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Schon allein beim Zuschauen überträgt sich der Nervenkitzel: Benny Herrmannsdörfer springt auf dem gespannten Gurt in die Höhe, dreht sich in der Luft und landet wieder weich auf der „Slackline“. Der Freizeitsport lässt sich immer häufiger in Parks beobachten, wo das Band zwischen Bäumen gespannt ist. Oder auf der Spielwarenmesse. Mit dem Unterschied, dass in der Halle massive Halterungen das Band spannen. „Es stehen eben nicht überall Bäume herum“, sagt Günther Braun. Genau darin sah der geschäftsführende Gesellschafter der Braun GmbH die Marktlücke, in die sein Betrieb in Neumarkt stoßen konnte. Dabei hatte das Unternehmen mit heute 70 Mitarbeitern bis dato überhaupt nichts zu tun mit der Freizeitbranche, im Gegenteil: Braun ist spezialisiert auf das Heben und Festzurren schwerer Güter.
Dem Seilermeister kam 2005 die Idee beim Betrachten der Firmen-Homepage. Junge Leute suchten dort nach Spannratschen und elastischen Gurten. „Sie bastelten sich das Zubehör zum Slacklining selbst zusammen“, erzählt Braun. Er entschied sich zu dem Versuch des Branchenwechsels, zunächst mit Anfängerfehlern: Weil er den Sicherheitsaspekt ganz groß schrieb, wurde die Ausrüstung zu schwer, um sie auch in die Berge zu tragen.
Denn, inspiriert von Amerika, macht die Abenteuergemeinde der Seilakrobaten gern ihre Kunststücke im Gebirge, wo sie über Schluchten balancieren und wagemutige Sprünge tun. Doch mit den Nachbesserungen stellte sich der Erfolg schnell ein. Inzwischen erzielen die Neumarkter ein Viertel des Umsatzes mit ihrer Marke „Slackstar“. Braun wundert sich im Nachhinein: „Meine Mitbewerber sind offenbar nicht auf die Idee gekommen, diese Nische zu besetzen.“ Neu im Sortiment sind etwa Ständer mit Bodenanker und „Prallschutz“, um Verletzungen zu vermeiden.
Das scheint angesichts der kühnen Sprünge und Saltos mit 360-Grad-Drehungen auch bitter nötig. Der 20-jährige Benny aus dem Allgäu kann ein Lied davon singen. Ein Bänderriss am rechten Fuß hatte ihn im vergangenen Herbst für neun lange Wochen ins Krankenhaus gebracht. Er war nach einem Salto mit Schraube auf der gurtspannenden Ratsche unsanft gelandet. Mittlerweile ist er wieder springlebendig. „Ich liebe den Adrenalinstoß“, sagt der Lehrling. Doch die Dauershow vom ersten Messetag spürt er noch: Muskelkater.
Der „Slackstar“ ist auch ein paar Meter weiter in Halle 8 zu finden. Auf dem Stand von „Ballaballa“ findet sich alles, was Jongleure und andere Zirkusamateure oder Outdoor-Fans begehren. Es sind meist Familien oder Studenten, die Slackstar kaufen, berichtet Geschäftsführer Dieter Menke. Oder auch Einräder, nach Belieben als Mountainbike-Variante.
„Einradfahren kann jeder ab acht Jahren lernen“, sagt der Kölner. Ein Wochenende mit Anleitung üben und schon sei der Anfänger in der Lage, die ersten Meter tadellos zu fahren. Weil das den Gleichgewichtssinn schult, zählen ferner Sportvereine und Schulen zu den Abnehmern. Menke selbst hatte sich einst als Sportstudent nebenbei das Jonglieren beigebracht und später bei einem Kinderzirkus gearbeitet. Statt für das Lehrerdasein entschied er sich für den Großhandel. Mit glücklichem Händchen, denn die Geschäfte gehen stetig aufwärts.
Einer Talentförderung der ganz anderen Art widmen sich die Hersteller von Experimentierkästen. Für den Kosmos-Verlag beugt sich Felix Homann konzentriert über eine Kristalllösung, die auf einer Herdplatte köchelt. „Jetzt muss ich aufpassen“, sagt der Mann im weißen Kittel. Er muss die richtige Temperatur abpassen, in der die Flüssigkeit so auskristallisiert, dass sie beim Gießen wunderschöne Eisberge oder weiße Tropfstein-Kunstwerke bildet. Seine Wissenschaftsshow zeigt er außer auf Messen auch gern auf Bühnen und Kreuzfahrtschiffen, erzählt Homann.
Weniger Chemie als Physik erleben Kinder mit den Baukästen von Fischer-Technik. „Bei uns beginnt alles ab neun Jahren“, sagt Geschäftsführer Marcus Keller. Der große Renner sei „Profi Dynamic“, ein Steckspiel aus flexiblen Schienen, das vieles aus dem Reich der Bewegung lehrt. Allerdings nicht körperlich.
Di. 07.02.12
Mo. 06.02.12
Mo. 06.02.12
Mo. 06.02.12
So. 05.02.12