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„Falten bügeln wir weg“

Waschsalon Trommelwirbel setzt auf erfahrene Mitarbeiter - 15.12.11

NÜRNBERG  - Noch nicht einmal zwei Jahre alt und schon mehrfach ausgezeichnet: Das ist Nürnbergs Kult-Waschsalon Trommelwirbel. Für ihre Personalpolitik erhielten die Unternehmerinnen Nele Gilch und Petra Schinz vor kurzem die Auszeichnung „Unternehmen mit Weitblick“ des Beschäftigungspakts „Perspektive 50plus“.

Im Jahr 2010 wurde der Waschsalon  Trommelwirbel eröffnet. Prägnant von Anfang an die Ausstattung im Stil der   siebziger Jahre. Für die Kunden entwickelt sich der Laden immer mehr zum Kulttreff.
Im Jahr 2010 wurde der Waschsalon Trommelwirbel eröffnet. Prägnant von Anfang an die Ausstattung im Stil der siebziger Jahre. Für die Kunden entwickelt sich der Laden immer mehr zum Kulttreff.
Foto: Stefan Hippel
Im Jahr 2010 wurde der Waschsalon  Trommelwirbel eröffnet. Prägnant von Anfang an die Ausstattung im Stil der   siebziger Jahre. Für die Kunden entwickelt sich der Laden immer mehr zum Kulttreff.
Im Jahr 2010 wurde der Waschsalon Trommelwirbel eröffnet. Prägnant von Anfang an die Ausstattung im Stil der siebziger Jahre. Für die Kunden entwickelt sich der Laden immer mehr zum Kulttreff.
Foto: Stefan Hippel

Iryna Tulchynska ist glücklich. Seit Anfang September arbeitet die aus der Ukraine stammende 52-Jährige 18 Stunden pro Woche im Waschsalon Trommelwirbel. Seit sie 2004 aus ihrer Heimatstadt Donetzk nach Nürnberg gekommen war, suchte die gelernte Schneiderin vergeblich nach einer Beschäftigung. Mangelnde Deutschkenntnisse und schulpflichtige Kinder schreckten potenzielle Arbeitgeber ab. Durch die Vermittlung des Beschäftigungspakts 50plus fand sie schließlich ihre jetzige Arbeitsstelle.

Nele Gilch und Petra Schinz stört es überhaupt nicht, dass ihre neue Mitarbeiterin über 50 ist. Im Gegenteil. „Falten bügeln wir einfach weg“, scherzt Nele Gilch. Aber im Ernst: „Wir wollten jemanden, der akkurat und gut arbeitet“, sagt Petra Schinz. Zufällig sind sie bei ihrer Suche an den Pakt 50 geraten. Ganz wichtig ist den beiden Unternehmerinnen, „ob jemand ein Teamplayer ist und Menschen mag“, so Petra Schinz. Auch die Neugier ist für sie ein wichtiges Einstellungskriterium. „Wenn ein Mensch neugierig ist, lernt er sein Leben lang“, ist Nele Gilch überzeugt. Außerdem findet sie, dass Menschen mit steigendem Lebensalter weniger stressanfällig sind. „Man muss sich nichts mehr beweisen, braucht kein Imponiergehabe mehr“, ergänzt Petra Schinz. Und: „Ein Älterer hört besser zu.“



Die „Bühne“ der Selbstdarstellung überlassen die Gründerinnen gerne ihren Kunden und ziehen diskret im Hintergrund die Fäden. Vielleicht liegt es daran, dass sich der kultige Waschsalon innerhalb kurzer Zeit zu einem Stadtteiltreffpunkt entwickelt hat. Hier wird in der bunten Atmosphäre der 70er Jahre nicht nur gewaschen und gebügelt. Studenten treffen sich im Nebenzimmer zum Lernen, Mütter mit Kindern halten einen Plausch, aber auch Seminare oder gemeinsame Fernsehabende finden im Trommelwirbel statt. „Nichts ist unmöglich“, sagt Petra Schinz. In den letzten Tagen hat sie zusammen mit Nele Gilch das Programm für 2012 geplant. Dabei gehen sie gezielt auf Kundenwünsche ein. So ist zum Beispiel eine 70er-Jahre Discomania in Planung.

Etwa die Hälfte ihrer Kunden hat eine Waschmaschine zu Hause, schätzt Petra Schinz. Dass sie dennoch in den Salon kommen, liegt sicher am außergewöhnlichen Ambiente des Ladens. An der Theke gibt es selbst gebackene Kuchen, Zeitschriften aus den 70er Jahren und aktuelle Lektüre laden zum Schmökern ein, Kinder finden Spielzeug und im Keller kann man seine Wäsche selbst bügeln oder mangeln. Vom Single, der seine Wäsche morgens ab-

gibt und abends wieder holt, über Studenten bis hin zu Familien und Rentnern reichen die Kunden des Waschsalons. Viele holen sich inzwischen Tipps für die Fleckenentfernung oder kommen einfach auf einen Kaffee vorbei.

Inzwischen beschäftigen die beiden Gründerinnen drei Mitarbeiterinnen. „Wir lernen alle voneinander“, freut sich Nele Gilch. So verbessert Iryna mit Hilfe von Kollegin Jeanette Mayer, die Russisch kann, ihre Deutschkenntnisse. Ihre Fähigkeiten als Schneiderin kommen wiederum den anderen Kolleginnen und natürlich den Kunden zugute. „Ein Glücksfall für uns alle“, findet Petra Schinz.

Kultur und Arbeit

Neben der regionalen Auszeichnung des Beschäftigungspakts haben die Unternehmerinnen ebenfalls im November den bundesweiten „Kultur- und Kreativpiloten“-Preis erhalten, der mit einem Jahr intensivem Coaching verbunden ist. „Das hat uns angespornt und motiviert“, sagt Nele Gilch, „weil es beweist, dass man auch als kleiner Unternehmer sehr viel tun kann.“

Die beiden Frauen, die sich bei ihrem letzten gemeinsamen Arbeitgeber kennengelernt haben, wollten außerdem zeigen, dass sich Kultur und Unternehmertum nicht ausschließen. Und vor allem: „Dass man ein guter Arbeitgeber sein und trotzdem Erfolg haben kann“, so Petra Schinz.

Auf die Idee, einen Waschsalon zu eröffnen, kamen die beiden Kolleginnen, als der Keller von Petra Schinz überschwemmt wurde und sie mit der dreckigen Wäsche einen Waschsalon aufsuchten. „Was wir da erlebt haben, hat uns den letzten Kick gegeben.“

Sie wollten es besser machen, den Kunden Service und eine angenehme Atmosphäre bieten. Das ist ihnen so gut gelungen, dass sie bereits daran denken, einen zweiten Salon zu eröffnen. Selbstverständlich werden sie dann wieder auf den Pakt 50 zugehen, wenn es um die Suche von neuen Mitarbeitern geht.

  



BARBARA LOHSS

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