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Man mag es kaum glauben: Sogar Asma al-Assad, Ehefrau des syrischen Despoten, liebäugelte mit einem Auftrag an Hüttinger. Die Assads wollten auch gern eine Erlebnisausstellung vorzeigen können, eine Experimentierküche für die Jugend. „Aber die haben ja länger schon andere Probleme“, meint Axel Hüttinger.
Er und sein Bruder Jörg haben das Familienunternehmen zu einem der großen Namen in der weltweiten Szene der Wissenschaftszentren und Experimentier-Parks gemacht. Die Brüder Hüttinger konzipieren und liefern ganze „Science Center“ von Dubai bis Sibirien, von Polen bis Australien. Und genauso bunt und polyglott sieht es am Firmensitz in Schwaig aus.
Beim Rundgang durch bunte Werkstätten, Designer-Arbeitsplätze und Projektleiter-Büros läuft die Königspudeldame Emma immer mit. Der tierische Begleitservice mit Halstuch beachtet die Fremden nicht, nur einmal kommt Emma aus ihrem würdevoll-tänzelnden Schritt, als sie abrupt bremsen muss und auf allen Vieren über den Holzboden schlittert.
Der quirlige Vielredner Axel und der eher zurückhaltende Jörg: Das Temperament der Brüder Hüttinger geht auseinander. Doch beide vereint ein solides Ingenieurstudium und die Begeisterung für ihr Geschäft. Die braucht man, ebenso ein bisschen Verrücktheit, um Museen den Vorrang zu geben vor sicheren Aufträgen aus der Autoindustrie. „Wir sind regelrecht geflohen vor der Industrie“, sagt Axel Hüttinger, der Maschinenbauer.
Dabei lockt die Wirtschaft mit höheren Margen, verleitet jedoch zu weniger Leidenschaft. So ein Getriebe ist eben ein Getriebe, da fliegt nichts in die Luft, da sprudelt kein Wasser und genauso wenig steigt Dampf auf. An so einem High-Tech-Getriebe lassen sich die Naturgesetze höchstens über viele Umwege erfahren. Nichts für Kinder.
Aber es gibt vieles, das sich kinderleicht erfahren lässt. Zum Beispiel die Sache mit dem Hebel. Dessen Wirkkraft wurde von den Euro-Ländern viel diskutiert als wundersame Geldvermehrung für den dauerhaften Rettungsschirm. Wie ein Hebel wirkt, lässt sich in Hüttingers Manufaktur leicht spüren. Drei Käseräder liegen aufeinander gestapelt auf dem Boden. Zu zweit lassen sie sich schweißtreibend gerade so heben. Über eine galgenähnliche Aufhängung mit Gleitrollen und Strick schafft es einer allein. Der Hebel wirkt.
Axel Hüttinger, Vater dreier Kinder, kann eines nicht vertragen: Geradezu „pervers“ findet er den Spruch: „Das ist nur Spielerei.“ Und hält dem entgegen: „Spielen ist die Arbeit der Kinder.“ Die Schule könne ihnen im Frontalunterricht Physik beibringen, mit viel geringerem Erfolg allerdings als im Science Center. Wo sie nach Herzenslust ausprobieren können, welche Geheimnisse die Welt für sie auf Lager hat. Die Fragen kommen später von allein.
Was Hüttinger so auf Lager hat, ist in Erlebnismuseen, auch „Hands-on-Museen“ genannt, auf der ganzen Welt praktisch anzufassen. Derzeit arbeiten die Museumsbauer ein Großprojekt ab, für die Niederländer. Die wenigen Konkurrenten der Science-Center-Szene sitzen in Holland. Merkwürdigerweise aber aktuell auch die wichtigsten Kunden. So baut Hüttinger gerade an einem interaktiven Park, der in der Nähe von Den Haag entsteht. Er ist ausgestattet mit Windmühlen, Wasserpumpen, Schleusen und vielem mehr. „Eine Materialschlacht“ nennt Jörg Hüttinger das 1,2-Millionen-Projekt. Alles aus Edelstahl,
Im niederländischen Venlo kreiert Hüttinger eine Wasserlandschaft für Kinder, in Bahrain ein komplettes Science Center. Der Auftrag für Skoda dagegen birgt weniger Abenteuer als High-Tech: Unter Zeltkuppeln will der Autohersteller zum Beispiel Fahrkomfort und -sicherheit demonstrieren. Und weil der Liefertermin naht, sind viele der 90 Mitarbeiter mit Skoda-Modellen befasst, stehen etliche Exponate zur Abholung bereit.
„In der globalen Ausrichtung sind wir die einzigen deutschen Anbieter “, sagt Axel Hüttinger. Den meisten Spaß hatte er an der gewonnenen Ausschreibung für das Science Center in Glasgow 1999 zu Beginn seiner Karriere. Und natürlich ist er froh, dass nicht nur ferne Länder seine Dienste nachfragen, sondern auch Großprojekte wie das Klimahaus in Bremerhaven oder das große Science Center Phaeno in Wolfsburg. Nicht zu vergessen die eigene Heimat: Ein Erlebnismuseum in Kleinformat hat Nürnberg ja: Den Turm der Sinne haben die Schwaiger mit 30 Exponaten bestückt, die erfahrbar machen, wie das Gehirn uns Wahrnehmungen vormacht, die es so in Wirklichkeit nicht gibt.
Das komplizierteste Exponat made by Hüttinger ist dort der sogenannte Ames-Raum. Mit seinen schiefen Winkeln und abschüssigem Boden wirken kleine Leute wie Riesen und große wie Zwerge. Der Geschäftsführer des Turms der Sinne, Rainer Rosenzweig, meint: „Ohne Hüttinger würde es uns wahrscheinlich gar nicht geben. Einen professionellen Museumsbauer und obendrein Global Player vor der Haustür zu haben, war für uns ein großer Glücksfall.“ Für solide Arbeit spreche auch, dass die Exponate neun Jahre überstanden haben — trotz des Ansturms von Schulklassen. Umgekehrt profitiert auch Hüttinger vom Know-how der Wissenschaftler des Nürnberger Erlebnismuseums. Manches, was dort ausprobiert wurde, hat sich als Renner entpuppt.
