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Mitschuld daran trägt die Schuldenkrise in Euroland. Sie hat Puma stark in Mitleidenschaft gezogen. Denn die Marke im Zeichen der Raubkatze feiert seine größten Absatzerfolge eben weniger auf den fernen Wachstumsmärkten wie China, Indien und Russland als im nahen Europa, wo Spanier, Italiener und Franzosen jeden Euro dreimal umdrehen. Dem großen Bruder adidas geht es besser, weil seine Markenfamilie von den Schwellenländern enorm profitiert.
Der drahtige Franz Koch hatte vor eineinhalb Jahren den Chefposten bei der Puma SE von seinem Ziehvater Jochen Zeitz übernommen. Damals trat der gerade einmal 32-Jährige in große Fußstapfen. Denn Zeitz hatte Anfang der 90er Jahre die verschnarchte Raubkatze wachgerüttelt, die Marke vom Mief der Turnhallen befreit und von den Wühltischen der Läden verbannt.
Auch Zeitz war damals mit nur 30 Jahren Jungmanager gewesen, gar der jüngste Konzernlenker Deutschlands. Trotzdem gelang es ihm, Puma wieder zu einer „In“-Marke zu machen, ihr ein frisches, ungewöhnliches Gesicht zu verpassen. Doch dazu gab es tiefe Personalschnitte und der Umbau brauchte viele Jahre.
So viel Zeit hat der Mehrheitseigner PPR Koch nicht gelassen. Bei seinem Amtsantritt hatte der bisherige Strategieverantwortliche eingeräumt, dass Puma „nicht gerade die heißeste Marke“ sei. Doch er wollte sie wieder begehrt machen und krempelte nebenbei das ganze Unternehmen um.
Mitten im Trimm-dich-Programm „Back to the attack“ (zurück auf Angriff) hat Paris ihn gestürzt. Der gleichnamige Fünf-Jahres-Plan läuft noch bis 2015 — doch ein anderer wird ihn fortführen.
Wer, wird sich erst im kommenden Jahr entscheiden. Zeitz jedenfalls nicht. Dieser war zum Dezember vom Vorsitz des Verwaltungsrats der Puma SE zurückgetreten und hatte auch weitere Aufgaben im PPR-Konzern abgegeben. Nun sitzt er nur noch im PPR-Aufsichtsrat, zuständig für Nachhaltigkeit. Nach Zeitz muss nun auch sein Schützling Koch abdanken, der in „beiderseitigem Einvernehmen“, wie es offiziell heißt, Ende März 2013 sein Amt niederlegt.
Zur Begründung für den — auch für Analysten überraschenden — Schritt führte der Verwaltungsrat eben das endgültige Ausscheiden von Zeitz an. Mit dessen Abschied sei ein Kapitel in der Firmengeschichte zu Ende gegangen, erklärte Puma-Sprecherin Kerstin Neuber. „Das Unternehmen tritt jetzt in eine neue Phase seiner Unternehmensentwicklung ein und verändert angesichts dieser Herausforderungen auch seine Topmanagement-Struktur.“ Zum Jahresende werden auch der für das operative Geschäft zuständige Finanzchef Klaus Bauer und Marketingchef Antonio Bertone den Konzern verlassen.
Nach Informationen des Manager Magazins holt Puma den Chefeinkäufer des Konkurrenten adidas als Verantwortlichen für das operative Geschäft in seinen Vorstand. Andy Koehler solle als Bauers Nachfolger neuer Chief Operating Officer bei Puma werden, berichtet das Magazin. Während Puma sich zu der Personalie nicht äußern wollte, bestätigte adidas zumindest den Weggang Koehlers.
Puma kämpft schon das ganze Jahr mit sich verschlechternden Zahlen. Allein im dritten Quartal brach der Überschuss um mehr als 85 Prozent auf 12,2 Mio. € gegenüber dem Vorjahr ein. Gründe waren nach Angaben der Herzogenauracher neben der schwachen Nachfrage in Europa vor allem hohe Sonderkosten in Höhe von 100 Mio. € für Sparmaßnahmen und den verschärften Konzernumbau.
Um die Profitabilität wieder zu erhöhen, sollen die Organisationsstrukturen gestrafft und die Prozesse effizienter werden. Die Kollektion wird um beinahe ein Drittel eingedampft. Die Zahl der Puma-eigenen Läden soll trotz Neueröffnungen in Schwellenländern von 590 auf etwa 540 sinken.
Der neue Vorsitzende des Verwaltungsrates, Jean-François Palus von PPR, sagte, dass der Umbau des Unternehmens mit weltweit gut 10900 Mitarbeitern (rund 860 von ihnen sitzen in Herzogenaurach) weiter forciert werde. Zudem sollen Produkt- und Marketinginnovationen gezielt gefördert werden.
