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Vier große Brüder, die alle Musik machen - eigentlich hatte Mina Ghassemzadehgan gar keine andere Wahl, als irgendwann eine eigene Band zu gründen. Doch es sollte unbedingt eine reine Mädchenkapelle werden, zusammen mit ihrer besten Freundin und zwei Mitschülerinnen.
Gesagt, getan: Im Nürnberger Jugendtreff Bertha lärmten Mina, Suzie Kraft, Paula Schön und Selena Knaupp auf geliehenen Instrumenten ein wenig herum, bevor es an die Verteilung ging, wer künftig auf welcher Position spielen wird. „Nimm du mal den Bass, der steht dir besser!“ – der klassische Punkrock-Ansatz. Die All-Girl-Band Henriette (das e am Ende bleibt stumm) war geboren!
Fast fünf Jahre liegt das alles zurück. Mit „I make love with your friends, ’cause you make love with mine“ liegt nun ein erstes Tonträger-Lebenszeichen des jungen Quartetts vor: ein Minialbum mit sechs Liedern, das wie alles bei Henriette erst einmal ein Schnappschuss ist – eine Momentaufnahme aus der girlishen Lebenswelt zwischen Schulschluss und dem vielzitierten Ernst des Lebens (den man so ernst ja auch nicht zwingend nehmen muss).
Die selbstgewählte Schublade ist Schrammel-Pop: Der mal wütende, mal herzliche und stets selbstbewusste Indie Trash-/Girl Punk-Sound von Henriette klingt betont schräg, ungeschleckt und so gar nicht Hi-Fi. „Sie singen über das Leben aus der Sicht junger Frauen, die keine Zeit zu verschenken haben“, verkündet die Presseinfo und reicht als Vergleiche die frühen The Cure und den Slogan „die Riot Grrrls von Morgen“ über die Theke.
Auf das Schaffenswerk von Robert Smith können sich Henriette gut einigen, der Vergleich mit der eruptiven, leider nur kurzlebigen feministischen Pop-Bewegung schmeichelt ihnen. „Ich liebe Bikini Kill“, sagt Mina und verdreht die Augen. „Aber auch, wenn ich finde, dass wir gar nicht nach denen klingen, sehe ich den Vergleich als eine riesengroße Ehre.“
Textlich geht es um all das, was um sie herum so passiert: um den jüngsten Gossip von der letzten Party, um das geliebte Haustier und darum, wie es ist, 18 zu sein. „Wenn etwas passiert, dann ist es mit 18 so richtig schlimm. Mit 30 ist das alles wahrscheinlich ganz normal“, überlegt Bassistin Suzie.
Und Gitarristin Mina fügt hinzu: „Bei uns ist definitiv herzschmerz-freie Zone!“ Die Girls haben aber auch schon Textschnipsel ausgesuchter Lieblingsbands von den Pixies über Bonaparte hin zu Marilyn Monroe zu einem munteren Potpourri zusammengepackt. Oder die Geschichte einer Freundin aufgegriffen, die sich dann prompt bitterlich beschwert hat, als sie sich in einem Liedtext wiedergefunden hat.
Gedanken über die große Karriere machen sich die Musikerinnen nicht. Wo Jungenbands einem in der Regel erzählen, was sie alles erreichen wollen, denken Henriette nicht groß nach, wohin die gemeinsame Reise gehen soll. Der Weg ist das Ziel, wichtig ist, dass man sich selbst hat.
Die EP ist erst mal ein Wahnsinn, das Weitere wird sich finden – so wie sich bisher alles von allein gefügt hat. „Wir machen gerade alle eine Ausbildung, die nächsten Jahre können wir also problemlos proben und spielen“, sagt Mina und dreht den Kopf zu ihrer Freundin: „Oder hast du gerade vor, schwanger zu werden?“
Ansonsten erfahren Henriette gerade jede Menge Rückmeldungen und Respekt, was nicht nur Mina prima runterläuft: „Ich habe den Eindruck, dass uns viele Männerbands in Nürnberg unterschätzt haben. Von wegen: ,Die sind ja schon ganz niedlich, aber auch nicht mehr.‘ Das dreht sich gerade. Für unsere CD-Release-Party im Club Stereo haben sich tatsächlich Bands gemeldet, die uns anfangs belächelt haben – mit der Anfrage, ob sie bei uns als Vorgruppe spielen können...“
Wer Henriette live sehen möchte, sollte sich die Verstärkermesse im Nürnberger Künstlerhaus (26. bis 28. April) vormerken!
Mi. 13.03.13
Di. 27.11.12
So. 25.11.12
Mi. 21.11.12
Mi. 31.10.12