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Ein besonders erschreckendes Exponat ist die Halswirbelsäule eines jungen Mannes, der kopfüber in den Dechsendorfer Weiher gesprungen war. Daneben gibt es zum Beispiel eine von Tuberkulose zerfressene Lunge oder monströse Tumoren.
Mehr als tausend Präparate umfasst die Pathologische Sammlung der FAU. Die meisten davon – eingelegt in Ethanol und Formalin – sind über 100 Jahre alt. Und seit Jahrzehnten ruhen sie in einem Depot.
Das soll sich jetzt ändern. Mit 50000 Euro fördert die Mercator-Stiftung das Vorhaben, die Exponate wieder bei der Mediziner-Ausbildung einzusetzen. Die FAU ist dabei eine von nur neun Universitäten in Deutschland, die dank der Mercator-Initiative „SammLehr – an Objekten lehren und lernen“ gefördert werden.
„Ohne kontinuierliche Pflege und Wiederbelebung durch solche Projekte gehen Sammlungen wie diese oft unwiederbringlich verloren. Das ist besonders tragisch im Falle von menschlichen Präparaten. Deshalb ist die finanzielle Unterstützung so wichtig“, erklärt Udo Andraschke, der Kustos der Sammlungen an der FAU.
Bis in die 1960er Jahre war die Pathologische Sammlung ein Kernstück bei der Ausbildung der Medizin-Studenten. Dann wurden die Schaustücke von Dias abgelöst. „Heute sehen die Studierenden in ihren Kursen digitale Aufnahmen und Animationen und entfernen sich so immer stärker vom Lerngegenstand, dem menschlichen Organismus“, sagt Tilman Rau, Oberarzt am Pathologischen Institut. Weil „der direkte Kontakt mit einem Organ oder Gewebe viel eindrücklicher ist als ein Foto“, möchte Rau den Studierenden die Pathologische Sammlung wieder zugänglich machen.
Die Herkunft der Organe ist in den meisten Fällen eindeutig zu klären. Katalognummern führen zu Sektionsbüchern, die im Uni-Archiv aufbewahrt sind. Indem sie Form, Farbe und Struktur der Präparate untersuchen, sollen die Medizin-Studierenden üben, Befunde zu erheben.
Bei der nun anlaufenden Wiederbelebung der pathologischen Präparate soll eine Gruppe von Studenten aber auch den Umgang mit einer solchen Sammlung selbst lernen. Zum Beispiel zeigt ihnen ein Präparator, wie die Organe gereinigt und konserviert werden, und wie man sie so im Glas arrangiert, dass der Betrachter alle Besonderheiten deutlich erkennt. Gleichzeitig setzen sich die Projektteilnehmer mit ethischen und ästhetischen Aspekten der Präparation aus-einander.
Schon ein Semester später sollen dann alle Studierenden der Medizinischen Fakultät von der Sammlung profitieren. „Unser Ziel ist es“, erklärt Udo Andraschke, „dass historische und teils vergessene Sammlungen wieder zurückkehren in Hörsäle, Labors und Schauräume und dadurch für Lehre und Forschung erhalten bleiben.“ hlo
Fr. 17.05.13
Mo. 13.05.13
Fr. 03.05.13
Di. 30.04.13