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„Das Schafkopfen wird nicht aussterben“

Franz Jurthe, Geschäftsführer der Nürnberger-Spielkarten-Verlags GmbH, setzt auf ein gutes Blatt - 11.07.2012 21:00 Uhr

Franz Jurthe, Chef des Nürnberger-Spielkarten-Verlags, entwickelt und produziert Karten und Spiele aller Art.

Franz Jurthe, Chef des Nürnberger-Spielkarten-Verlags, entwickelt und produziert Karten und Spiele aller Art. © I. Hörath


Zumindest einen Abend lang sollte das bayerische Kulturgut Bestand haben. „Einen Abend lang, das heißt 48 Spiele, sollte ein Blatt mindestens halten“, sagt Franz Jurthe. So erfordern es die Turnierregeln.

Doch das Traditions-Spiel ist bedroht. Längst machen Facebook und Partyzone den Stich. „Es wird in der Stadt nicht mehr so viel Schafkopf gespielt wie früher, weil das Freizeitangebot größer geworden ist“, erklärt der Geschäftsführer der Nürnberger-Spielkarten-Verlags GmbH (NSV). Doch Jurthe hat auch beobachtet: „Im ländlichen Bereich ist die Verbundenheit mit klassischen Kartenspielen noch größer.“

Wenn der Nachwuchs wieder schmiert, zupft oder „die Alte“ spielt, hat oft auch Franz Jurthe seinen Trumpf ausgespielt. Trotz Internet und Elektronikspielen gehören Schafkopf- und Skatkarten zu den Bestsellern des Nürnberger-Spielkarten-Verlags mit Sitz in Zirndorf. Gegründet wurde das Unternehmen1948 in Nürnberg als Spielkartenfabrik Heinrich Schwarz. Nach der Übernahme durch den Spielehersteller F.X. Schmid im Jahr 1989 wurde aus ihm die Nürnberger-Spielkarten GmbH. „Seit 1995 sind wir wieder selbstständig“, sagt Jurthe. Er stieß 2000 als Vertriebsleiter zum NSV, ist seit 2005 Geschäftsführer und hat erst einmal „das Unternehmen wirtschaftlich gemacht“.

„Die Spielkarte unterliegt dem absoluten Preisdruck“, sagt Jurthe. Ein Satz Spielkarten für drei Euro und eine Glückwunschkarte für vier Euro — „das kann nicht sein“. Um im Wettbewerb bestehen zu können, „machen wir unsere Spielkarten besser, indem wir spezielle Drucklacke und Farben verwenden“. So produziert er neben der Standardqualität etwa Schafkopfkarten mit Leineneffekt. „Die GoldCard-Premiumkarten gleiten besser, haben keine so ausgeprägte Reibung und sind deutlich langlebiger.“ In bayerischen Kneipen und Wirtsstuben sei Qualität gefragt, weiß der NSV-Chef. „In Bayern laufen die Premiumkarten deutlich besser, im Westen Deutschlands ist die Qualität von Skatkarten zweitrangig.“

Schwierig sei es, bei klassisch geprägten Spielen etwas Neues zu entwickeln, meint Jurthe und zieht wie ein Zauberer ein Blatt aus dem Hut, das er für Senioren und speziell für Menschen, deren Sehkraft stark eingeschränkt ist, entwickelt und produziert hat. Gerade mal Eichel, Herz, Schellen und Grün plus Zahl befinden sich auf der Spielkarte, jeweils wie mit der Lupe vergrößert. „Mit den großen Eckzahlen tun sich Senioren leichter“, erklärt Jurthe. Stolz ist er auf ein Schafkopfspiel, das sechs Personen spielen können. „Wenn alles gut geht, sind wir damit in sechs Wochen auf dem Markt.“

In Zusammenarbeit mit Spieleautoren entstand ganz neu das bebilderte Kartenspiel „Sei stark. Sag nein!“. „Kinder sollen damit Verhaltensweisen gegenüber Fremden erlernen, wenn sie von diesen angesprochen werden“, erläutert Jurthe. Auch ein Hör-Memory namens „Ohren auf“ stammt aus seinem Verlag. Anstatt sich zwei Bilder zu merken, gilt es, eine Karte hochzuhalten und der Spielpartner „macht den Ton dessen, was er sieht“.

Slimcards entwickelt

„Wir versuchen, uns in Nischen im Markt zu halten, gute Ideengeber zu haben und schneller als der Wettbewerber zu sein“, sagt der NSV-Geschäftsführer mit Blick auf die Spielekonzerne Ravensburger, Kosmos oder Simba Dickie. „Die sind ganz klar die Platzhirsche. Unsere Stärke ist, dass wir einen eigenen Weg gehen.“ Indem Jurthe und seine vier Mitarbeiter zum Beispiel sogenannte Slimcards entwickelt haben, damit Rommé-Spieler zehn Karten in der Hand halten und bequem den Überblick behalten können. Auch Klassiker wie Quartette sind im Programm.

Ob Karten oder Spiele: „Der Druck muss passen und die Kartonage.“ Dass die Qualität zu stimmen scheint, beweisen die Abnehmer: „Wir haben Kunden in Japan, Kanada und auf den Bahamas.“ Was in Zahlen einen Jahresumsatz von 2,2 Mio. € bedeutet. Das Lizenzgeschäft hat Jurthe schon lange aufgegeben, „weil es zu starken Schwankungen unterliegt. Man muss zum richtigen Zeitpunkt einsteigen und nicht jedes Produkt funktioniert als Lizenzprodukt“. Beim Schafkopf ist sich Jurthe aber sicher: „Es wird nicht aussterben.“
  

ILONA HÖRATH

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