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Der Schwerpunkt liegt auch in diesem Jahr auf Waren, die biologisch, nachhaltig und handgemacht sind. Die Produkte sind aus fairem Handel, umweltschonend hergestellt und von regionalen Anbietern. „Es sind heuer so viele Aussteller wie noch nie da“, sagt die studierte Grafikdesignerin Katharina Winter. Die 30-Jährige und ihre Schwester Joana (27), die Design studiert, hatten vor vier Jahren die Idee für den alternativen Markt.
Geboren wurde sie aus einer Not: „Wir haben damals eine Möglichkeit gesucht, unsere selbst gemachten Geldbeutel zu verkaufen und fanden keine“, erzählt Katharina. Also planten die Schwestern einen eigenen Markt. Sie sprachen mit ihrem Vater, Hubert Rottner- Defet, darüber. „Er kommt aus dem Messewesen, hat die BioFach erfunden und sagte: ,Wenn wir das machen, dann richtig.‘“
Inzwischen haben die Schwestern den Kiosk schon siebenmal organisiert, viermal im Winter, dreimal im Sommer und einen im Erlanger E-Werk. Das K 4 ist der ideale Ort für den Winterkiosk. Vergessen ist das Gedränge des vergangen Jahres im Kohlenhof.
Die Veranstaltung bietet vor allem Designern und Handwerkern, die im kleinen Stil produzieren, eine Plattform. Unter ihnen ist auch Marina Merz. Sie verkauft selbst gemachte Notizbücher, Adressbücher und Fotoalben. „Seit 25 Jahren machen zwei Freundinnen und ich das schon“, sagt die Nürnbergerin. Jedes Stück ist ein Unikat. Ihr falle auf, so Merz, dass es für die Leute wichtiger wird, regionale Produkte zu kaufen. „Allerdings wird die Kluft zwischen denen, die sich das leisten können und denen, die das Geld dafür nicht haben, größer.“ Handwerk hat seinen Preis.
Viele entdeckten den Wert aber neu, sagt Sandra Probst. Sie arbeitet mit Filz und verkauft Taschen, Schmuck und Gemüse aus Filz zum Beispiel für Kaufmannsläden. Das Material findet man immer häufiger auf alternativen Basaren. Vor zehn Jahren sei der Werkstoff aus Schurwolle neu entdeckt worden, weil man eine Möglichkeit fand, ihn zu färben, erzählt die Nürnbergerin.
Doch auch der Ausschuss des Fortschritts findet hier einen neuen Sinn. Zum Beispiel bei Tina Rea Kolly. Die Münchnerin macht aus alten Disketten Notizbücher, Kaugummiverpackungen umhüllen USB-Sticks, es gibt Schmuck und Karten. Kolly ist Werbefilmerin, das Kunsthandwerk ist ihr Ausgleich.
Verena Larraín ist ebenfalls aus München gekommen. Sie zeigt, dass Nierenwärmer sexy sein können. Eigentlich hat sie Wirtschaftskommunikation studiert, träumte aber schon beim Abi von Modedesign. Sie besuchte einen Fashion-Workshop. Die Teilnehmer sollten sich etwas zum Thema Schutz einfallen lassen. Larraín stellte fest, dass es nur biedere Nierenwärmer im Sanitätshaus gab. Weil es aber fast jeder hasst, wenn es im Winter zwischen Hosenbund und Pulli zieht, nähte sie schicke Nierenwärmer in allen Farben, mit Punkten, gestreift, geblümt, zum Drunter- oder zum Drübertragen, für jeden Tag, zum Schlafen und zum Sport.
Ihr neuestes Stück: Ein Nierenwärmer mit Strapsen. Daran lassen sich jegliche Strümpfe festmachen, die über das Knie reichen. Sehr gut verkauften sich gestern genau diese Strümpfe. Sie punkten, weil ihr Schnitt den modisch am Bund abgerundeten Stiefeln entspricht. Die Münchnerin hatte schon mehrfach einen Stand beim Kiosk, sonst verkauft sie — wie viele hier — online über www.dawanda.de
Der Winterkiosk lässt auch das Herz derer höherschlagen, die noch eine Kleinigkeit brauchen. Marit Braukmann bietet für sie beispielsweise Wundertüten. Optisch erinnern sie an Mandeltüten, ihr Inhalt ist aber eine Hyazinthe, inklusive Hütchen und Anleitung.
Oder doch lieber leckere Schokoladenspezialitäten? Auch für Genießer ist die Auswahl groß. Und wer etwas Nicht-Materielles möchte, kann bei Mai Nguyen, die asiatisches Essen beim Kiosk anbietet, einen Kochkurs buchen.