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Dienstag kurz nach 18 Uhr im Proberaum des Theaters Pfütze. Zehn Jugendliche haben sich in einem Kreis aufgestellt. Ein Mädchen zeigt seiner Kreisnachbarin einen Stift. „Das ist ein Stift.“ „Ein Stift?“ „Ein Stift.“ „Ein Stift?“ „Ja, das ist ein Stift.“ Dann gibt sie den Stift weiter und der kurze Dialog wiederholt sich nebenan. Anschließend gehen noch zwei weitere Stifte durch die Runde – und die Sätze werden im Chor gesprochen.
Ist da noch alles in Ordnung? Klar, alles in Ordnung! Der Jugendclub der „Pfütze“ macht Sprechtraining. Sinn der Stift-Übung ist es zu lernen, sein Tempo den anderen Sprechern anzupassen und dabei weiterhin deutlich in der Aussprache zu bleiben – damit aus dem Stift kein „Stüft“ wird. Stimmübungen sind ein wichtiger Teil des Grundtrainings. Gerade als Anfänger passiert es einem auf der Bühne oft, dass der Text zu schnell, zu leise oder zu undeutlich gesprochen wird.
Nach dem Warm-up-Programm geht es für die derzeit zehn Mitglieder des jungen Theaters an die Stückarbeit. Häufig fragen Außenstehende: „Was spielt ihr denn Schönes? Was hast du für eine Rolle?“ Auf solche Fragen gibt es selten eine klare Antwort, denn feste Rollen gibt es im Ensemble nicht immer. Wanda beispielsweise, eben in der Probe noch eine von vielen ehrgeizigen Schülern, spielt in diesem Moment die stolze Mutter zweier Mädchen.
Außerdem führt der Jugendclub keine vorgefertigten Stücke auf, sondern macht grundsätzlich jedes Jahr eine Eigenproduktion. Das diesjährige Stück orientiert sich am Buch „Into the wild“ von Jon Krakauer. Trotzdem muss jede Szene inszeniert – oder besser gesagt erfunden – werden. Das ist mit viel Fitzelarbeit verbunden, denn oft kommen Szenen, in denen im Chor gesprochen wird, und choreographische Elemente auf der Bühne zum Einsatz. Dabei müssen alle Akteure synchron sein.
Damit beim Proben nicht der rote Faden verloren geht, überlegen sich die drei Theaterpädagoginnen Eva Ockelmann, Pauline Buff und Caro Wolnik immer genau, was mit dem Stück ausgesagt werden soll und welche Schritte notwendig sind. Die genaue Gestaltung übernimmt aber die Gruppe.
Aber woher kommt die Motivation, jede Woche zwei Stunden lang und an zusätzlichen Intensivprobetagen Konzentration und Feuereifer fürs Theater aufzubringen? Tabea (15) hat schon in der Kindergruppe mit Theater angefangen und ist bis heute dabei. „Beim Schauspielern kann man all seine Gefühle herauslassen, die man sonst versteckt. Man darf auch einfach mal jemand anderes sein oder Themen ansprechen, die einen beschäftigen.“
Und Mirjam (17), fügt hinzu: „Nirgendwo anders bin ich so selbstbewusst wie hier. Das liegt wohl an dem familiären Flair in der Pfütze. Anders als im Schultheater hat man hier nie das Gefühl, sich vor anderen zu blamieren.“ Johannes ist einer der beiden Jungs im aktuellen Ensemble. „Die Leute sind sehr motiviert. Da kann man viel machen und bekommt gleich gute Laune“, findet der 20-Jährige.
Im Sommer spielt der Jugendclub seine neue Produktion „Milchglasscherben“. Das Stück erzählt die Geschichte der jungen Jule, die ihr Leben nicht länger in unserer Gesellschaft führen will. Für die junge Frau sind die anderen Menschen wie Teile einer Maschine, die immer nach dem gleichen Muster funktionieren müssen. Jule will ein Leben in der Natur, in absoluter Freiheit. Mit diesem großen Ziel vor Augen trampt sie los.
Gezeigt wird das Stück bei kostenlosen Aufführungen am 4. und 5. Juli jeweils um 19 Uhr im Theater Pfütze, Äußerer Laufer Platz 22 in Nürnberg, und beim 6. Bayerischen Jugendclubtreffen vom 12. bis 15. Juli in Fürth. Nach der Sommerpause starten die Proben wieder im Oktober. Teilnehmen dürfen Jugendliche ab 14 Jahren, jedes Jahr gibt es zwölf Plätze. Info: ockelmann@theater-pfuetze.de
Mi. 22.05.13
Di. 21.05.13
Mi. 01.05.13
Fr. 26.04.13
Di. 23.04.13