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Eine blutige Schminkaktion

Die 16-jährige Lea stellt Wunden und Verletzungen möglichst echt dar - 30.01.2013 10:00 Uhr

Nürnberg  - Klaffende Schnittwunden, verkohlte Brandblasen und spritzende Blutgefäße: Was nach schrecklichen Verletzungen aussieht, ist eigentlich ganz harmlos. Die Unfallschminker der Johanniter-Jugend in Nürnberg sorgen bei Sanitäterprüfungen für ein ordentliches Stück Realität – und erschrecken den ein oder anderen Prüfling.

Geschminkte Brandblasen
Geschminkte Brandblasen
Foto: Stefanie Goebel
Geschminkte Brandblasen
Geschminkte Brandblasen
Foto: Stefanie Goebel

Herzinfarkt, Bauchschmerzen, epileptischer Anfall, Spritzblutung und Verbrennung, diese Krankheitsbilder stehen heute für die praktische Prüfung der Schulsanitäter, die bei den Johannitern ausgebildet werden, auf dem Programm. In einem Raum im zweiten Stock haben sich mehrere Jugendliche versammelt – sie mimen die Opfer. Mittendrin steht auch Lea Grabosch, die den jungen Freiwilligen möglichst echt aussehende Blässe oder Kaltschweißigkeit, blutende Schnittwunden oder Verbrennungen dritten Grades auf die Haut zaubert.

In einem großen Holzkoffer befinden sich die hierfür benötigten Utensilien. Doch die 16-Jährige hat zusätzlich ihr eigenes kleines Sammelsurium angehäuft. „Das sind Dekosteine“, erklärt Lea und deutet auf ein Tütchen mit durchsichtigen Steinchen. „Bei Autounfällen werden die in die Wunden gestreut, weil sie wie die Scherben einer zerbrochenen Windschutzscheibe aussehen.“

In einer anderen Tüte befinden sich Haferflocken. „Für Erbrochenes. Die Haferflocken quellen schön auf“, sagt die 16-Jährige und schmunzelt. Daneben liegen Schminkschwämme, um Farben aufzutragen, Spatel, Spritzen, Plastikknochen, ein Döschen Dreck, Knete, Klebstoff und vieles mehr – etwa mehrere Flaschen Theaterblut.


Mit einer Spritze wird die Wunde von Philip schön blutig.
Mit einer Spritze wird die Wunde von Philip schön blutig.
Foto: Stefanie Goebel
Mit einer Spritze wird die Wunde von Philip schön blutig.
Mit einer Spritze wird die Wunde von Philip schön blutig.
Foto: Stefanie Goebel

Seit einem Jahr schminkt die Schülerin, die auf das Nürnberger Hans-Sachs-Gymnasium geht, jugendliche Unfallopfer. Vorher hat sie Prüfungen zum Schulsanitäter und Sanitäter abgelegt. Das Wissen um Symptome verschiedener Krankheiten nützt ihr nicht nur bei Einsätzen, sondern auch beim Schminken.

Auf Karteikarten hat Lea die wichtigsten Infos bei sich und coacht die jugendlichen Mimen. „Du bist 58 Jahre alt, Raucher, klagst über Schmerzen in der Brust, die auch schon in die Arme ausstrahlen“, sagt sie zu Ludwig (16), der einen Herzinfarkt-Patienten spielt.


In einem großen Koffer sind alle Schminkmittel untergebracht.
In einem großen Koffer sind alle Schminkmittel untergebracht.
Foto: Stefanie Goebel
In einem großen Koffer sind alle Schminkmittel untergebracht.
In einem großen Koffer sind alle Schminkmittel untergebracht.
Foto: Stefanie Goebel

Damit das echter aussieht, bekommt er mit weißer Farbe Blässe ins Gesicht geschminkt und mit Blau leichte Augenringe. Die Schweißperlen kommen aus einer Flasche, die Glycerin enthält. „Bei Blässe muss man aufpassen, dass das Gesicht nicht wie das eines Clowns aussieht. Es soll die normale Hautfarbe durchschimmern“, erklärt die junge Sanitäterin, die sichtlich Spaß bei der Arbeit hat.

Vor allem, wenn schlimmere Verletzungen dran sind wie Spritzblutung oder Verbrennung. Bis die Wunden realistisch wirken, dauert das schon mal eine halbe Stunde. Lea bearbeitet ein Stück helle Knete mit Vaseline und streicht diese wie eine zweite Haut auf Philips Arm. Dann schneidet sie mit der Rückseite eines Messer zwei Schnitte in die Knete und franst diese leicht aus. Mit Schwämmen werden hell- und dunkelrote Farbe aufgetupft, bevor Lea Ölfarbe in die Wunden spachtelt: „Die Ölfarbe ist dicklich und kann gut Krusten darstellen.“ Damit es ordentlich blutig wird, zieht die 16-Jährige mit einer Kanüle dünnflüssiges Theaterblut in eine Spritze.

Dann geht es zum Prüfungsort: der Toilette. „Dort hat sich der Schüler die Adern am Handgelenk aufgeschnitten“, lautet die Geschichte für die Prüflinge. Ein blutverschmiertes Messer liegt neben ihm. Bevor die Prüfung losgeht, spritzt Lea das Blut in die Wunde und auf das Messer, ein paar Tropfen landen auf dem Fußboden. Nun ist die Situation fertig, die Schulsanitäter müssen ran.


Philip macht sich für seine Mimen-Aufgabe bereit.
Philip macht sich für seine Mimen-Aufgabe bereit.
Foto: Stefanie Goebel
Philip macht sich für seine Mimen-Aufgabe bereit.
Philip macht sich für seine Mimen-Aufgabe bereit.
Foto: Stefanie Goebel

Doch Lea hat keine Zeit zuzusehen. Sie soll die nächsten Schauspieler über ihre Symptome informieren und einer Jugendlichen, die einen epileptischen Anfall spielt, ein Päckchen Himbeerbrause mitgeben. Diese erzeugt mit Spucke rötlichen Schaum. Zudem hat die Gymnasiastin noch eine Verbrennung an Hand und Unterarm eines Schülers zu schminken.

Seine Geschichte: Xaver ist Lehrer und hat an den Bunsenbrenner gefasst, der beim Physikversuch nicht funktionierte. Doch dann kam eine Stichflamme heraus und verbrannte seine Hand. „Bei Verbrennungen geht mindestens eine Tube Klebstoff drauf“, erzählt die Nürnbergerin.


Die 16-Jährige schminkt Brandblasen auf Xavers Hand.
Die 16-Jährige schminkt Brandblasen auf Xavers Hand.
Foto: Stefanie Goebel
Die 16-Jährige schminkt Brandblasen auf Xavers Hand.
Die 16-Jährige schminkt Brandblasen auf Xavers Hand.
Foto: Stefanie Goebel

Dieser wird im Wasserbad angezündet und verbrennt zu schwarzen Brandblasen, die man auf die Haut legen kann. Noch rote Ölfarbe draufspachteln und Blut unter die Klebstoffschicht spritzen, in der sich kleine Blasen bilden – schon sieht die Verletzung täuschend echt aus. Ihr Wissen gibt Lea gerne an andere Jugendlichen weiter. An Halloween etwa machen gruselige Verletzungen gut was her. 

STEFANIE GOEBEL


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