Indianer und Piraten trugen ihre Narben früher angeblich voller Stolz zur Schau. Doch heutzutage möchte niemand mehr aussehen wie Sitting Bull oder Captain Blackbeard. Mittlerweile gibt es etliche Therapien, um die ungeliebten „Andenken“ an Unfälle, Operationen, Verletzungen, Verbrennungen und Akne zu lindern oder wieder loszuwerden.
„Wie eine Narbe behandelt wird, hängt von ihrer Beschaffenheit, der Ursache, ihrem Alter und der Position ab“, sagt Professor Ulrich Amon, Ärztlicher Direktor der PsoriSol Hautklinik in Hersbruck, der auch spezielle Narbensprechstunden anbietet.
Gesundheitlich sind Narben meistens unbedenklich und eher ein kosmetisches Problem, doch manchmal können sie auch Juckreiz und sogar Schmerzen verursachen. Sie entstehen, wenn Wunden in tiefere Hautschichten reichen und der Körper zerstörtes Gewebe ersetzen muss.
Wer nicht gleich zum Spezialisten gehen will, kann seine Narbe täglich etwa fünf bis zehn Minuten mit kaltem Wasser massieren. Das beruhigt die Haut und fördert die Durchblutung. „Bei älteren Narben helfen sanfte Massagen mit einer weichen Zahnbürste“, rät Professor Amon. Spezialpflaster, beispielsweise aus Silikon, verhindern, dass das Narbengewebe zu stark wächst. Sie sollten jedoch erst aufgeklebt werden, wenn der Schorf abgefallen ist oder OP-Fäden gezogen wurden. Solche Pflaster helfen auch bei verdickten Narben.
In der PsoriSol Hautklinik, aber auch in der Hautklinik des Uniklinikums Erlangen werden darüber hinaus zahlreiche Therapien für hartnäckige Narben angeboten.
„Ultraschall in Verbindung mit einem heparinhaltigen Spezialgel kann Narben verbessern. Das Gewebe wird lockerer und Spannungen verschwinden“, sagt Professor Amon. Diese Methode bietet sich vor allem bei verhärteten und älteren Narben an. Außerdem gibt es noch Injektionen, beispielsweise mit Kortison, und natürlich Operationen, Eingriffe per Laser oder kombinierte Therapien.
Neu ist die sogenannte fraktionale Lasertechnik. Darauf weist Oberarzt Dr. Jürgen Bauerschmitz hin, der an der Hautklinik des Uniklinikums Erlangen den operativen Bereich leitet. Der Laserimpuls wird beispielsweise bei einer Aknenarbenbehandlung nicht flächig, sondern punktuell gesteuert, um das Gewebe zu schonen. Bauerschmitz berichtet von hypertrophen Narben, die wulstartig gerötet sind und stark jucken oder brennen können. „Manchmal findet der Körper bei der Reparatur einer Verletzung gar kein Ende, das heißt, es bildet sich viel zu viel Narbengewebe“, berichtet der Experte. Dann entstehen bei veranlagten Menschen so genannte Keloide, das sind schmerzende, wachsende Narbenwülste, die nach dem Abtragen wiederkommen.
„Wir sind in der Hautklinik auf Operationen sehr großer Keloide spezialisiert, die man durch übliche Behandlung nicht in den Griff bekommen hat“, berichtet Bauerschmitz. Pro Monat kommen etwa zehn neue Patienten mit entsprechenden Beschwerden in die Hautklinik. Typischerweise treten solche Keloide auch nach dem Ohrlochstechen auf.
Wer Narben in einer Praxis oder Klinik behandeln lassen möchte, sollte sich auf alle Fälle vorher bei seiner Krankenkasse erkundigen, ob sie die Kosten übernimmt. Denn bei rein kosmetischen Eingriffen müssen Patienten die Therapie meist selbst bezahlen. Je nach Verfahren kostet dies weniger als 100 Euro bei einfachen Behandlungen und mehrere tausend Euro, wenn Aknenarben per Laser großflächig abgetragen werden.


Bewerbungen für den NN-Kunstpreis werden ab 1. März 2012 entgegengenommen. Die Teilnahmebedingungen finden Sie
hier.