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Die Firma Herpa aus Dietenhofen hat sich bei der Herstellung ihrer Autos, Lastwagen und Flugzeuge in Miniformat niemals komplett auf Werke in Fernost verlassen. Jetzt holen die Mittelfranken einige jener Projekte, die sie an ihre Partner in China vergeben hatten, zurück. Einheitliche Qualität — besonders bei der Produktion von Plastik-Modellen — sei an den Standorten in Ungarn und in Dietenhofen besser sicherzustellen, sagt Herpa-Geschäftsführer Klaus Schindler. Zudem breche der Vorteil Chinas als Billigproduzent weg.
Tatsächlich klettern — neben den Rohstoffkosten — die Löhne in den Wirtschaftsmetropolen des Landes in atemberaubender Geschwindigkeit. Nach den Zahlen der Barclays-Bank sind es rund 20 Prozent pro Jahr, mittlerweile verdient ein Industriearbeiter in Shenzhen oder Shanghai fünfzigmal so viel wie beim Aufbruch ins Industriezeitalter.
Zu viel selbst für europäische Verhältnisse. Die ersten Hersteller weichen aus, wie die Fürther Simba- Dickie-Gruppe: Nach Vietnam, Thailand gilt auch Afrika als interessant. Und selbst Europa wird wieder attraktiv, „zumindest, wenn es um großvolumige Massenprodukte mit hohem Automatisierungsgrad geht“, meint Firmenchef Michael Sieber. Simba investiert längst wieder in europäische Produktionsstätten. Auch Puppenhersteller Steiff hat Fertigung aus Asien nach Portugal verlagert.
Es sind ja nicht die Löhne alleine. Immer problematischer wird es, Mitarbeiter zu halten. Diese würden vermehrt von besser zahlenden Unternehmen der High-Tech-Branche abgeworben, so Herpa-Geschäftsführer Schindler. Die Hinwendung zur Hochtechnologie ist dabei durchaus im Sinne der chinesischen Führung. „Spielwarenfabriken werden dort nicht mehr gefördert, allenfalls noch in ländlichen Gegenden, wo es keine Infrastruktur gibt“, erklärt Simba-Dickie-Chef Sieber. Die Folge: Von den früher 1200 Spielzeugfirmen allein in der Metropole Shenzen ist nur noch ein Drittel übrig.
Herpa, Simba oder Steiff — Ulrich Brobeil vom Spielwarenindustrieverband spricht bereits von einem Trend. „Produktion wandert ab — nicht unbedingt nach Deutschland, aber nach Europa, speziell auch nach Osteuropa.“ Abzulesen ist die Entwicklung, so Brobeil, auch an sinkenden Importquoten für Spielzeug „Made in China“. Um fünf Prozent gehen die Einfuhren nach Verbandsangaben inzwischen Jahr für Jahr zurück.
Auch Spielehersteller Ravensburger hat seit langem Qualitätsprobleme in China, speziell bei den Puzzles. „Es gibt nichts Schlimmeres, als das 3D-Puzzle aufzubauen und das letzte Teil geht nicht hinein“, sagte Finanzvorstand Jörg-Viggo Müller. Die Produkte waren von Anfang an von Chinesen konzipiert und gefertigt worden.
Nachdem sich Ravensburger längere Zeit mit den Mängeln „made in China“ herumgeschlagen hatte, fiel die Entscheidung: „Insourcing“, das Hereinholen der Produktion ins Schwabenländle. „Wir gleichen den Nachteil der höheren deutschen Löhne durch bessere Technik aus“, sagt Vorstandsmitglied Clemens Maier. Die Überarbeitung der Konstruktion habe sich gelohnt: Auch das letzte Puzzleteilchen passt inzwischen tadellos hinein. Die Regie bei diesem gesamten Prozess führt allerdings eine tschechische Tochter von Ravensburger. Und wenn die Fertigung wie geschmiert läuft, werde die Produktion vom Werk bei Ravensburg in eine Fabrik nach Tschechien abwandern.
