16°C
Donnerstag, 24.05. - 02:01 Uhr
Login
Info
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos!
Passwort vergessen
Info
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!

E-Mail-Adresse
Druckversion

Mit Volldampf aus der Krise: Fleischmann wird 125 Jahre

Modellbahnbranche sieht sich nach tiefen Einbrüchen wieder auf Kurs - 03.02. 12:00 Uhr

Nürnberg  - Neuer Dampf im alten Kessel: Die Modellbahnbranche hat die schwere Krise der vergangenen Jahre überwunden, langsam kehrt der Optimismus zurück. Bei einer fränkischen Marke knallen sogar die Sektkorken.

Besuchermagnet auf der Spielwarenmesse ist jedes Jahr der Stand von Märklin. Vor zwei Jahren noch pleite, ist die bekannteste Modellbahnmarke ein Beispiel dafür, dass sich die Branche wieder berappelt hat.
Besuchermagnet auf der Spielwarenmesse ist jedes Jahr der Stand von Märklin. Vor zwei Jahren noch pleite, ist die bekannteste Modellbahnmarke ein Beispiel dafür, dass sich die Branche wieder berappelt hat.
Foto: Stefan Hippel
Besuchermagnet auf der Spielwarenmesse ist jedes Jahr der Stand von Märklin. Vor zwei Jahren noch pleite, ist die bekannteste Modellbahnmarke ein Beispiel dafür, dass sich die Branche wieder berappelt hat.
Besuchermagnet auf der Spielwarenmesse ist jedes Jahr der Stand von Märklin. Vor zwei Jahren noch pleite, ist die bekannteste Modellbahnmarke ein Beispiel dafür, dass sich die Branche wieder berappelt hat.
Foto: Stefan Hippel

Fleischmann feiert 125 Jahre. Das wäre auch sonst eine Nachricht wert gewesen, in diesem speziellen Fall aber ist es eine kleine Sensation. Es ist keine vier Jahre her, da rang die fränkische Modellbahnfirma um ihre Existenz, in größter Not verkaufte Seniorchef Horst Fleischmann sein Unternehmen schließlich an die österreichische Modelleisenbahn Holding.


Fleischmann feiert 125 Jahre: Zum Jubiläum beschenkt sich die Marke mit einer Sonderedition der BR 145 — als Original und Modell.
Fleischmann feiert 125 Jahre: Zum Jubiläum beschenkt sich die Marke mit einer Sonderedition der BR 145 — als Original und Modell.
Fleischmann feiert 125 Jahre: Zum Jubiläum beschenkt sich die Marke mit einer Sonderedition der BR 145 — als Original und Modell.
Fleischmann feiert 125 Jahre: Zum Jubiläum beschenkt sich die Marke mit einer Sonderedition der BR 145 — als Original und Modell.

Die neuen Herren zogen eine harte Sanierung durch: Das Stammwerk Nürnberg wurde geschlossen, der Standort Heilsbronn in Westmittelfranken verkleinert, die Produktion teils nach Rumänien verlagert. Die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland schrumpfte von 340 auf 130. Immerhin, die Marke überlebte.

Es brannte damals bei Fleischmann nicht allein. Erzrivale Roco musste zuvor tatsächlich durch die Insolvenz, heute ist die Marke ebenfalls Teil der Modelleisenbahn Holding. Die Nürnberger Traditionsfirmen Trix und LGB gingen 1997 beziehungsweise 2007 an Märklin, ehe es zum Gau kam: Märklin selbst, Marktführer und Zugpferd des gesamten Hobbys, verkündete einen Tag vor der Spielwarenmesse 2009 die Pleite. Die Branche schien endgültig aufs Abstellgleis zu rollen.



Vorbei, fast vergessen. In Halle 4A wird wieder gefeiert. „Wir haben das zweite Jahr in Folge mit Gewinn abgeschlossen“, frohlockt Leopold Heher, Geschäftsführer der Modelleisenbahn Holding, die ihm mit zwei Kollegen seit vergangenem Sommer gehört. Beigetragen dazu hätten beide Marken, Fleischmann und Roco. Die genaue Höhe des Gewinns verriet Heher nicht, sie habe aber auf Vorjahresniveau gelegen — das wären 1,9 Mio. €.

