-Erfahrung, dafür mit Begeisterung und sieben Kisten voller Trödel-Nippes, haben wir am Freitag in der Kaiserstraße unseren Tapeziertisch aufgestellt – und waren vom Ansturm überwältigt.
Schon beim Auspacken wurden uns die ersten Gegenstände buchstäblich aus der Hand gerissen. Ein Reh aus Ton, ein altmodischer Füller und ein Packen englischer Krimis wurden direkt aus der Kiste verkauft. Karola Fleischmann, vom Stand nebenan, wunderte das nicht. „In den Sachen zu wühlen, wenn noch nicht alles aufgebaut ist, das gefällt den Leuten“, weiß sie aus Erfahrung. Regelmäßig steht sie für den Verein „Ukraine Hilfe“ auf dem Trempelmarkt.
Dass es auch beim BLITZ um einen gute Sache ging – der Erlös kommt der Aktion „Freude für alle“ der Nürnberger Nachrichten zugute – war ein Verkaufsargument, das manchen Zweifler dann doch den Geldbeutel zücken ließ.
„Die Aktion finde ich prima“, meinte Helga Karsties und kaufte passend zu zwei Steinen gleich noch ein altes Erdkundebuch. Aus der Zeitung hatte sie von unserem Stand erfahren und war neugierig, „was der SONNTAGSBLITZ denn so vertrempelt“. Erwartet hatte sie zwar eher Bürosachen, „persönliche Dinge finde ich aber auch schön“, meinte sie.
Zum Beispiel Reise-Andenken, wie ein Chinesen-Hut, ein Kokonuss-Täschchen aus Mexiko oder eine Kuhglocke aus Nepal. Letztere darf künftig im Wohnzimmer von Pia Koschella baumeln. „Mein Mann ist total trempelmarkt- verrückt, deshalb verpassen wir ihn so gut wie nie“, erzählte sie. Gerda Reuß hatte dagegen von ihrer besseren Hälfte eigentlich striktes „Flohmarkt-Verbot“ erteilt bekommen („Weil ich so a Googerin bin!“). Unseren Schätzen konnte die Nürnbergerin dann aber doch nicht widerstehen. Den kleinen antiken Koffer musste sie einfach haben. Inzwischen hat ihre Katze Paula das Köfferchen schon zum neuen Lieblingsplatz auserkoren, ließ sie uns einen Tag später per E-Mail wissen. In Windeseile wechselte auch ein Krimi den Besitzer, den eine Besucherin uns spontan spendete.
Den Glücksgriff des Tages machte Kathrin Diemer, die sich über ein Stern-Jahrbuch von 2000, das sie in einer unserer Kisten entdeckte. fast so freute wie über ein Gold-Nugget: „2000 ist meine Tochter geboren. Ich suche das Buch als Geschenk für sie schon so lange im Internet!“
Unterwasser-Kameragehäuse, sprechende Stoffpuppen, schmucke Biedermeiertässchen oder Klaviernotenhefte aus der eigenen Kinderzeit – im Laufe des Tages gab es fast nichts was nicht an den Mann oder die Frau gebracht werden konnte. Nur eine Steingut–Bowle, die optisch aus der Design-Hölle und tatsächlich aus der NN-Politikredaktion stammte, lag wie Blei auf unserem Tisch. „Nehmt’ se halt als Nachttopf!“, frotzelte ein Passant. Am späteren Abend fand sich dann doch noch ein williges Opfer. Ein Bräutigam in spe, der mit seinen Junggesellen durch die Altstadt tourte, erstand den Pott für fünf Euro. Ob dieser den Heimtransport nach Kronach heil überstanden hat, ist allerdings zu bezweifeln...
Unser Fazit nach sieben Stunden: Die Trempelmarkt-Premiere hat enorm viel Spaß gemacht! Und die Franken sind zwar kritische Einkäufer („Des hat fei a Delle!“), aber bestimmt keine Geizkrägen. Exakt 751 Euro und 36 Cent lagen am Ende in unserer Kasse! Ein Betrag, der sich sehen lassen kann. Vielleicht war es ja nicht das letzte Mal, dass wir für einen guten Zweck dabei waren. Unsere Keller sind zwar leer – aber auf den Dachböden gibt es noch Potenzial!
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