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Eine interessante Tendenz: Die Zahl der Stadtführungen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Es besteht ein großes Bedürfnis, mehr über Nürnbergs Vergangenheit und Gegenwart zu erfahren.
Und das trifft nicht nur auf die Touristen zu. Auch immer mehr Einheimische laufen bei den Rundgängen mit. Heinz Schuster vom Nürnberger Verein der Gästeführer schätzt, dass etwa die Hälfte der Teilnehmer an den täglichen Stadtführungen in Franken wohnen. Ein Sechstel ihrer jährlich 6000 Führungen steht nämlich jedermann offen, der Rest sind gebuchte Touren.
Ein wichtiger Effekt der historischen Spaziergänge ist die Erkenntnis, dass sich nicht alles um die Gegenwart dreht und unsere Zeit nicht zwingend der wichtigste und bedeutendste Teil der Geschichte ist. Man lernt zu relativieren, eine gewisse Bescheidenheit ist ganz heilsam.
Beim Eintauchen in vergangene Epochen sind allerdings versierte Kenner nötig, die die Bildsprache vergangener Epoche deuten können und die Bilder, Skulpturen und Bauwerke zum Sprechen bringen. Diese Wissen muss man sich hart erarbeiten, aber es lohnt sich.
Vor vielen Jahren konnte man gelegentlich nur den Kopf schütteln oder verzweifeln über den inhaltlichen Unsinn und die falschen Jahreszahlen, die bei manchen Führungen heruntergeleiert wurden.
Die Qualität der Informationen hat sich wirklich deutlich verbessert. Konkurrenz hat das Geschäft belebt, neue Anbieter kamen auf den Markt. Die Schulungen aller Führer(innen) wurden intensiviert.
Es geht dabei nicht nur um eine bessere inhaltliche Vermittlung, sondern auch um die Verpackung: Manchmal schlüpfen die Führer(innen) in historische Gewänder — beispielsweise als Agnes Dürer oder Nachtwächter — und kurbeln dazmit die Fantasie der Teilnehmer an.
Der Verein „Geschichte für Alle“ beackert kenntnisreich und pädagogisch geschickt die verschiedenen Stadtteile. Der Schwerpunkt Reichsparteitagsgelände/Dokumentationszentrum/Nationalsozialismus wurde längst um zusätzliche Themen erweitert.
Der Verein hat den ganz wichtigen Aspekt der Sozialgeschichte eingebracht: Der Fokus liegt auf dem Leben der breiten Masse.
Die jährlichen „Stadtverführungen“ bieten ebenfalls einen breiten Bauchladen an Themen, um mit Nürnberg vertrauter zu werden. Und der Förderverein Nürnberger Felsengänge hat das unterirdische Labyrinth ebenfalls aus dem Dunkel des Vergessens geholt.
Natürlich darf man auch die Altstadtfreunde nicht vergessen: Sie werben schon seit Jahrzehnten bei ihren Spaziergängen unermüdlich und tatkräftig dafür, die Reste des mittelalterlichen Stadtkerns zu retten.
Als neue Zielgruppe haben die Altstadtfreunde — wie andere Anbieter auch — die Kinder im Visier. Durch spielerische Entdeckungstouren sollen sich die Mädchen und Jungen in ihrer Heimat besser auskennen. So bekommen sie schon ganz früh mit, welche Umgebung und welche Geschichte sie prägt. Es ist nicht von Schaden, wenn man in der globalisierten Arbeitswelt — die oft beruflich bedingte Umzüge erfordert — etwas mehr über die eigenen Wurzeln weiß.