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«Klima der Angst« bei Schlecker

Betriebsräte und Gewerkschaft beklagen massiven Druck auf Beschäftigte - 20.01.2009

NÜRNBERG  - ver.di erhebt schwere Vorwürfe gegen Schlecker: Die Drogeriemarktkette setzt der Gewerkschaft zufolge die Beschäftigten mittels Abmahnungsflut und «psychologischer Keule« massiv unter Druck, um so Arbeitsplätze abzubauen und Personalkosten einzusparen.

Blick auf eine Schlecker-Filiale. ver.di wirft dem Unternehmen vor, Mitarbeiter mit Repressalien unter Druck zu setzen mit dem Ziel, Stellen einzusparen.
Blick auf eine Schlecker-Filiale. ver.di wirft dem Unternehmen vor, Mitarbeiter mit Repressalien unter Druck zu setzen mit dem Ziel, Stellen einzusparen.
Foto: Wilhelm Bauer

Ursache ist nach den Worten von Manfred Wages, Gewerkschaftssekretär bei ver.di Mittelfranken, die Konkurrenzsituation in der Branche: Rossmann und dm haben ihre Marktanteile ausgebaut, «der Discounter Lidl expandiert enorm im Drogeriebereich«. Das Unternehmen Schlecker, das zum 1. Januar 2008 den Konkurrenten «Ihr Platz« übernommen hat, sei «in ein tiefes Loch gefallen«.

Derzeit richte sich der Konzern neu aus, expandiere im Ausland «zulasten der Filialen in Deutschland«, sagte Wages bei einem Treffen mit Betriebsräten aus den Schlecker-Bezirken Fürth/Herzogenaurach, Nürnberg und Auerbach. In den Filialen herrsche ein Klima der Angst. In der Region hat Schlecker nach Angaben der Arbeitnehmervertreter aktuell gut 470 Beschäftigte, inklusive Aushilfen; vor einem Jahr seien es noch rund 550 gewesen. 20 betriebsbedingte Kündigungen habe das Unternehmen in diesem Zeitraum ausgesprochen, 17 davon landeten vor dem Arbeitsgericht und wurden dort kassiert, berichten sie.

Schlecker verfolge neues Ladenkonzept

Die Zahl der Filialen in der Region sei binnen eines Jahres um zehn auf jetzt gut 120 gesunken. Die Arbeitnehmervertreter sind überzeugt, dass weitere Schließungen folgen werden: Schlecker verfolge ein neues Ladenkonzept mit deutlich größerer Verkaufsfläche zulasten der jetzigen Filialen. «Wir glauben, dass Nürnberg ein Versuchsfeld für diese XL-Märkte wird«, so ver.di-Sekretär Wages.

Was ihn und die Betriebräte besonders erzürnt: Die neue XL-Schiene ist nicht tarifgebunden, im Gegensatz zu den bisherigen Schlecker-Filialen. Doch auch dort werde versucht, die Tarifbindung zu unterlaufen. «Schlecker hat angekündigt, künftig nur noch Leute unter Tarif zu beschäftigen - zu 6,50 € die Stunde«, wettert Wages.

Laut Einzelhandel-Tarif liegt der Stundenlohn für ungelernte Kräfte im ersten Berufsjahr bei 7,87 €, für gelernte Kräfte bei 9,17 €, erläuterte Jan-Jörg Brunner, Geschäftsführer Mittelfranken des Landesverbandes des Bayerischen Einzelhandels. Seiner Beobachtung zufolge könne man zwar nicht von einem Trend zur Tarifflucht in der Branche sprechen. Wohl aber seien seit einigen Jahren deutliche Abstriche bei Zusatzleistungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld zu beobachten.

Kein Kommentar

Für Wages steht fest: «Schlecker will die Leute mürbe machen«, die massenhaften Abmahnungen als Vorboten für Kündigungen seien ein Mittel dazu, ebenso die Kürzung von Arbeitsstunden bei den Mitarbeiterinnen. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Schlecker-Management ist den Betriebsräten zufolge nicht möglich: «Die blocken alles ab.«

Schlecker mit Sitz im schwäbischen Ehingen wollte zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen. Auskünfte am Telefon lehnte Pressesprecher Florian Baum ab, die Fragen sollten schriftlich formuliert werden. Eine entsprechende Mail mit Bitte um schnelle Antwort ließ das Unternehmen inhaltlich unbeantwortet. 

Verena Litz



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