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Seit April 2011 darf sich Dr. Christian Rödl, Chef der erfolgreichen Unternehmensberatung Rödl & Partner, Professor nennen. „Ich empfinde dies als große Ehre“, sagt er und unterwirft sich gern der Verpflichtung zur regelmäßigen Lehrtätigkeit an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU): „Für mich ist das eher Freude als Pflicht, denn ich arbeite sehr gerne mit Studenten.“
Rödls Schwerpunkte in Wissenschaft und Lehre liegen nach seinen Angaben „im Bereich des internationalen Gesellschafts- und Steuerrechts sowie der Unternehmensnachfolge“. Das Unternehmen Rödl & Partner fühlt sich der hiesigen Hochschule ohnehin sehr verbunden, denn viele Partner der Sozietät haben an der FAU studiert und promoviert.
Bevor Rödl den Professoren-Titel auf seine Briefbögen und Visitenkarten drucken lassen durfte, war ein aufwendiger Ernennungsprozess erforderlich, bei dem seine fachliche, pädagogische und persönliche Eignung überprüft wurde. Erst als er diese Hürden erfolgreich gemeistert hatte, konnte ihn der bayerische Wissenschaftsminister zum Honorarprofessor ernennen. „Honorar bezieht sich in diesem Fall allein auf die Ehre — eine Bezahlung erhalten diese Professoren und Professorinnen nicht“, sagt Sandra Kurze von der FAU. Und so ist die Bestellung eines Honorarprofessors im Bayerischen Hochschulpersonalgesetz auch akribisch geregelt.
Da es sich bei der Honorarprofessur nicht um einen Ehrentitel, sondern um eine akademische Auszeichnung handelt, darf er ohne den Zusatz h.c. (honoris causa) oder e.h. (ehrenhalber) geführt werden. Neben Rödl kann sich auch der Chef der Steuerberatergenossenschaft Datev, Dieter Kempf, mit dem Professorentitel schmücken. In anderen Bundesländern, so zum Beispiel in Hessen und Baden-Württemberg, wird hingegen an Personen aus Politik, Wirtschaft und Kultur, die viel geleistet oder gespendet haben, auch der Titel eines Ehrenprofessors vergeben.
Bundesweit steigt nach Beobachtungen des Münchner Wissenschaftlers Manuel René Theisen die Zahl der akademischen Ehrentitel seit Jahren deutlich. 1995 gab es nach seinen Angaben an deutschen Hochschulen 624 Honorarprofessoren, 2009 waren es bereits 1085. Akademische Ehrentitel erleben einen Boom, insbesondere der Professorentitel, so Theisen, befriedige Eitelkeiten. Er schmückt zum Beispiel Linde-Vorstandschef Wolfgang Reitzle, Josef Ackermann von der Deutschen Bank oder VW-Chef Martin Winterkorn. Vor allem private Hochschulen stehen unter dem Verdacht, ihre Spender und Stifter großzügig mit Titeln zu versorgen.
Einfacher sind von Hochschulen Ehrendoktortitel zu verleihen. Nach Angaben der FAU ist die Verleihung der Ehrendoktorwürde in den Promotionsordnungen der jeweiligen Fakultäten geregelt. Der Ehrendoktortitel ist mit keinerlei akademischen Verpflichtungen verbunden, er muss allerdings auch stets mit dem Zusatz h.c. geführt werden. Im Nürnberger Wirtschaftsleben konnten oder können sich unter anderem der Datev-Gründer Heinz Sebiger, Eis-König Theo Schöller oder der Vorstandsvorsitzende der Diehl-Gruppe, Dr.-Ing. E.H. Thomas Diehl, mit dem begehrten Titel schmücken. Akademische Spötter gehen davon aus, dass es für einen CSU-Politiker wie Ex-Minister Guttenberg leichter und ungefährlicher gewesen wäre, auf die aufwendige Betrugspromotion zu verzichten und auf den Erhalt einer Ehrendoktorwürde zu setzen.
