9°C

Freitag, 22.08. - 04:02 Uhr

|

Naturwunder aus Wasser

Die Cataratas Iguazu in Argentinien stürzen auf drei Kilometern Breite spektakulär in die Tiefe - 05.05.2012 16:12 Uhr

Eine Luftaufnahme zeigt die gigantischen Ausmaße des Wasserfallsystems Iguazu.

Eine Luftaufnahme zeigt die gigantischen Ausmaße des Wasserfallsystems Iguazu. © dapd


Hier sorgen die Cataratas Iguazu für ein unvergessliches Schauspiel. Auf einer Breite von knapp drei Kilometern stürzt sich der Rio Iguazu in Hunderten Kaskaden hinab in die Tiefe. Argentinien teilt sich das Spektakel mit Brasilien, hat jedoch mit drei Viertel der 275 einzelnen Fälle den größeren Anteil.

Das argentinische Städtchen Puerto Iguazu ist das Einfallstor zu den Fällen. Hier gibt es außer Hotels, Geschäfte und Restaurants, allerdings nicht viel zu sehen. Ein Bummel durch die Straßen, ein Spaziergang zum Dreiländereck, dort wo der Rio Iguazu in den Rio Paraná mündet und auf der anderen Uferseite einmal Brasilien und einmal Paraguay liegen, ein Besuch des Kunsthandwerkermarkts der Guarani, den Ureinwohnern dieser Region, und das Sightseeing-Programm ist erfüllt. Doch die Menschen kommen ohnehin vor allem hierher, um sich das dramatische Schauspiel anzusehen, das sich 20 Kilometer weiter flussaufwärts abspielt. Denn während der Iguazu hier ganz gemächlich in den Paraná fließt, toben dort Naturgewalten.

Mitten im Regenwald

Die Wasserfälle liegen mitten im Regenwald, den beide Länder mit Nationalparks unter Schutz gestellt haben. Während der Wald zum größten Teil unzugänglich ist, wurde rund um die Fälle alles für die Besucher hergerichtet. Auf der weitläufigen argentinischen Seite fährt eine kleine Bahn die Besucher zu den wichtigsten Punkten. Man kann aber auch zu Fuß gehen. Auf dem „Sendero Verde“, dem Grünen Pfad, kommt man in nur 15 Minuten vom Eingang zu den Fällen.

Zum Zwitschern der Vögel gesellt sich allmählich ein Rauschen, zunächst noch leise, gedämpft von den Baumwipfeln des Regenwaldes, über die sich imposante Gischtschleier wölben. Mit jedem Schritt scheint es lauter und mächtiger zu werden. Nun gilt es, die Wahl zu treffen zwischen dem unteren „Sendero Inferior“ und dem oberen „Sendero Superior“. Ersterer gewinnt und mit jedem Schritt wird das Rauschen gewaltiger. Eine letzte Kurve, dann nur noch Staunen.

Iguazu, „Großes Wasser“, nannten es die Guarani. Und genau das ist es auch. Gewaltig. In unzähligen Kaskaden rauscht das Wasser hinab, ungezähmt und tosend. Regenbogen schillern in der Gischt, mit jeder Kurve eine neue Aussicht. Man kommt ganz nah heran an die Wasserwände, versteht sein eigenes Wort nicht mehr und ist den gewaltigen und unberechenbaren Gischtschleiern ausgeliefert: Ein kleiner Windstoß und man wird geduscht. Gut, wenn die Kamera vorher sicher verstaut wurde.

Vom „Sendero Superior“ gibt es dann einen ganz anderen Blick auf diese Naturgewalten — sozusagen aus der Vogelperspektive. Auf stabilen Holzstegen geht es direkt über der Fallkante entlang, während das Wasser unter den Füßen rauscht — im regenreicheren argentinischen Frühjahr oder Herbst bis zu 7000 Kubikmeter pro Sekunde. Beim Hinabschauen stellt sich Ehrfurcht ein — vor der unbändigen Kraft des Wassers, aber auch vor den Konstrukteuren und Erbauern der Stege, die diese hautnahen Eindrücke erst ermöglichen. Doch sie sind nicht für die Ewigkeit erbaut, denn die Fälle wandern immer weiter flussaufwärts — 30 Kilometer in den letzten 20000 Jahren und auch heute noch ein bis zwei Meter pro Jahr.

Der Teufelsschlund

Am späten Nachmittag ist es Zeit, die Bahn zu nutzen. Denn ein Teil des Spektakels fehlt noch und das liegt ein Stückchen weiter weg. Der „Garganta del Diablo“, der Teufelsschlund, macht seinem Namen alle Ehre. Ein rund ein Kilometer langer Steg über den Fluss führt zu dem Inferno aus Wasser und ohrenbetäubendem Lärm. So mögen sich im Mittelalter manche das Ende der Welt vorgestellt haben. Die Gischt ist undurchdringlich, der Grund des hufeisenförmigen Falls nicht zu sehen. Was dort hineinfällt, taucht nie wieder auf. Sagt einem zumindest das Gefühl. 

dapd

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.