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Nur die Kaffeemaschine durchbricht die monotone Geräuschkulisse. Hinterm Tresen schäumt lautstark die Milch für den nächsten Latte Macchiato. Die kleine Bar befindet sich in einem 320 Quadratmeter großen Großraumbüro, das an der Fußgängerzone in der Nürnberger Innenstadt liegt. Gut erreichbar für die 30 jungen Menschen, die sich hier kennenlernen und an neuen Projekten arbeiten, aus denen sie ein Unternehmen gründen wollen. Das Konzept des „Start-up-Weekends“ zielt darauf ab, binnen zweier Tage über eine innovative Idee zu brüten und zu entscheiden, ob sich mit der Idee Geschäfte machen lassen.
Die Menschen hier werden als die Latte-Macchiato-Generation bezeichnet: Ihr Alter liegt zwischen Mitte zwanzig und Mitte dreißig, viele von ihnen studierten Design, Web-Entwicklung und Volkswirtschaft. Sie eint ihre Arbeit als Freiberufler; einige wollen es noch werden. Unter ihnen Anton Levitskjy und Robert de Temple.
Die jungen Männer entwickeln ein Online-Spiel als Parodie für das Online-Netzwerk namens Facebook. „Es geht darum, schnellstmöglich viele Freunde zu verlieren“, erzählt der 28-jährige Programmierer Levitskiy und grinst. „Aber wir haben noch viel Arbeit vor uns, bis wir damit Geld verdienen können“, wirft der 27-jährige de Temple ein.
Die neue Methode des „Start-up Weekends“ nennt sich „Unkonferenz“. Initiator Stefan Probst erklärt: „Normale Konferenzen folgen dem Muster, dass ein Mensch redet und das Publikum beschallt. Doch dabei existiert keine Interaktion der Konferenz-Beteiligten.“ Allein in den kurzen Kaffeepausen fände das eigentliche Leben statt. Im Jahr 2006 kam ein Amerikaner auf die Idee: Was wäre, wenn diese Pause zur Konferenz wird? Die Unkonferenz wurde spruchreif und daraus entwickelte sich schließlich das „Start-up-Weekend“.
Vor gerade einmal vier Jahren fand erstmalig eine solche alternative Konferenz in Deutschland statt. In Hamburg. Dort nahmen bei den ersten beiden Veranstaltungen jeweils mehr als 100 Menschen teil. Begeistert von der Idee der alternativen Konferenz will Probst die Teilnehmer bezirzen, Befangenheiten zu überwinden und schnellst möglichst mit der Unternehmensgründung zu starten.
Das nach eigenen Angaben dritte deutschlandweite „Start-up-Weekend“ organisierte Stefan Probst im Jahr 2009 im Nürnberger Südwestpark. Probst, der selbst einst eine Firma mit etwa 20 Mitarbeitern aufgebaut hatte und Linux-Betriebssysteme entwickelte und die Firma später verkaufte, drückt die Idee dahinter so aus: „Oft sind Berührungsängste zu überwinden. Ein Unternehmen aus dem Nichts zu schaffen, empfinden viele junge Menschen als zu strapaziös.“
Das Konzept kommt an: Prompt nahmen am ersten Nürnberger „Start-up-Weekend“ vor zwei Jahren 120 Menschen teil. Am Ende haben die Teilnehmer drei Ideen soweit vorangetrieben, dass sie bereits auf dem Veranstaltungsort vom Notar bestätigt und wenig später als neue Firma im Handelsregister eingetragen wurden. Beim zweiten „Start-up-Weekend“, im vergangenem Jahr, gab es immerhin eine Gründung. Die Bilanz heute schaut allerdings mager aus: Inzwischen existiert nur noch eine der insgesamt vier neuen Firmen auf dem Papier.
Dabei ist für die jungen Menschen die Aufgabe, neue Konzepte kurzerhand zu entwickeln, nicht besonders schwierig. Es fehlt ihnen weder die Vision noch eine Strategie. Das Problem der geringen Zahl von Gründungen liegt tiefer: „Es fehlt das Durchhaltevermögen, sich mehrere Monate lang für die Ideen zu begeistern“, erklärt Probst. Bereits einen Tag nach dem kreativen Wochenende folgt die Feuerprobe: Im Alltag bleibe verschwindend wenig Zeit, an Konzepten weiterzuarbeiten.
Das „Start-up-Weekend“ in diesem Jahr sollte anders werden: Es fand in Nürnbergs erstem „Co-Working-Space“ statt. Das ist eine neuartige Form der Büroorganisation, in der sich die Menschen in einem Großraumbüro lediglich einen Platz am Schreibtisch mieten. Im Juni wurde das Büro eröffnet. Felix Böhm, der 32-jährige Gründer, erklärt: „Hier sitzen Freiberufler aus unterschiedlichen Berufsgruppen an einem Tisch zusammen.“ Ideen werden offen untereinander kommuniziert und gemeinsam nach einer Lösung gesucht. „Freiberufler sind darauf angewiesen, sich gegenseitig unter die Arme zu greifen“, erklärt Böhm.
„Hier wird den Menschen ein Arbeitsplatz als Plattform angeboten, in der sich die Gründer auch nach dem Start-Wochenende treffen können“, erzählt Initiator Probst die Beweggründe. Die Ergebnisse in diesem Jahr: Ein Prototyp einer Website ist online gegangen, auf der Menschen in einem Open-Mind-Netzwerk Ideen entwickeln und wieder verwerfen können. Andere Teilnehmer arbeiteten an zwei verschiedenen Internetforen: In einem Forum sollen Selbstständige nach geeigneten Mitarbeitern suchen können. Diese Börse wollen die Existenzgründer bei einem Business-Plan-Wettbewerb einreichen. In der anderen Idee geht es um eine Online-Plattform, auf der Krankheitsbilder analysiert werden sollen. Zu konkreten Firmengründungen sollte diesmal das „Start-up-Weekend“ noch nicht führen. Gewollt sollte das erst Monate später erfolgen, sagt Probst. „Solange muss das Team an die Idee glauben und weiter zusammenhalten.“
