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IHK Mittelfranken lud zur Hochschulkontaktbörse Mittel- und Osteuropa - 24.05.2012 12:00 Uhr

Studenten büffeln in der Bibliothek des Klementinums in Prag. Die Zahl der hochqualifizierten Uniabsolventen aus Osteuropa, die es nach Franken zieht, soll in den nächsten Jahren steigen.

Studenten büffeln in der Bibliothek des Klementinums in Prag. Die Zahl der hochqualifizierten Uniabsolventen aus Osteuropa, die es nach Franken zieht, soll in den nächsten Jahren steigen. © afp


Sie haben viel Infomaterial mitgebracht: Karolina Houžvicková und Alena Havlícková verteilen an ihrem kleinen Stand CDs und Broschüren über die Naturwissenschaftliche Fakultät der Karls-Universität Prag. Sie wollen bei der Hochschulkontaktbörse im Rödl-Campus mit deutschen Universitäten und Unternehmen in Kontakt zu kommen.

„Tschechien steckt gerade in einer Rezession, gleichzeitig steigt die Zahl der Hochschulabgänger“, erklärt Houžvicková, die in der Karriereberatung der Uni arbeitet. „Noch ist die Arbeitslosigkeit unter Akademikern gering, aber die Tendenz ist steigend.“ Bald schon könnten sich junge Tschechen gezwungen sehen, im Ausland nach Arbeit zu suchen.

Doch wo hingehen? Um Franken für Arbeitnehmer aus dem Ausland attraktiv zu machen, fährt der Marketingverein Metropolregion Nürnberg die Werbekampagne „Heimat für Kreative“. Der Verein ist zudem Mitglied der „Allianz pro Fachkräfte“, die die Kontaktbörse organisiert.

Ziel des Bündnis’, dem auch die IHK Mittelfranken, das Bayerische Wirtschaftsministerium und die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit angehören, ist, die Wettbewerbsfähigkeit der Metropolregion zu stärken. „Dazu braucht es eine zweigleisige Strategie“, erklärt IHK-Präsident Dirk von Vopelius. „Wir müssen das Potenzial an heimischen Fachkräften nutzen und uns offen für Zuwanderung zeigen.“ Vor allem in den MINT-Berufen (Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften), sowie der Gastronomie und Hotellerie gäbe es bereits Engpässe.

Doch die Veranstaltung soll nicht nur Kontakte ermöglichen, sondern auch fränkischen Unternehmen die Angst vor dem Bürokratiewust nehmen, der bei der Anstellung ausländischen Personals anfällt. Susanne Hierl, Rechtsanwältin in der Kanzlei Rödl&Partner, beruhigt: „Mit der richtigen Vorbereitung ist es gar nicht so kompliziert.“ Heißt konkret? „Zuerst müssen sich Arbeitgeber bewusst sein, dass es Zeit braucht, und diese auch einplanen“, sagt Hierl. Das sei generell das größte Problem. Es müssen Anträge ausgefüllt, Dokumente übersetzt und Unterschriften eingeholt werden.

Von der ersten Kontaktaufnahme mit der gewünschten Fachkraft dauert es nach Hierls Erfahrung mindestens acht Wochen, bis alles zusammengetragen ist und die Behörden entscheiden. „Unternehmer sollten vorher genau klären: Welche Stelle will ich besetzen? Und: Woher kommt der Arbeitnehmer?“, erklärt Hierl. Denn je nach Herkunftsland brauchen ausländische Arbeitskräfte eine Arbeitsmarktzulassung oder zusätzlich sogar einen Aufenthaltstitel.

Darüber entscheidet die ZAV zusammen mit der Ausländerbehörde. Kommt der Kandidat aus einem EU-Staat, geht es ohne Visum und Arbeitsgenehmigung — Ausnahmen gelten bei Letzterer nur noch für Bulgarien und Rumänien bis Ende 2013. Kommt der Mitarbeiter in spe jedoch von außerhalb der EU, müssen Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung erteilt werden. Außerdem prüft die ZAV, ob nicht ein inländischer Arbeitnehmer verfügbar ist, der die geforderten Qualifikationen erfüllt — die sogenannte Vorrangprüfung.

Der zweite wichtige Punkt ist laut Hierl der Berufszweig. Für Berufsfelder, in denen es im Inland Lücken gibt, hat Deutschland entweder mit einzelnen Ländern Vereinbarungen getroffen (zum Beispiel die Vermittlung von Pflegepersonal aus Kroatien), oder die rechtlichen Bedingungen vereinfacht: So zum Beispiel entfällt die Vorrangprüfung bei Ärzten und Ingenieuren im Bereich Maschinenbau und Elektrotechnik.

Die ZAV rät Arbeitgebern, einen Entwurf des Arbeitsvertrages beizufügen. Es wird geprüft, ob Gehalt und Arbeitsbedingungen dem deutschen Niveau entsprechen. „Die Arbeitgeber sollten auf jeden Fall offen mit Behörden und Fachkräften umgehen, um Probleme zu vermeiden“, sagt Hierl. Fälle von geplantem Lohndumping bei ausländischen Kandidaten seien selten. Hierl fährt hierbei aber eine klare Linie: „Solche Fälle berate ich nicht.“
  

TANJA TOPLAK

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