19°C
Donnerstag, 24.05. - 01:39 Uhr
Login
Info
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos!
Passwort vergessen
Info
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!

E-Mail-Adresse
Druckversion

Blick in die Glaskugel soll die Kosten des Gesundheitswesens senken

Erlanger Spitzenprojekt wandelt auf den Spuren der Klimaforschung: Computersimulation macht Folgen neuer Medizin-Technologien berechenbar - 31.12.11

ERLANGEN  - Mit dem Verein „Medical Valley“ hat eine der Topbranchen der Region ein Gesicht bekommen. Tausende von Stellen hängen am Bereich Medizintechnik/Gesundheit. Zudem findet hier Spitzenforschung statt. Einige der Top-Projekte wollen wir in unserer Serie „Fränkisches Medical Valley“ vorstellen. Heute geht es um die Suche nach neuen Wegen, Gesundheit bezahlbar zu machen.

Wird ein Schlaganfall-Patient, wie hier im Krankenhaus, schnell richtig behandelt, können Folgeschäden oft vermieden werden. Die Erlanger Forscher berechnen, wie sich eine mobile Behandlungsmöglichkeit auf die Qualität und die Kosten der Behandlung auswirkt.
Wird ein Schlaganfall-Patient, wie hier im Krankenhaus, schnell richtig behandelt, können Folgeschäden oft vermieden werden. Die Erlanger Forscher berechnen, wie sich eine mobile Behandlungsmöglichkeit auf die Qualität und die Kosten der Behandlung auswirkt.
Foto: dpa
Wird ein Schlaganfall-Patient, wie hier im Krankenhaus, schnell richtig behandelt, können Folgeschäden oft vermieden werden. Die Erlanger Forscher berechnen, wie sich eine mobile Behandlungsmöglichkeit auf die Qualität und die Kosten der Behandlung auswirkt.
Wird ein Schlaganfall-Patient, wie hier im Krankenhaus, schnell richtig behandelt, können Folgeschäden oft vermieden werden. Die Erlanger Forscher berechnen, wie sich eine mobile Behandlungsmöglichkeit auf die Qualität und die Kosten der Behandlung auswirkt.
Foto: dpa

Der Fall ist gemessen an der Dimension herausragend, ansonsten aber keine Seltenheit: Die von Siemens in Zusammenarbeit mit dem Rhön-Klinikum entwickelte Partikeltherapie sollte Meilensteine in der Krebsbekämpfung setzen. Die Erwartungen waren mindestens so hoch wie die Kosten. Doch in der Praxis stellte sich dann schnell heraus: die Technologie war nicht ausgereift genug und der Bedarf nicht vorhanden, um im klinischen Dauerbetrieb wirtschaftlich arbeiten zu können.

In den Sand gesetzt

Das Projekt wurde eingestellt, Siemens musste einen hohen Millionenbetrag abschreiben. Hätte man die Marktchancen dieser Therapie ermitteln können, noch bevor der erste Euro in Forschung und Entwicklung geflossen wäre, dann hätte sich der Konzern viel Geld und den zwangsläufigen Imageschaden ersparen können. Großunternehmen mögen solche Flops vielleicht noch wegstecken. Bei forschenden Mittelständlern geht es in derartigen Fällen aber sehr schnell ans Eingemachte.



Was tun, um das zu verhindern? Genau mit der Frage beschäftigt sich Peter Kolominsky, der geschäftsführende Vorstand des Interdisziplinären Zentrums für Public Health der Uni Erlangen-Nürnberg. Er ist Leiter eines Spitzen-Projektes in Erlangen, das Wege sucht, die Auswirkungen neuer Technologien, Medikamente und Verfahren vor allem auf die Qualität und die Kosten im Gesundheitswesen zu ermitteln.

„Es geht um nichts anderes als um Zukunftsforschung“, versucht der Experte in einfache Worte zu kleiden, was in Wahrheit ein höchst aufwendiger Vorgang ist. Die Idee dahinter kommt aus der Klimaforschung. Dort werden unzählige Daten in gigantische Rechner eingegeben, die dann in verschiedenen Szenarien die möglichen klimatischen Veränderungen der nächsten 20 oder 50 Jahre abbilden. „Diese Simulation versuchen wir — in einem bisher weltweit einmaligem Versuch — auf das Gesundheitswesen zu übertragen“, so Kolominsky.

