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Natürlich wissen es die Fans des öffentlichen Nahverkehrs schon lange – gerade in größeren Städten wie Nürnberg mit gut ausgebauten Netzen von S-, U- oder Straßenbahn und Bussen kommen viele Menschen auch ohne eigenes Auto klar. „Unser Ziel ist es, dass die Menschen erkennen, dass sie insbesondere in der Stadt sehr häufig aus Auto verzichten können und stattdessen besser und vor allem günstiger mit dem ÖPNV unterwegs sind“, betont Elisabeth Seitzinger, Sprecherin der Nürnberger Verkehrsbetriebe.
Und junge Städter, die sich vom eigenen Auto verabschieden, sind offenbar längst keine Ausnahme mehr. Exakte Zahlen für alle Städte Deutschlands gibt es nicht, aber viele Indizien belegen den Trend. So haben zwar drei von vier der jungen Erwachsenen nach der Jugendstudie Timescout einen Führerschein, aber fast jeder zweite von ihnen fährt so gut wie kaum Auto.
Und vier von fünf der 20- bis 29-Jährigen waren der Meinung, dass man in der Stadt kein eigenes motorisiertes Fortbewegungsmittel braucht. Dazu passt, dass sich in den vergangenen zehn Jahren bei den Neuwagenkäufern der Anteil der unter 30-Jährigen mehr als halbierte.
Ein gewisses Verständnis für den wachsenden Auto-Unmut finden die Jüngeren sogar bei Vertretern der Automobilindustrie, wie zum Beispiel bei Daimler-Forschungsvorstand Thomas Weber. Der bringt es in einem Satz auf den Punkt: „Die Straßen sind übervoll, das Fahren in der Stadt macht immer weniger Spaß, die Emissionen sind zu hoch und die Parkplätze zu knapp.“
Auch die ständig steigenden Kosten machen gerade jungen Menschen, die ihr sauer verdientes Geld für andere Investitionen benötigen, wenig Freude. Anfang Januar hatte der ADAC festgestellt, dass die Kosten für die Anschaffung und den Unterhalt von Autos im vergangenen Jahr den Lebenshaltungskosten „regelrecht davon gelaufen“ sind.
Vor allem die stark steigenden Sprit-Kosten sorgten für ein deutliches Plus beim sogenannten Kraftfahrer-Preisindex. Und da war die aktuelle, durch die Preisexplosion beim Ölpreis beförderte Benzinverteuerung noch gar nicht berücksichtigt.
Alternativen zum Kauf und Besitz eines eigenen Autos gibt es schon längst, als intelligentes Autokonzept für die Mobilität der Zukunft wird gerade in Städten das Car-Sharing angesehen. Die Vorteile fasst ein Sprecher des Bundesverbands CarSharing so zusammen: „Car-Sharing ist kosteneffizient, da – im Gegensatz zum Privatwagen – nur dann Autokosten anfallen, wenn das Auto auch tatsächlich genutzt wird.“
Car-Sharing sei umweltentlastend, da die Teilnehmer das Autoangebot im Zusammenwirken mit den Verkehrsmitteln des Umweltverbundes (ÖPNV, Radfahren, Zufußgehen) nutzen. Und es sei flächenentlastend, so der Verbandssprecher, da pro genutztes Fahrzeug im Durchschnitt vier bis acht andere Autos überflüssig würden und Parkplatzflächen freimacht.
Selbst die deutschen Autohersteller haben offenbar erkannt, dass es in Deutschlands wohl immer weniger Platz für immer noch mehr neue Autos gibt. Ihr Verbandspräsident Matthias Wissmann erklärte: „Car-Sharing ist nicht die Antwort auf alle Fragen der Mobilität, kann aber ein interessantes Element in einer umfassenden Strategie für nachhaltige Mobilität sein, insbesondere in städtischen Gebieten.“
Selbst große Autokonzerne wie Daimler, BMW oder Renault sind inzwischen mit eigenen Modellen in diesen Markt eingestiegen. Eine besonders intelligente Lösung für die Kombination von Bahn, Bus und Auto bietet der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg seinen Abo-Kunden in Verbindung mit den Nürnberger Anbietern Greenwheels und Drive CarSharing an.
Bei Drive CarSharing beispielsweise, die in Nürnberg und Umgebung von der ABC Unix Rent Autovermietung betrieben wird, zahlen die Abo-Kunden der Nürnberger Verkehrsbetriebe einen Startpreis von 25 € und monatlich fünf € als Beitrag – allerdings nur, wenn sie auch ein Auto genutzt haben. Die Kosten setzen sich dabei aus einem Zeittarif und einer Spritpauschale zusammen, entsprechend dem gewählten Zeittarif werden Freikilometer festgelegt.
„Soweit wir es beurteilen können, findet Car-Sharing, wenn auch langsam, so aber doch stetig, immer mehr Zuspruch“, sagt die VAG-Sprecherin. Noch nicht ganz zufrieden ist dagegen Robert Lachmann, Geschäftsführer von ABC Unix Rent: „In den vergangenen Jahren haben wir die Erfahrung gemacht, dass in Nürnberg die Resonanz nicht so groß ist wie in München oder Frankfurt.“ Aber Lachmann stellt immerhin fest: Es ist Interesse da.“
Doch so richtig eingelassen auf die Möglichkeit, kein Auto zu kaufen und zu unterhalten, aber gleichzeitig ein Auto jederzeit nutzen zu können, haben sich die Nürnberger noch nicht. Lachmann sagt: „Natürlich ist es bequemer, ein Auto vor der Tür zu haben, aber die Kostenseite spricht für die Mehrfachverwendung eines Fahrzeugs.“ Die Zeit, so zeigt ein Blick auf die Preistafeln der Tankstellen, arbeitet für das Car-Sharing-Modell.
