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„Ein Mischbrot und zwei Anleihen, bitte“

Bäcker und andere Mittelständler werben mit hohem Zins — Verbraucherschützer warnen - 30.12. 12:00 Uhr

BERLIN  - „Ein Mischbrot, drei Mohnschnecken und zwei Unternehmensanleihen, bitte!“ Neben frischem Gebäck verkauft eine auch in Nürnberg präsente Bäckereikette auch Firmenanleihen. Doch solche Angebote sind mit Vorsicht zu genießen, warnen Verbraucherschützer.

„Trotz Finanzkrise — sieben Prozent Festzins jährlich sichern“: So wirbt eine Bäckerei für ihre Anleihen. Doch Experten warnen vor blauäugigem Kauf.
„Trotz Finanzkrise — sieben Prozent Festzins jährlich sichern“: So wirbt eine Bäckerei für ihre Anleihen. Doch Experten warnen vor blauäugigem Kauf.
Foto: dapd
„Trotz Finanzkrise — sieben Prozent Festzins jährlich sichern“: So wirbt eine Bäckerei für ihre Anleihen. Doch Experten warnen vor blauäugigem Kauf.
„Trotz Finanzkrise — sieben Prozent Festzins jährlich sichern“: So wirbt eine Bäckerei für ihre Anleihen. Doch Experten warnen vor blauäugigem Kauf.
Foto: dapd

Sie gehen zwar nicht über den Bäckertresen, aber beim Brötchenkauf bekommen Kunden in Mühlheim einen Werbezettel in die Hand gedrückt. Die Bäckerei Heberer verspricht darin sieben Prozent Zinsen. Schon ab 1000 € sei die „Investition ins goldene Handwerk“ möglich.

Mit diesem Angebot ist sie nicht allein. Bei vielen mittelständischen Unternehmen boomt derzeit das Geschäft mit den Firmenanleihen.

Das Interesse ist groß: Der Safthersteller Valensina musste nach zweieinhalb Stunden die Ausgabe seiner Anleihen beenden, weil sie bereits fünffach überzeichnet waren. Bei Katjes dauerte es nur eine halbe Stunde, da gab es bereits mehr als doppelt so viele Interessenten wie der Süßwarenhersteller mit seinem 30 Mio. € schweren Anleihenpaket bedienen konnte. Bei Heberer sollen bis zum August kommenden Jahres zwölf Mio. € zusammenkommen. Fast die Hälfte der Anleihen wurde schon verkauft.



„Prinzipiell raten wir Kleinanlegern von Investitionen in einzelne Unternehmensanleihen ab“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale. Viele seien riskant und intransparent. So lässt auch die Bäckerei Heberer ihre Anleihen nicht von Ratingagenturen bewerten. Auch an der Börse wird das Papier nicht gehandelt, somit könne auch kein Kursverlauf darüber Auskunft geben, wie Anleger das Risiko einschätzen.

Zins als Risikopreis

Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) weiß, weshalb Firmen auf diese Finanzierungsmethode setzen. „Die Banken sind restriktiver geworden durch die hohen Anforderungen bei der Kreditvergabe.“ Gleichzeitig wollten viele Mittelständler nicht an die Börse und damit Macht an die Aktionäre abgeben. Kurz glaubt, dass in Zukunft noch mehr Mittelständler Anleihen auflegen werden. „Das ist ein Markt, der sich noch entwickelt.“

Potenziellen Investoren rät Kurz, sich mindestens die Unternehmenszahlen, die Geschichte und das Geschäftsmodell des Unternehmens anzusehen. Insgesamt sei eine realistische Risikoeinschätzung jedoch „extrem schwer für Laien“. Klar sei: „Der Zins ist ein Risikopreis.“ Viele Firmenanleihen mit hohem Zinssatz seien also vergleichsweise riskant.

Die Risiken müssen im Wertpapierprospekt zur Anleihe aufgeführt werden. Bei Heberer ist dieser 122 Seiten dick. Verbraucherschützer Nauhauser fordert mehr Klarheit: „Neben den sieben Prozent Rendite, die auf den Werbezetteln angepriesen werden, müsste in dicken Buchstaben stehen: Achtung, Gefahr des Totalverlusts.“ FELIX WERDERMANN (beide dapd) 



FELIX FRIELER/FELIX WERDERMANN - dapd

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