Der Umsatz, zu dem Fleischmann ein Drittel beitrug, sei zwar von 50,7 Mio. € auf 47 Mio. € gefallen. Aber doch nur, weil man 2011 die Zahl der Sonderaktionen reduziert habe, kann der Österreicher damit Leben. Nichts soll die Freude über das 125-jährige Jubiläum der fränkischen Tochter schmälern, das „mit einem Feuerwerk an Produkten“ gefeiert werde — unter anderem drei Lokomotiven zum Preis von, klar, je 125 €.

Anstoßen könnte auch Märklin-Geschäftsführer Stefan Löbich. Einen Investor fand Insolvenzverwalter Michael Pluta zwar nicht, doch scheint der Noch-Immer-Marktführer auch im Insolvenzverfahren zurück ins Gleis gefunden zu haben. „2011 ist sehr gut gelaufen, wir sind sehr zufrieden“, erklärt Löbich. Mit Zahlen knausert er, der Umsatz habe aber über Vorjahresniveau gelegen, sprich über 106 Mio. €. Gewinn? „Ja klar.“

Modelle für Kinderhand

Gut gefahren ist Märklin mit der vergangenes Jahr in Nürnberg präsentierten Einsteigerlinie „my world“: Einfachste Modelle für Kinderhand, teils mit Batterie und Magnetkupplung wie bei einer Holzeisenbahn, mit der endlich wieder Nachwuchs an das Hobby herangeführt werden soll. „Damit haben wir aus dem Stand fünf Mio. € Umsatz gemacht“, sagt Löbich. Jetzt wird das Sortiment ausgebaut, der Weg zurück in die Spielzeugläden forciert und auch LGB eine Einfach-Reihe verordnet.

Bei Trix, der zweiten Marke mit Nürnberger Wurzeln unter dem Märklin-Dach, wolle man wieder verstärkt den Eigencharakter herausarbeiten, verspricht Löbich. Sogar eigene Trix-Modelle in der in Deutschland beliebtesten Größe H0, die es so nicht im Märklin-Sortiment gebe, seien nicht ausgeschlossen. „Das aber wird nicht die Regel sein“, würgt der Geschäftsführer zu weitgehende Hoffnungen gleich wieder ab.

Als Glücksfall für die Modellbahn-Hersteller erweist sich zunehmend die Digitalisierung. Dank kleiner Computerchips lassen sich den Modellen hübsche Kunststückchen beibringen, E-Loks etwa den Stromabnehmer selber zu heben. Den Sammlern gefällt’s, so dass sich digitalisierte Produkte leicht für 100 € und mehr teurer als die analoge Ausgabe verkaufen lassen. Das ziert die Gewinnspanne. Ungemach droht heuer allerdings aus China. Praktisch alle Hersteller lassen mehr oder weniger stark in Fernost fertigen. Die Fabriken dort riefen schon 2011 mehrfach Preisrunden aus, dieses Jahr dürfte das nicht besser werden, schätzt Martin Knaden, Experte der Fachzeitschrift Miba.

René Wilfer aber ist dennoch davon überzeugt, dass 2012 ein gutes Jahr für seine Branche wird. Könnte stimmen, denn der Chef des thüringischen Herstellers Piko ist in der Krise der vergangenen Zeit zu einem kleinen Star der Szene aufgestiegen: Er hat es geschafft zu wachsen, gegen alle Umstände, setzte beispielsweise viel früher als jetzt Märklin auf eine günstige Einsteigerlinie. „Der Optimismus tut uns allen gut“, sagt Wilfer. „Dann wird es auch so kommen.“
  



GREGOR LE CLAIRE

Ihr Kommentar

Name:
 
Info
Bestätigungswort

Um Ihren Kommentar abzusenden, geben Sie bitte das Bestätigungswort ein. Nicht lesbar? Erzeugen sie durch Klick darauf einen neuen Text.



Zum Thema
Spielwarenmesse Nürnberg
Seit:
1950
Turnus:
jährlich

Termin:
1.2. bis 6.2.2012
Zeiten:
Nur für registrierte Fachbesucher
Kurzbeschreibung:
Die Nürnberger Spielwarenmesse ist die weltweit größte Fachmesse der Spielwaren-Branche.
Veranstalter:
Spielwarenmesse eG, Nürnberg
Besucher:
79.000 im Jahr 2011
Teilnehmer:
2.683 Aussteller aus 63 Ländern im Jahr 2011