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„Ich gelobe feierlich, niemals abzukupfern!“

An amerikanischen Unis müssen sich die Erstsemester zu richtigem wissenschaftlichen Arbeiten verpflichten - 27.11.2012 12:00 Uhr

Erlangen, Nürnberg  - An Universitäten in den USA wird entschiedener gegen Plagiate vorgegangen als in Deutschland. Diese zentrale These trug die Professorin Debora Weber-Wulff von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin bei einem Vortrag an der Uni Erlangen-Nürnberg vor.

So gehen US-Unis, zum Beispiel die University of the South in Tennessee, mit dem Plagiats-Problem um: Bei einer feierlichen Versammlung berühren die Erstsemester den Gründungsstein der Uni ...
So gehen US-Unis, zum Beispiel die University of the South in Tennessee, mit dem Plagiats-Problem um: Bei einer feierlichen Versammlung berühren die Erstsemester den Gründungsstein der Uni ...
Foto: Sewanee
So gehen US-Unis, zum Beispiel die University of the South in Tennessee, mit dem Plagiats-Problem um: Bei einer feierlichen Versammlung berühren die Erstsemester den Gründungsstein der Uni ...
So gehen US-Unis, zum Beispiel die University of the South in Tennessee, mit dem Plagiats-Problem um: Bei einer feierlichen Versammlung berühren die Erstsemester den Gründungsstein der Uni ...
Foto: Sewanee

Beispiel University of the South im Bundesstaat Tennessee: eine feierliche Versammlung in der großen gotischen Universitätskirche. Die Erstsemester ziehen parademäßig am Gründungsstein der Uni vorbei und berühren ihn kurz.

Später unterschreiben sie eine Ehrenerklärung und reichen sich die Hände. Orgelmusik beendet das öffentliche Gelöbnis, das geistige Eigentum anderer zu achten und sich den akademischen Regeln zu unterwerfen (www.youtube.com/watch?v =5S6u0Q_Sbwk).

Nicht nur zu Beginn, auch während des Studiums – so beschreibt es die Deutsch-Amerikanerin Debora Weber-Wulff – werde den Studenten an einer US-Uni eingetrichtert, was man unter guter wissenschaftlicher Praxis versteht. Und zwar in der Sprache der jungen Leute, nicht in abstrakten juristischen Formulierungen, wie es in Deutschland üblich ist.


Die Regeln sind relativ einfach: keine Ideen abkupfern; keine Sätze im Internet kopieren und in den eigenen Text einfügen; immer den Urheber angeben, indem man sorgfältig zitiert; bei Prüfungen nicht beim Nachbarn abschreiben. „Es gibt Universitäten in den USA, da verteilt der Professor die Prüfungen und kommt nach vier Stunden wieder,“ sagt die Professorin für Medieninformatik, „eine Aufsicht findet nicht statt.“

Werde ein Student beim Abschreiben erwischt, seien die Strafen beachtlich, je nach Universität: Die eine verdonnere den Übeltäter zu einem Ethik-Seminar (Kostenpunkt: 70 Dollar), eine andere fordere einen Besinnungsaufsatz, eine dritte drohe gleich mit Rauswurf.


...  und unterschreiben eine Ehrenerklärung, niemals abzuschreiben. Wer sich nicht daran hält, wird hart bestraft.
... und unterschreiben eine Ehrenerklärung, niemals abzuschreiben. Wer sich nicht daran hält, wird hart bestraft.
Foto: Sewanee
...  und unterschreiben eine Ehrenerklärung, niemals abzuschreiben. Wer sich nicht daran hält, wird hart bestraft.
... und unterschreiben eine Ehrenerklärung, niemals abzuschreiben. Wer sich nicht daran hält, wird hart bestraft.
Foto: Sewanee

Auch gestandene Wissenschaftler würden hart bestraft, wenn sie Forschungsergebnisse fälschen oder abschreiben. Die nationale Behörde für Forschungsintegrität veröffentliche regelmäßig die aktuellen Fälle – mit dem vollen Namen des Verurteilten. Impulsgeber war das Gesundheitsministerium, als das Gerücht umging, die Pharmaindustrie würde die medizinische Forschung unterwandern.

Um ihre These zu untermauern, das Plagiat werde in Deutschland immer noch verharmlost, präsentiert die Aktivistin der Plattform VroniPlag aktuelle Fälle. Und sie kritisiert, wie selten ein Doktor- oder Professorentitel aberkannt wird — obwohl die Abschreibereien offensichtlich seien. Auch „die Uni Erlangen-Nürnberg hat eine Tradition an Professorenplagiaten“, ergänzt Weber-Wulffs Co-Redner Rüdiger Zoller, Politikwissenschaftler am Lehrstuhl Auslandswissenschaft.

Zum Beispiel habe ein Philosoph ein ganzes Buchkapitel aus dem Englischen übersetzt und als sein eigenes ausgegeben. Ein Historiker plünderte den Aufsatz eines Archivars.

Besondere Skepsis sei dann geboten, so Zoller, wenn es in einem Buch heißt: „Wir danken Herrn Max Mustermann für die Anregungen.“ Dann wurde bestimmt die Diplomarbeit ins Fachbuch des Professors eingearbeitet. Es ist oft ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Der Professor beschafft die Akten aus den Archiven, der Student wertet die Unterlagen aus und überlässt dem Professor die Ergebnisse.

  

WERNER VEITH


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