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Grundig bringt Tonband auf Touren

Magnetbandaufzeichnung wird 75 Jahre alt - Premiere auf der Funkausstellung - 02.09. 06:00 Uhr

High-Tech-Geräte vom Feinsten erstrahlen ab morgen auf der Berliner Funkausstellung im gleißenden Licht der Scheinwerfer. Wie Stars werden die digitalen Unterhaltungselektronikgeräte präsentiert. Wer sie in ihrem futuristischen Design sieht, vergisst nur allzu schnell, dass die Erfindung mancher Technologie noch nicht einmal ein Menschenalter zurückreicht. Das Tonband beispielsweise - es wird gerade erst heuer 75 Jahre alt.


Sprichwörtlich "unerträglich" schwer war dieses Hifi-Tonbandgerät TK 3200 von Grundig für den mobilen Einsatz.
Sprichwörtlich "unerträglich" schwer war dieses Hifi-Tonbandgerät TK 3200 von Grundig für den mobilen Einsatz.
Foto: oh

Schon damals war die Branchenschau unter dem Berliner Funkturm die richtige Bühne, um diese sensationelle Neuentwicklung vorzustellen. Sie sollte den Industriekonzern Grundig, dessen Nachfolgefirma noch heute in Nürnberg ihren Sitz hat, zum weltgrößten Tonbandgerätehersteller der Welt machen.

Die Geburtsstunde dieser Entwicklung ist zwar mit anderen Namen verbunden: Es war die AEG, die am 16. August 1935 das Tonbandgerät K1 mit einem beschichteten 6,5 Millimeter Papierband in Berlin einer staunenden Öffentlichkeit präsentierte - ein Koffermagnetophon, das gut und gern 50 Kilogramm wog und von eher mittelmäßiger Tonqualität gekennzeichnet war.

Doch immerhin, so weiß Gerd Walther vom Rundfunkmuseum in Fürth, war es Max Grundig, der dieser Erfindung den Namen gegeben hat, unter dem das  "Magnetophon" noch heute bekannt ist: Tonband. Verschiedene Exponate des Museums in der Kurgartenstraße 37 verdeutlichen die technische Weiterentwicklung des Gerätes, für dessen Durchbruch noch eine zweite Erfindung Voraussetzung war: Neben dem von Eduard Schüller für die AEG gebaute Magnetophon war es das von BASF 1934 entwickelte Magnetband. Gemeinsam läuteten diese Entwicklungen den Wettbewerb zwischen Platte und Band ein.

Große Fortschritte

Im Jahr 1938 führte die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft in Deutschland das Magnetophon für Sendezwecke ein. Die Spielzeit, so berichtet die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) aus ihren Annalen, war mit 20 Minuten der Wachsplatte mit ihren drei bis vier Minuten weit überlegen. Die Technik machte große Schritte. So wurde 1940 ein Verfahren entwickelt, mit dem das sogenannte Grundrauschen des Bandes drastisch gesenkt wurde: die Vormagnetisierung mit Wechselstrom.

1941 lief der erste Film, bei dem das Magnetophonband zur "Schallaufnahme und Umsetzung in den Lichtton" eingesetzt wurde. Noch vor dem Ende des zweiten Weltkriegs wurde stereophone Aufzeichnung möglich. In Amerika kam dann 1948 das erste professionelle Studio-Tonbandgerät, das Ampex Model 200, heraus.

In Deutschland ist Max Grundig längst der größte Rundfunkgeräte-Hersteller Europas, als er 1951 für 1,7 Millionen Mark die Lumophon-Werke in Nürnberg übernimmt und damit die Produktion des ersten Tonbandgerätes namens "Reporter 300". Schon ein Jahr später entsteht der erste Tonbandkoffer Reporter 500 L mit eingebautem Verstärker und Lautsprecher. Grundig macht damit die Technik heimtauglich. Allerdings kostete der Spaß damals horrende 1000 Mark.

Der "letzte Schrei"

Tonbandgeräte waren "der letzte Schrei", so Zeitzeugen. 1954 schließlich bringt Grundig mit der Stenorette A sein erstes Diktiergerät auf den Markt - schnell hat es wegen seiner grünen Farbe im Volksmund den Namen "Laubfrosch". Wegen beider Geräte gibt es im Übrigen jahrelange Lizenzstreitigkeiten, die Grundig eine Menge Geld kosten.

1957 baut der Firmengründer dann in Bayreuth das größte Tonbandgerätewerk der Welt, doch die Kapazitäten reichen nicht lange. Der Bedarf ist da, und so baut Grundig bereits drei Jahre später in Nordirland eine weitere Fertigungsstätte für Tonbandgeräte und 1962 kommt schließlich ein modernes Werk in Nürnberg Langwasser dazu. Die Technik war inzwischen fortgeschritten: 1953, 1958 und 1959 folgten Reverse-Betrieb, Stereoton, batteriebetriebene Geräte für unterwegs und die Vierspurtechnik. Viele Prominente und Stars, so die gfu in ihrem Rückblick, erzählen gern und immer noch beeindruckt von ihren ersten Erlebnissen mit dem Tonband.

Der Walkman kommt

Im Jahr 1963 präsentierte Philips - wieder auf der Funkausstellung in Berlin - die Compact Cassette. Es dauert zwei Jahre, bis mit dem Cassettengerät C 100 das erste Kassetten-Tonbandgerät aus dem Hause Grundig kommt. 1967, zum Start des Farbfernsehens, kann mit dem Casettengerät C 200 auch bei Grundig die Compact-Cassette abgespielt werden Ebenfalls in diesem Jahr entwickelte Ray Dolby das nach ihm benannte Rauschunterdrückungssystem.

1968 kamen die ersten Kombigeräte mit Radio und Cassette und 1970 sorgte die Chromdioxid-Cassette für HiFi-Qualität. 1979 kreierte Sony schließlich mit dem "Walkman" eine neue Gerätegeneration. In den achtziger Jahren hielt dann die Digitaltechnik Einzug ins gute alte Tonband. Grundig hatte damals längst 16 Millionen Tonbandgeräte weltweit verkauft. 1987 brachten die Japaner die ersten DAT-Geräte auf den Markt, wobei DAT für Digital Audio Tape (DAT) steht. Die Tonträger-Industrie blockierte allerdings den Verkauf der DAT-Recorder aus Furcht vor der praktisch ohne Qualitätsverlust möglichen Massenherstellung von Kopien solange, bis man sich auf einen Kopierschutz einigen konnte, der nur eine digitale Aufzeichnung erlaubte und weitere Kopien verhinderte.

Heute spielt das Prinzip der magnetischen Signalaufzeichnung immer noch eine Schlüsselrolle in vielen Bereichen der Unterhaltungselektronik. Wie die Branchenvereinigung gfu erläutert, war sie auch die Basis für den Videorecorder, den Camcorder und nicht zuletzt für die Festplatte.

  





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