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Schwitzen beim „heißesten Yoga“

Nicht nur die Berliner sind im „Bikram-Fieber“ — Die neue Sportart entwickelt sich zum deutschen Trend - 21.01. 14:42 Uhr

Tropisches Klima in Berlin-Mitte: Das Hygrometer in Beate Finks Bikram-Yoga-Studio zeigt 70 Prozent Luftfeuchtigkeit, das Thermometer 40 Grad Celsius. Die Luft ist so dick, dass man sie schneiden könnte. Drei Industrieheizlüfter blasen erbarmungslos heiße Luft von der Decke in den überfüllten Raum. Zwei Ventilatoren wehen die tropischen Winde ins Gesicht der 43 Yogis.

Da fließt der Schweiß in Strömen: Beim Bikram-Yoga wird heiße Luft in den Raum geblasen. Das Thermometer klettert dabei auf bis zu 40 Grad Celsius.
Da fließt der Schweiß in Strömen: Beim Bikram-Yoga wird heiße Luft in den Raum geblasen. Das Thermometer klettert dabei auf bis zu 40 Grad Celsius.
Foto: dapd

Stammkunde Stefan Kruppke schwitzt aus allen Poren. Nach sechs Übungen hat sich sein lila Handtuch mit der Aufschrift „Luxuskörper“ so vollgesogen, dass es schwarz ist. Unter seiner Matte kommt ein Schweißsee zum Vorschein. „Schon nach der ersten Erwärmung bin ich so heiß, dass ich innerlich koche“, sagt der 48-Jährige.

Hinter der Reihe mit Kruppke und den Fortgeschrittenen nehmen die „Gute-Vorsätze-Kunden“ fast die Hälfte des 94 Quadratmeter großen Parketts ein. Auf drei Reihen verteilt bleiben den Stammkunden vorne am Spiegel, den Ambitionierten zwischen zwei gelben Markierungen in der Mitte und den Anfängern hinten am Fenster jeweils zwei Quadratmeter für Yogamatte und Handtuch. Trainer Frank Nevermann dirigiert die Matten seiner Jünger so, dass auch die vier an der Tür zum Treppenhaus Wartenden noch Platz finden. „Den Rekord haben wir nur um drei Teilnehmer verfehlt“, sagt der 39-Jährige. Die überwältigende Resonanz ist inzwischen nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Nie war das Schwitz-Yoga so beliebt.

Von Hamburg bis München



Der heißeste Sport der Welt erobert die Republik. Neben den Studios in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt platzen selbst in Potsdam und Kiel die Studios aus allen Nähten.

Die Abfolge von 26 Übungen in 90 Minuten, die bei stressgeplagten US-Börsianern, Politikern, Sportlern und Stars wie Bill Clinton, David Beckham oder Madonna längst zum Alltag gehört, kommt nun auch in der Mitte unserer Gesellschaft an. Für die Berliner Jünger des nach dem indisch-amerikanischen Meisters Bikram Choudhury benannten Yogas liegen die Gründe auf der Hand. „Ich kenne keine bessere Sportart, um mich von Gedanken um meinen nächsten Auftrag abzulenken und gleichzeitig meine innere Balance zu finden“, sagt das Model Suzanne Jaehne. Seit Anfang des Jahres ist sie fast jeden Abend Gast im liebevoll gestalteten Bikram-Hauptstadtquartier von Trainerin Beate Fink.

Im Foyer ziehen die Yogis die Schuhe aus, begrüßen ihren Trainer mit Vornamen, setzen sich auf die Kunstlederpolster der weißen Lackbänke, trinken Tee und essen Äpfel, während sie vis-à-vis ein Buddha angrinst. „Ich war in allen zwölf Bikram-Studios von Manhattan“, sagt die 35-jährige Jaehne, „aber so was habe ich noch nie erlebt“.

In der US-Metropole gebe es so eine familiäre Atmosphäre mit Picknick und gemeinsamen Erfahrungsaustausch nach dem 90-minütigen Leiden nicht. „In New York geht man danach kurz duschen und fährt nach Hause.“ Zu prahlen hätte das Model genug. Wenn sie bei der Übung in vorderster Reihe den Kopf mit durchgedrücktem Rücken auf dem Boden absetzt und durch die gespreizten Beine blickt, werden die Anfänger blass vor Neid. Es imponiert auch, wie das Model einen Zehenstand – im indischen Sanskrit: Padangusthasana – vollbringt, während sie dabei das rechte Bein gebeugt in die Hüfte stemmt und mit kerzengeradem Rücken in die Hocke geht.

Erst als sie erzählt, dass sie vor dem Beginn der Bikram Yoga-Karriere Akrobatik gemacht hat, erklären sich die Grazie einer Ballerina, die Körperspannung einer Turmspringerin und die Beweglichkeit einer Schlangenfrau.

Bei dem heißesten Sport der Welt geht es neben der Physis aber auch um die Psyche. Beate Fink, die für das eigene Bikram-Studio ihren Job als Modedesignerin und Einkäuferin aufgegeben hat, schwärmt: „Das ist der schönere Beruf: Ich verkaufe Gesundheit.“ Wenn sie ihre 24-jährige Nichte Dortje für „die perfekte Mischung aus Sauna und Sport“ genauso begeistern kann wie den Förster Stefan Kruppke, der für „die 90-minütige innere Reinigung“ täglich zweieinhalb Stunden pendelt, hat sie alles richtig gemacht.

Schwieriger Start

Dafür hat sie auch den schwierigen Start im Oktober 2005 in Kauf genommen, als kaum jemand etwas von Bikram Yoga wissen wollte. Damals hatte der bestbesetzte Kurs neun Teilnehmer, andere manchmal nur einen. Doch selbst für diesen Yogi machte sie damals die Industrieheizlüfter an und holte das Tropen-Gefühl nach Berlin. 



sb



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