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Sie machen Abitur auf Umwegen

Nach der Grundschule ist bei vielen Schülern noch kein Abschluss entschieden - 23.04.2012

Das dreigliedrige Schulsystem in Bayern wird oft als hart und ungerecht angesehen. Schon als kleines Kind werde der gesamte spätere Schulweg festgelegt. Aber neben verschiedenen Möglichkeiten, von der Hauptschule zum mittleren Schulabschluss zu gelangen, gibt es auch mehrere Wege zum Abitur. Zum Beispiel, nach der mittleren Reife eine sogenannte Übergangsklasse zu besuchen. Unsere Praktikantin Esther Krauß (16) hat mit zwei Schülern gesprochen.

Alexander Kurz hat neben dem Lernen noch Zeit für Hobbys. Eines davon ist Rollerfahren.
Alexander Kurz hat neben dem Lernen noch Zeit für Hobbys. Eines davon ist Rollerfahren.
Foto: privat
Alexander Kurz hat neben dem Lernen noch Zeit für Hobbys. Eines davon ist Rollerfahren.
Alexander Kurz hat neben dem Lernen noch Zeit für Hobbys. Eines davon ist Rollerfahren.
Foto: privat

Alexander Kurz (19) wechselte erst von der Hauptschule auf die Wirtschaftschule und geht jetzt in die Q11 des Sigmund-Schuckert-Gymnasiums in Nürnberg:

In der Grundschule hatte mich Schule noch gar nicht interessiert, erst in der 8. Klasse waren meine Noten gut genug, um auf die Wirtschaftsschule zu wechseln. Dort belegte ich freiwillig Mathe, damit ich später auf die FOS gehen könnte.

In der Abschlussklasse der Wirtschaftsschule wurde uns auf einem Elternabend die Übergangsklasse vorgestellt. Das Konzept gefiel mir. Ich machte also noch einmal die 10., diesmal auf dem Gymnasium. Wir hatten zwar nicht mehr Unterrichtsstunden als andere Zehntklässler im Gymnasium, aber mit wesentlich mehr neuem Lernstoff.

Nicht unterpunktet!

Besonders anstrengend waren die sechs Stunden Französisch pro Woche. Schließlich mussten wir in einer komplett neuen Fremdsprache auf das Niveau der Schüler kommen, die das Fach schon seit der 6. oder 8. Klasse unterrichtet bekommen hatten. Die Oberstufe ist schon ziemlich schwer, doch immerhin habe ich in keinem Fach unterpunktet, außer in Englisch. Da zeigt sich besonders der Unterschied zu den anderen Gymnasiasten – unser Englisch-Vokabular ist wesentlich kleiner als ihres.

Bis zur Abiturprüfung haben wir zum Glück noch ein bisschen Zeit zum Aufholen. Nach dem Abi möchte ich vielleicht Ingenieurswissenschaften studieren.

 Jacqueline Friedl (19) aus Nürnberg ging auf den neusprachlichen Zweig der Maria-Ward-Realschule und macht dieses Jahr ihr Abitur im Scharrer-Gymnasium:


Jacqueline muss viel nachholen: vor allem in Mathe! Was tut man nicht alles für ein Abi.
Jacqueline muss viel nachholen: vor allem in Mathe! Was tut man nicht alles für ein Abi.
Foto: Matejka
Jacqueline muss viel nachholen: vor allem in Mathe! Was tut man nicht alles für ein Abi.
Jacqueline muss viel nachholen: vor allem in Mathe! Was tut man nicht alles für ein Abi.
Foto: Matejka

„Eigentlich bin ich nur deshalb noch auf das Gymnasium gegangen, weil ich mich nach der Realschule für keine Ausbildung entscheiden konnte.

Außerdem hatte ich in den Hauptfächern einen Schnitt von 1,5. In der Übergangsklasse bekamen wir einen straffen Stundenplan mit allen möglichen Fächern, außer Religion, Erdkunde und Musik. Leider war die Atmosphäre beim Lernen nicht immer so gut, da einige Lehrer und Schüler auf die „dummen Realschüler“ herabgeschaut haben.

Mathe war das anstrengendste Fach, denn wir lernten den Stoff von zwei Jahren innerhalb von einem. Es hat sich aber gelohnt: Jetzt in der Oberstufe komme ich in Mathe sehr gut mit. Meine Punkte liegen immer im zweistelligen Bereich, nur nicht in Fächern wie Deutsch, die mir schon in der Realschule nicht gelegen haben.

Man braucht als Quereinsteiger auf jeden Fall viel Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen. Von den vielen Studiengängen interessiert mich Medizintechnik am meisten. 



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