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Ich will die versprochenen ECTS-Punkte!

Wie Studenten mit ECTS-Punkten zu Vorlesungen gelockt werden. - 05.02.2013 10:00 Uhr

Erlangen, Nürnberg, Fürth  - Seit dem ersten Tag des Studiums wird uns immer und überall eingetrichtert, dass wir eine gewisse Anzahl an Leistungspunkten (ECTS) pro Semester erbringen sollten, um das Studium in der Regelstudienzeit zu schaffen. Als pflichtbewusster Student setzt man natürlich alles daran, diese etwa 30 Punkte auch zu schaffen — doch seit neuestem werden einem an meiner Uni nicht nur Steine, sondern ganze Berge in den Weg gelegt:

Ganz eindeutig: ECTS-Punkte
Ganz eindeutig: ECTS-Punkte
Foto: nn
Ganz eindeutig: ECTS-Punkte
Ganz eindeutig: ECTS-Punkte
Foto: nn

Es gibt nämlich am Ende des Semesters nicht mehr genauso viele ECTS-Punkte, wie am Anfang des Semesters angekündigt wurden. Dabei hatte das so schön geklungen: Neun Einzelveranstaltungen, bei denen verschiedene Autoren aus einem ihrer Bücher vorlesen und anschließend über die Recherche zu diesem Buch berichten — für Literaturbegeisterte wie mich eine tolle Sache.

Die Veranstaltungsreihe war vom Lehrstuhl für Germanistik und konnte laut Vorlesungsverzeichnis auch von Studenten anderer Fakultäten belegt werden. Also habe ich mich online angemeldet und bin brav mittwochs um 20 Uhr zu allen Lesungen gegangen.

Doch als ich jetzt meinen versprochenen ECTS-Punkt bekommen wollte, erhielt ich von der Sekretärin des Lehrstuhls den freundlichen Hinweis, das sei alles nur ein Versehen gewesen. Einen Punkt gebe es keineswegs, allenfalls einen Teilnahmeschein. Herzlichen Dank auch. So ein Teilnahmeschein bringt mir in etwa so viel wie ein feuchter Händedruck.


Ich fühle mich da unweigerlich an das Bild mit dem Esel erinnert, dem man eine Karotte vor die Nase hält, damit er losläuft — um sie ihm dann kurz vor dem Ziel wieder wegzunehmen. Warum auch ECTS-Punkte verteilen? Das Ziel der Veranstalter wurde ja erreicht: Der Hörsaal war bei allen Lesungen rappelvoll, was will der Veranstalter mehr?

Und diese Veranstaltung ist nicht die einzige, bei der einem Punkte geklaut werden. Auch bei einer anderen Übung waren vier ECTS-Punkte im Vorlesungsverzeichnis angekündigt. Es gab aber letztlich nur drei. Eine meiner Kommilitonin hat jetzt ein echtes Problem. Sie braucht noch einen Leistungspunkt in diesem Semester. Ich frage mich ernsthaft, wie man in den kommenden Semestern planen soll. Sollte ich lieber mal 40 ECTS-Punkte ansetzen, um am Ende vielleicht mit den nötigen 30 dazustehen? Soll ich jeden Dozenten kurz vor Semesterbeginn anschreiben und ihn fragen, ob er sich das mit den ECTS in der Zwischenzeit vielleicht wieder anders überlegt hat?

Jetzt geht erstmal das Beschweren und Abwarten los – mitten in der Prüfungszeit. Auch meine Beschwerde-Mail ist so gut wie fertig, ich muss sie nur noch ein bisschen entschärfen. Momentan klingt sie nämlich, als würde ein potenzieller Auftragskiller schon neben mir stehen, der nur darauf wartet, dass ich ihn auf den zuständigen Professor hetze.

  

RAMONA SCHMIDT


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