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Vorsicht bei Billig-Operationen in Osteuropa

Immer mehr Patienten suchen aus Kostengründen lieber die Ärzte in polnischen, ungarischen oder türkischen Kliniken auf - 27.01. 16:07 Uhr

Augenoperationen in der Türkei, Zahnersatz aus Polen, Kuren in Ungarn – immer häufiger lassen sich Bundesbürger im Ausland medizinisch behandeln.

Chirurgische Behandlung (hier bei einer Operation in Frankreich): Nicht immer kann man im Ausland mit deutschen Standards rechnen.
Chirurgische Behandlung (hier bei einer Operation in Frankreich): Nicht immer kann man im Ausland mit deutschen Standards rechnen.
Foto: Colourbox.com

Bis zu vier Millionen Deutsche – so die EU-Kommission – begeben sich jährlich für eine Therapie außer Landes. Und mehr als die Hälfte der Bundesbürger kann sich einer Umfrage zufolge vorstellen, zur Behandlung ins Ausland zu reisen. Dort bedienen inzwischen zahllose Anbieter die rege Nachfrage. Sie locken im Internet mit vollmundigen Versprechungen und unterbieten sich mit Dumpingpreisen.

Erst in der vergangenen Woche hat das Europaparlament ein Gesetz verabschiedet, das die Behandlung von Patienten im EU-Ausland neu regelt. Die Krankenkassen in Europa werden nun verpflichtet, die Kosten der Behandlung zu tragen, zumindest so viel, wie sie auch im Inland zahlen würden. In Deutschland galt diese Vorschrift allerdings schon seit 2004.



Die Folgen dieser Regelung zeigt eine Umfrage der Techniker Krankenkasse unter ihren Mitgliedern: Demnach waren im Jahr 2003 lediglich sieben Prozent der Auslandsbehandlungen vorher geplant. 2007 erfolgten schon 40 Prozent der Arztbesuche in fremden Ländern planmäßig.

Die meisten Medizintouristen zieht es nach Osteuropa – Tschechien, Polen und Ungarn. Dabei wollen die meisten Bundesbürger schlicht sparen, wie Kai Vogel von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen berichtet. „Bei manchen Behandlungen steigt der Eigenanteil in Deutschland schnell auf mehrere tausend Euro“, so der Medizinsoziologe. „Da lockt die Ersparnis im Ausland.“

Tatsächlich kann die Reise lohnen, sobald Patienten eine Therapie aus eigener Tasche zahlen müssen. Beispiel Zahnersatz: Muss ein Patient hierzulande für ein Implantat mit Aufbau 1500 bis 4000 Euro berappen, bekommt er diese Leistung für 800 bis 1700 Euro in Polen oder in Ungarn. Dort kooperieren manche Zahnärzte sogar mit deutschen Kollegen, damit Patienten die Nachsorge bequem im Inland erledigen können.

In der Umfrage der Techniker Krankenkasse waren fast 80 Prozent der Medizintouristen über 60 Jahre alt, die meisten davon hatten ein monatliches Bruttoeinkommen unter 1500 Euro. Doch die günstigen Preise dürfen den Blick nicht trüben: „Man sollte vorsichtig sein“, mahnt Vogel. Denn in der Praxis lauern Tücken. So hängt die Behandlung nicht nur vom Fachwissen des Arztes ab. Wichtig ist auch die Qualität des Materials. Unabdingbar sind gute Sprachkenntnisse des Personals, damit man Probleme nicht per Zeichensprache lösen muss.

Den Versprechungen der Anbieter sollten Interessenten nicht blind vertrauen. „Wir bemerken immer wieder, dass im Internet falsche Informationen kursieren“, sagt Frank Verheyen, Leiter des Wissenschaftlichen Instituts für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen der Techniker Krankenkasse. Etliche Kassen kooperieren inzwischen mit europäischen Anbietern. Die AOK Berlin-Brandenburg arbeitet mit osteuropäischen Zahnarztpraxen zusammen, die Techniker Krankenkasse unterhält Verträge mit 28 Kureinrichtungen und 88 Kliniken, die überprüft werden.

Wie wichtig solche Qualitätskontrollen sind, zeigt eine Stichprobe der Stiftung Warentest bei Lasik-Anbietern in der Türkei. Dort kosten Lasereingriffe zur Behebung von Fehlsichtigkeit oft unter 1000 Euro (in Deutschland für beide Augen zwischen 2000 und 6000 Euro). Erkauft wird der Sparpreis auf Kosten der Sicherheit. „Wichtige Teile der üblichen Untersuchungen entfielen, eventuelle Risiken oder Ausschlusskriterien für eine Operation wurden nicht ermittelt“, berichtet die Stiftung. 





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