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Die Bilder von Fukushima beginnen zu verblassen. Stattdessen treiben Strompreiserhöhungen und Streit über Windräder bei Wohngebieten die Franken um. Wie ist es also aus Sicht von Verbrauchern und Unternehmen im neuen Jahr um den Ökostrom bestellt?
Das Verbraucherportal Verivox ermittelte Ende 2011 einen Abwärtstrend in der bundesweiten Nachfrage nach Ökostrom. „Die Zahlen sind zum Jahresende 2011 deutlich gesunken“, so Jürgen Scheurer, Sprecher von Verivox. Im April 2011 interessierten sich nach Angaben des Portals rund 80 Prozent der Kunden bei einem Anbieterwechsel für Ökostromtarife. Im November 2011 waren es nur noch 45 Prozent.
„Viele Leute schauen jetzt wieder mehr auf den Preis als auf die Herkunft oder Erzeugung der Energie“, erklärt sich Scheurer den Rückgang. Und: „Nachfrageschübe, vor allem nach drastischen Vorfällen mit Atomenergie, gab es früher schon. Wie heute auch, hielten sie meist nicht lange“, weiß Scheurer. Der Boom ist also vorbei. Doch die langfristige Entwicklung im grünen Energiesektor ist dennoch positiv. Zum Vergleich: Im Januar 2010 lagen laut Verivox die Kundenanfragen nach grünem Strom nur bei 20 Prozent. Die Katastrophe in Fukushima hat also nicht nur in der Politik ein Umdenken bewirkt.
Stromkunde Helmut Dehling musste nicht umdenken — ihn hat Fukushima in seiner Überzeugung bestätigt. „Lieber tausend Windräder als ein Atomkraftwerk“, begründet er seine Entscheidung, auf Ökostrom umzustellen.
Die traf er schon vor fünf Jahren. Der Preis war ihm dabei nicht wichtig, wie er selbst sagt. Trotzdem kam er laut eigenen Angaben bereits 2007 mit dem Ökostrom günstiger weg. Dass nicht mehr Leute auf grüne Energie umsatteln, versteht er nicht: „Viele denken offenbar immer noch, dass grüner Strom teurer ist“, vermutet Dehling. „Dem ist aber nicht so.“ Ein Beispiel: Nach der Preiserhöhung im März 2012 kostet der Standard-Tarif der Nürnberger N-Ergie AG 24,69 Cent pro Kilowattstunde, der Tarif Pronatur hingegen 24,19 Cent.
Dass trotzdem so mancher Verbraucher Ökostrom mit höheren Kosten verbindet, zeigt eine Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2011: Von 1000 Befragten würden 61 Prozent steigende Preise in Kauf nehmen, wenn mit den Mehreinnahmen erneuerbare Energien gefördert würden. Dieses Ergebnis stimmt den Auftraggeber der Umfrage, den Verband kommunaler Unternehmen (VKU), optimistisch: Abgesehen davon, dass die Kunden hierzulande ab März sowieso mehr zahlen müssen, um die Energiewende zu finanzieren, wollen kommunale Anbieter in Zukunft kräftig in die Erzeugung von grünem Strom investieren — und Stromriesen wie E.on und RWE Konkurrenz machen.
Laut VKU hielten die städtischen Unternehmen in Deutschland 2011 gerade einmal zehn Prozent des Marktanteils in Sachen Stromerzeugung, die privaten Konzerne hingegen rund 80 Prozent. „Die deutschen Stadtwerke werden in den nächsten Jahren eine zweistellige Milliardensumme investieren, vor allem in flexible, effiziente Gaskraftwerke und erneuerbare Energien“, bestätigt Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des VKU. „Den Marktanteil der Stadtwerke an der Erzeugung wollen wir bis 2020 verdoppeln.“
In Franken sind die städtischen Anbieter dabei, sich im Wettbewerb zu positionieren. Wie die Nürnberger N-Ergie AG: „Wir investieren seit Jahren in die Eigenerzeugung aus regenerativen Quellen“, sagt Heidi Willer, Pressereferentin der N-Ergie. 2011 steckte das Unternehmen laut Willer rund 100 Mio. € in den Ausbau der Erzeugungskapazitäten und plant für die Zukunft noch größere Beträge ein. Dabei stellt sich die N-Ergie breit auf: Biomasse, Windkraft, Photovoltaikparks und Bio-Erdgas sollen künftig in Franken mehr grünen Strom erzeugen. Die Erlanger Stadtwerke investieren ebenfalls: Bis 2030 wollen sie 300 Mio. € in die Erzeugung erneuerbarer Energien stecken, vor allem in Windenergie.
Dass viele Kunden in Franken aber nicht gerne Windkrafträder oder Photovoltaikparks vor der Haustüre haben, zeichnete sich bereits im vergangenen Jahr ab. Klagen gegen geplante Windräder, wie beispielsweise am Galgenberg in Neunhof (bei Lauf), beschäftigen nach wie vor Gerichte und Gemeinden.
Die VKU sieht beim Problem der Akzeptanz die kommunalen Anbieter wegen ihrer Nähe zu den Bürgern im Vorteil — und stützt sich dabei auf ein weiteres Ergebnis der Forsa-Umfrage: 43 Prozent vertrauen ihrem städtischen Stromversorger, nur 13 Prozent den privaten Stromkonzernen. Helmut Dehling hat überdies kein Problem mit Windrädern, auch nicht, wenn in der Nähe seines Hauses eins gebaut würde. „Wenn es sein muss, muss es sein.“
