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Davor tragen Damen in Pelzmänteln ihre Hündchen spazieren, drehen edle Geländewagen ihre Runden. Die leicht bekleidete Bardame schenkt Schampus und Bier aus, während sich vor der Bar ein Sänger, der vor 20 Jahren mal einen Welthit hatte, bestens gelaunt unter das Volk mischt.
Kitzbühel gibt sich alle Mühe, alle Klischees binnen Minuten zu bestätigen. Und ja, es ist teuer: Die Immobilienpreise sind die höchsten in Österreich. Es ist exklusiv: Nicht nur zum Hahnenkammrennen oder Schneepoloturnier ist es ein Tummelplatz für Promis. Und ja, es ist auch dekadent: Viele, zumal weibliche Urlaubsgäste kommen allein zum Shoppen und Flanieren her, wie Katharina Szücs vom Kitzbüheler Alpen Marketing erzählt. Doch Kitzbühel und seine Nachbarorte bieten auch Tradition, urige Hütten, bodenständige Tiroler Küche und bezahlbare Unterkünfte.
Wer wissen will, wie das heutige 8000-Einwohner-Städtchen ausgesehen hat, bevor der internationale Jetset sich hier niederließ, ist im Museum Kitzbühel an der richtigen Adresse, das schon in den 30er Jahren als Heimatmuseum gegründet wurde. In zwei der ältesten Häuser des Ortes, dem Südwestturm der Stadtmauer und dem ehemaligen Getreidekasten, führen Ausstellungen in die Vergangenheit der Stadt.
Die dritte Etage ist ganz dem Tourismuszeitalter gewidmet: dem Skipionier Franz Reisch, der Ende des 19. Jahrhunderts als Bürgermeister die ersten Wintersport-Touristen anlockte, und dem Kitzbüheler „Skiwunderteam“ der 50er Jahre um Toni Sailer und Ernst Hinterseer.
Das Skifahren steht bei den Wintergästen noch immer an erster Stelle, auch wenn Aktivitäten wie Winter- oder Schneeschuhwanderungen, Rodelpartien und Eisstockschießen immer beliebter werden. Zehn Millionen Wintersportler bevölkern jede Saison die Pisten der Kitzbüheler Alpen.
Im Skigebiet treffen Luxus und Gemütlichkeit aufeinander. Zwischen den neuesten Liftanlagen – der Zehner-Kabinenbahn „Maierl“ und der Achter-Sesselbahn „Ochsalm“, beide 2010 eröffnet und mit Sitzheizungen ausgestattet, thront das vielleicht beste Beispiel dafür auf einem exponierten Hochplateau: die Maierl-Alm. Noch bis vor kurzem war die gleichnamige Hütte ein Relikt aus einer anderen Zeit. 1932 als einer der ersten Almgasthöfe auf dem Berg errichtet, vereinte sie die sprichwörtliche Hüttengemütlichkeit mit einem einzigartigen Panorama vom Großen Rettenstein über Kirchberg bis zum Wilden Kaiser. Doch die alpinen Naturgewalten forderten ihren Tribut und so wurde die Hütte im vergangenen Jahr abgerissen und durch eine neue Maierl-Alm ersetzt.
Deutsche Investoren setzten einen neuen Berggasthof im traditionellen Stil auf das Plateau, dazu passend fünf Chalets, ausgestattet mit allem, was heute zu luxuriösen Ferienwohnungen dazugehört, von Saunen über offene Kamine bis zu Außen-Whirlpools auf den Panoramaterrassen. Die Küche ist indes bodenständig geblieben; dafür sorgt der alte Hüttenwirt Georg Gruber, der das neue Lokal gepachtet hat.
Wer mag kann in Kitzbühel aber auch Ferien auf dem Bauernhof machen. Zum Beispiel auf dem Steidelbauer-Hof. Etwas mehr als Stallgeruch, Kälbchen streicheln und selbst gebrannter Obstler darf es heute für Bauernhof-Urlauber aber schon sein. 2009 hat die Familie deshalb ein neues Appartementhaus auf ihrem Hof errichtet – weniger exklusiv als die Maierl-Alm, aber ebenso gemütlich.
Die Steidlbauer-Wohnungen gehören zu den über 90 Prozent der Unterkünfte in den Kitzbüheler Alpen, die keine vier oder fünf Sterne haben und entsprechend erschwinglich sind. Gäbe es sie nicht, hätte der Jetset-Ort wohl kaum ein Verzeichnis von 2000 Stammgast-Familien, die schon mindestens zehnmal hier ihren Urlaub verbracht haben.
Und auch wenn die meisten von ihnen in Appartements oder Pensionen unterkommen, Schnitzel statt Sushi essen: Auf ein Gläschen Schampus kann man ja mal im „anderen“ Kitzbühel vorbeischauen. Schließlich liegen Luxus und Dekadenz hier nur einen Einkehrschwung entfernt.