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"Zeigt beim Praktikum, dass ihr Bock habt"

Die Azubis Stefanie und Philipp stimmen Siebtklässler aufs Berufsleben ein - 11.07.2012

Als Fertigungsmechaniker ist Philipp dafür zuständig, die Güterwagen der Bahn zu reparieren.

Als Fertigungsmechaniker ist Philipp dafür zuständig, die Güterwagen der Bahn zu reparieren. © Michael Matejka


Das Konzept von AbS ist denkbar einfach: Siebtklässler aus Haupt- oder Mittelschule bekommen Tutoren an die Seite gestellt – und zwar aktuelle Azubis aus Firmen wie Bosch, Der Beck oder VAG. Über das Schuljahr treffen die Teams sich fünf Mal und besichtigen zum Beispiel die Ausbildungsbetriebe oder gehen auf GPS-Exkursion im Pegnitztal. Immer mit dem Ziel, die Schüler auf das Berufsleben einzustimmen.

Gerade ist die fünfte Auflage zu Ende gegangen. Als Tutoren dabei waren Stefanie Topinka (23), die im 3. Lehrjahr zur Drogistin bei dm ausgebildet wird, und Jean Philipp Buttler (20), der soeben die Lehre als Fertigungsmechaniker bei der DB Schenker Rail Deutschland AG beendet hat. Wir haben beide befragt.


Als Tutoren bei AbS habt ihr ja eine Vorbildfunktion. Was, glaubt ihr, konntet ihr den Schülern mit auf den Weg geben?
Philipp: Als ich das erste Mal in meiner Klasse war, gab’s viele kleine Grüppchen, die sich untereinander nicht mochten. Durch AbS haben sie gelernt, wie wichtig Teamarbeit ist. Als wir mit den GPS-Geräten unterwegs waren, mussten alle miteinander reden, um uns nicht in der Wildnis zu verlaufen. Das ist auch im Beruf so: Als Fertigungsmechaniker reparieren wir die Güterwagen der Bahn – vom Radsatz über den Wagenkasten bis zu den Containern. Müssen wir zum Beispiel einen Druckluftkessel tauschen, geht das nur, wenn mehrere Kollegen Hand in Hand arbeiten. Das haben die Schüler gesehen, und jetzt ist die Verständigung in der Klasse besser.
Stefanie: Meine Schüler glaubten, dass sie in der Lehre viel Freizeit haben. Aber das stimmt so ja nicht: Als Azubis müssen wir auch nach einem Arbeitstag für die Berufsschule lernen oder an einem Projekt arbeiten.

Als Drogistin muss Stefanie (links) sich mit dem kompletten Drogerie-Sortiment bei dm auskennen. Kein Problem also, das den Schülern zu erklären!

Als Drogistin muss Stefanie (links) sich mit dem kompletten Drogerie-Sortiment bei dm auskennen. Kein Problem also, das den Schülern zu erklären! © Michael Matejka


Welche weiteren Irrtümer über die Arbeitswelt konntet ihr bei den Schülern aufklären?
Stefanie: Sie dachten, dass man als Drogistin nur acht Stunden an der Kasse hockt. Falsch! Wir machen viel Büroarbeit wie Bestellungen und Dienstpläne und müssen uns mit dem gesamten Sortiment auskennen. Deshalb lernen wir in der Berufsschule zum Beispiel Heilpflanzen und ihre Wirkungen kennen oder lernen alles rund um Fotografie.

Wusstest du denn vor der Ausbildung, was dich im Job erwartet?
Stefanie: Ja, denn ich habe neben der Schule im Einzelhandel gejobbt. Trotzdem hätte ich mir Infos aus erster Hand, von Azubis, gewünscht. Ich kann allen nur raten: Macht viele Praktika, beschäftigt euch intensiv mit der Ausbildung, die ihr machen wollt, und legt euch nicht nur auf ein Berufsbild fest! Es geht um eure Zukunft – euch wird nichts zufliegen!

Könnt ihr Tipps geben, wie man im Praktikum richtig punktet?
Philipp: Zeigt, dass ihr Bock auf den Job habt! Das geht schon bei der Bewerbung los: Diese kann man persönlich abgeben und vielleicht gleich mit dem Chef sprechen. Während des Praktikums sollte man pünktlich und motiviert sein. Wenn ein Betrieb merkt, hier will einer was machen, ist die Chance auf eine Lehrstelle viel größer. In unserem Betrieb werden gute Praktikanten durchaus für eine Ausbildung übernommen. Da hat der Arbeitgeber die Gewissheit, dass er einen guten Azubi kriegt.

Wenn es so weit ist und die Ausbildung beginnt: Was könnt ihr neuen Azubis für den ersten Tag raten?
Stefanie: Ich habe mich nicht groß darauf vorbereitet. Einfach nett und offen auf die Kollegen zugehen, hilft sicher viel. Aber ansonsten haben doch alle Verständnis dafür, dass man neu und nervös ist.

Und was hat euch als Azubis das Projekt AbS gebracht?
Philipp: Es war wie ein Schnupperkurs in Verantwortung. Wir konnten testen, wie man Kleingruppen anleitet und ihnen etwas beibringt. Das war spannend!
  

Interview: apk

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