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Wenn die schwarze Wolke auftaucht

Die meisten Depressionen sind heilbar – Durchhalte-Appelle und Urlaub helfen aber nicht - 22.02. 05:00 Uhr

Nichts macht mehr Spaß, weder Freude noch Ärger erfüllen das Herz – nur noch tiefe Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Rund vier Millionen Deutsche leiden unter einer klinischen Depression, berichtet Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Man fühlt sich innerlich leer, kann sich zu nichts mehr aufraffen und der Alltag wird zur enormen Belastung: Statt sich zusammenzureißen, sollten sich Betroffene ärztlichen Rat holen.
Man fühlt sich innerlich leer, kann sich zu nichts mehr aufraffen und der Alltag wird zur enormen Belastung: Statt sich zusammenzureißen, sollten sich Betroffene ärztlichen Rat holen.
Foto: oh
Man fühlt sich innerlich leer, kann sich zu nichts mehr aufraffen und der Alltag wird zur enormen Belastung: Statt sich zusammenzureißen, sollten sich Betroffene ärztlichen Rat holen.
Man fühlt sich innerlich leer, kann sich zu nichts mehr aufraffen und der Alltag wird zur enormen Belastung: Statt sich zusammenzureißen, sollten sich Betroffene ärztlichen Rat holen.
Foto: oh

Die sogenannte „Gemütskrankheit“ habe nur selten eine einzige Ursache. Erbliche Veranlagung und Persönlichkeit spielten eine Rolle, aber auch psychische Belastungen wie der Tod eines geliebten Menschen oder Konflikte in Familie oder Partnerschaft. Ebenso könnten körperliche Erkrankungen, etwa der Schilddrüse, eine Depression auslösen oder auch soziale Faktoren wie beispielsweise der Verlust des Arbeitsplatzes, ein Umzug oder eine Beförderung.

Gedanken-Karussell

All diese Dinge verändern den Stoffwechsel im Gehirn, erläutert Hegerl: „Die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin sind aus dem Gleichgewicht, so dass die Übertragung zwischen den Nervenzellen im Gehirn gestört wird. Die Folge: Schlafstörungen, Grübeln, Appetitlosigkeit, Niedergeschlagenheit, Kopfschmerzen, Depressionen.“ Die Betroffenen fühlen sich „innerlich leer“, können sich zu nichts aufraffen, können sich nicht mehr konzentrieren und ziehen sich nach und nach von anderen zurück.



Das Spektrum depressiver Erkrankungen ist breit. Gerade leichte, aber auch mittelschwere Depressionen würden oft nicht erkannt, sagt Pawelzik. „Viele halten das für ein vorübergehendes Stimmungstief, das jeder mal hat, und versuchen, sich ,zusammenzureißen‘“, sagt Markus Pawelzik, leitender Arzt der EOS-Klinik für Psychotherapie in Münster.

Phasen schwerer Depressionen sind von völliger Gefühlsstarre, Hoffnungslosigkeit und Suizidgedanken geprägt – die Patienten sind wie gelähmt, berichtet der Psychiater und Psychotherapeut Hegerl. Wer bei sich eines oder mehrere Anzeichen entdeckt, müsse deshalb nicht an einer Depression leiden. Aber er sollte mit dem Hausarzt darüber sprechen – vor allem, wenn die Probleme länger als zwei Wochen anhalten. Denn es lohnt sich, einen Arzt zu konsultieren: Über 80 Prozent der depressiven Erkrankungen ließen sich erfolgreich behandeln – wenn sie richtig erkannt werden. Den Erfahrungen von Hegerl zufolge sind die Betroffenen jedoch auch beruflich überlastet, haben Stress in der Familie oder noch andere Sorgen.

Therapien kombinieren

Dann ist die Gefahr groß, die Symptome der von innen kommenden Depression den äußeren Problemen zuzuordnen. Durchhalte-Appelle oder Ratschläge wie „Mach’ doch mal Urlaub“ seien naheliegend, aber schädlich, denn sie verstärkten nur die Schuld- und Versagensgefühle. Der Ratschlag zum Arzt zu gehen, ist da um einiges hilfreicher. Heute ist es gut möglich, verschiedene Therapieformen miteinander zu kombinieren. Während bei leichten Formen der Depression eine Psychotherapie helfen kann, wird bei mittelschweren und schweren Fällen zunächst mit Psychopharmaka, das heißt mit stimmungsverändernden Medikamenten, behandelt. „Sie machen nicht abhängig“, betont Hegerl, „und verändern auch nicht die Persönlichkeit.“ 



BARBARA ERBE

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