Am Beispiel von Schlaganfallpatienten wird deutlich, um was es geht. Hier gibt es eine noch relativ neue Therapieform, nämlich die Thrombolyse. Über einen Katheter wird dem Patienten ein Mittel gespritzt, das das Gerinnsel in der Arterie auflöst. Das geht aber nur, wenn es innerhalb von 180 Minuten nach Beginn der ersten Symptome verabreicht wird – danach ist das Zeitfenster zu.

Die Überlegung, die schon in Praxisversuchen erprobt wird, ist nun, ein bundesweites System mit mobilen, auf Fahrzeugen installierten Schlaganfall-Behandlungseinheiten aufzubauen, mit denen direkt beim Patienten vor der Haustür die nötige Behandlung eingeleitet werden kann.

„Damit würde man fast doppelt so viele Patienten innerhalb der kritischen Zeitphase erreichen als bisher“, beschreibt der Projektleiter den erhofften Erfolg. Mit diesem raschen Eingreifen würden die Heilungschancen deutlich verbessert, der Grad einer eventuellen Behinderung verringert und es entstünden weniger Folgekosten für langwierige Reha- und Pflegemaßnahmen.

Mit Hilfe ihres Simulationsprogramms wollen die Erlanger Forscher herausfinden, ob sich die Investitionen in so ein System lohnen. Dazu brauchen sie Unmengen von Daten. Gibt es dafür überhaupt einen Bedarf — auch noch in ferner Zukunft? Es müssen Fakten zur Häufigkeit der Erkrankung und zur demografischen Entwicklung der Bevölkerung eingegeben werden. Nötig sind Datenreihen zum Verlauf der Erkrankung. Und das System muss unter anderem wissen, wie viel Geld welche Behandlung kostet.

Einmal gesammelt, so die Erwartung, kann man mit Hilfe leistungsstarker Rechner die Datensätze ganz unterschiedlich einsetzen. So lassen sich Prognosezeiträume, die betrachten Regionen oder Bevölkerungsstrukturen variieren, um jedesmal für die veränderten Bedingungen konkrete Angaben machen zu können, ob sich die Neuerungen lohnen und ob sie für die Patienten Verbesserungen mit sich bringen.

Das Spektrum der zu beachtenden Aspekte ist dabei breit und komplex. „So müssen wir auch die Akzeptanz eines neuen Verfahrens oder einer Technologie berücksichtigen. Wenn es beispielsweise um eine Neuerung geht, die ganze Facharztgruppen überflüssig machen würde, dann wird der Durchdringungsgrad sehr viel langsamer voranschreiten, als wenn man eine Technologie einführt, die die Einkommen der Ärzte in die Höhe treibt“, versucht Kolominsky grob vereinfacht die Interdependenz darzustellen.

Insgesamt 2,2 Mio. € werden für das Projekt ausgegeben, die Hälfte davon kommt aus der Industrie. Beteiligt sind Siemens Healthcare, aber auch der Mittelständler seppMed aus Röttenbach und fünf Einrichtungen der Uni Erlangen-Nürnberg, darunter gleich mehrere Informatik-Lehrstühle.

Wie treffsicher wird das System sein? „Modelle sind immer Annäherungen an die Wirklichkeit, aber niemals die Wirklichkeit selbst“, dämpft der Projektleiter allzu unrealistische Erwartungen. Aber: „Wir sind auf dem richtigen Weg.“ Schon jetzt, weit vor Abschluss des Forschungsprojektes, melden sich Mittelständler und Großkonzerne, die von den Ergebnissen der Erlanger profitieren wollen. Zumindest in dem Fall scheint also der Bedarf absehbar zu sein. 



VON KLAUS WONNEBERGER

Ihr Kommentar

Name:
 
Info
Bestätigungswort

Um Ihren Kommentar abzusenden, geben Sie bitte das Bestätigungswort ein. Nicht lesbar? Erzeugen sie durch Klick darauf einen neuen Text.



Aktueller Zeitungstitel Nürnberger Nachrichten
  • Nürnbergs Trafo-Werk gefährdet: Die IG Metall fürchtet, der Stellenabbau sei nur der Anfang
  • Den Felsen im Griff: In der Frankenalb findet zu Pfingsten Deutschlands größtes Kletterfestival statt
  • Wenig ruhmreich: Unter der NS-Herrschaft ließ sich der 1. FC Nürnberg instrumentalisieren

Amtliche Bekanntmachungen

Moneyspecial DAX

Moneyspecial regional

Immobilien suchen

Immobilien suchen

Immobilienangebote in Nürnberg, Fürth und Franken
Was suchen Sie?
z.B. 3 Zim Wohnung zur Miete
Wo suchen Sie?
z.B. 90402 Nürnberg, ER