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Nervenkitzel beim „Slacklining“

Tollkühne Sprünge auf einem Gurt: Pfiffige Neumarkter Firma stößt in Nische - 03.02.12

Bewegung ist Trumpf, ob bei einem Neumarkter Hersteller, der urplötzlich in die Outdoor-Branche vorstieß. Oder bei Anbietern von Experimentierkästen, die Kinder die Bewegung der Materie spielerisch erfahren lassen. Ein Rundgang.


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Einst war Nürnberg bekannt für zahlreiche Spielzeughersteller - mittlerweile ist die Zahl allerdings geschrumpft. Doch trotzdem gibt es noch viele Firmen, die mit Puppe, Teddy & Co. im Kinderzimmer vertreten sind.

Schon allein beim Zuschauen überträgt sich der Nervenkitzel: Benny Herrmannsdörfer springt auf dem gespannten Gurt in die Höhe, dreht sich in der Luft und landet wieder weich auf der „Slackline“. Der Freizeitsport lässt sich immer häufiger in Parks beobachten, wo das Band zwischen Bäumen gespannt ist. Oder auf der Spielwarenmesse. Mit dem Unterschied, dass in der Halle massive Halterungen das Band spannen. „Es stehen eben nicht überall Bäume herum“, sagt Günther Braun. Genau darin sah der geschäftsführende Gesellschafter der Braun GmbH die Marktlücke, in die sein Betrieb in Neumarkt stoßen konnte. Dabei hatte das Unternehmen mit heute 70 Mitarbeitern bis dato überhaupt nichts zu tun mit der Freizeitbranche, im Gegenteil: Braun ist spezialisiert auf das Heben und Festzurren schwerer Güter.


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Stichflammen und wilde Tänze auf dem Skateboard. Die Hersteller legten sich ordentlich ins Zeug, um ihre Spiele-Neuheiten zu präsentieren. Auf dem Branchentreff, der an diesem Mittwoch seine Tore für Aussteller und Besucher aus der ganzen Welt öffnet, sind Jahr für Jahr mehr als eine Million Produkte zu sehen.

Dem Seilermeister kam 2005 die Idee beim Betrachten der Firmen-Homepage. Junge Leute suchten dort nach Spannratschen und elastischen Gurten. „Sie bastelten sich das Zubehör zum Slacklining selbst zusammen“, erzählt Braun. Er entschied sich zu dem Versuch des Branchenwechsels, zunächst mit Anfängerfehlern: Weil er den Sicherheitsaspekt ganz groß schrieb, wurde die Ausrüstung zu schwer, um sie auch in die Berge zu tragen.

Denn, inspiriert von Amerika, macht die Abenteuergemeinde der Seilakrobaten gern ihre Kunststücke im Gebirge, wo sie über Schluchten balancieren und wagemutige Sprünge tun. Doch mit den Nachbesserungen stellte sich der Erfolg schnell ein. Inzwischen erzielen die Neumarkter ein Viertel des Umsatzes mit ihrer Marke „Slackstar“. Braun wundert sich im Nachhinein: „Meine Mitbewerber sind offenbar nicht auf die Idee gekommen, diese Nische zu besetzen.“ Neu im Sortiment sind etwa Ständer mit Bodenanker und „Prallschutz“, um Verletzungen zu vermeiden.

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2687 Aussteller aus 63 Ländern , 79.243 Besucher aus 114 Ländern - die Spielwarenmesse ist die größte ihrer Art weltweit. Am Mittwoch, 1. Februar, öffnet sie auf dem Nürnberger Messegelände ihre Pforten. Vorab wurden schon einmal die Neuheiten präsentiert.

„Prallschutz“ vor Verletzungen

Das scheint angesichts der kühnen Sprünge und Saltos mit 360-Grad-Drehungen auch bitter nötig. Der 20-jährige Benny aus dem Allgäu kann ein Lied davon singen. Ein Bänderriss am rechten Fuß hatte ihn im vergangenen Herbst für neun lange Wochen ins Krankenhaus gebracht. Er war nach einem Salto mit Schraube auf der gurtspannenden Ratsche unsanft gelandet. Mittlerweile ist er wieder springlebendig. „Ich liebe den Adrenalinstoß“, sagt der Lehrling. Doch die Dauershow vom ersten Messetag spürt er noch: Muskelkater.


Benny wagt am Stand des Neumarkter Herstellers von „Slackstar“ kühne Sprünge. Firmenchef Günther Braun (li.) schaut zu.
Benny wagt am Stand des Neumarkter Herstellers von „Slackstar“ kühne Sprünge. Firmenchef Günther Braun (li.) schaut zu.
Foto: Harald Sippel
Benny wagt am Stand des Neumarkter Herstellers von „Slackstar“ kühne Sprünge. Firmenchef Günther Braun (li.) schaut zu.
Benny wagt am Stand des Neumarkter Herstellers von „Slackstar“ kühne Sprünge. Firmenchef Günther Braun (li.) schaut zu.
Foto: Harald Sippel

Der „Slackstar“ ist auch ein paar Meter weiter in Halle 8 zu finden. Auf dem Stand von „Ballaballa“ findet sich alles, was Jongleure und andere Zirkusamateure oder Outdoor-Fans begehren. Es sind meist Familien oder Studenten, die Slackstar kaufen, berichtet Geschäftsführer Dieter Menke. Oder auch Einräder, nach Belieben als Mountainbike-Variante.

Hoch auf dem Einrad

„Einradfahren kann jeder ab acht Jahren lernen“, sagt der Kölner. Ein Wochenende mit Anleitung üben und schon sei der Anfänger in der Lage, die ersten Meter tadellos zu fahren. Weil das den Gleichgewichtssinn schult, zählen ferner Sportvereine und Schulen zu den Abnehmern. Menke selbst hatte sich einst als Sportstudent nebenbei das Jonglieren beigebracht und später bei einem Kinderzirkus gearbeitet. Statt für das Lehrerdasein entschied er sich für den Großhandel. Mit glücklichem Händchen, denn die Geschäfte gehen stetig aufwärts.


Die Messe als lebendiges Versuchslabor: Felix Homann (re.), Autor des Kosmos-Verlages und Showtalent, bringt Kindern die Chemie spielerisch näher.
Die Messe als lebendiges Versuchslabor: Felix Homann (re.), Autor des Kosmos-Verlages und Showtalent, bringt Kindern die Chemie spielerisch näher.
Foto: Harald Sippel
Die Messe als lebendiges Versuchslabor: Felix Homann (re.), Autor des Kosmos-Verlages und Showtalent, bringt Kindern die Chemie spielerisch näher.
Die Messe als lebendiges Versuchslabor: Felix Homann (re.), Autor des Kosmos-Verlages und Showtalent, bringt Kindern die Chemie spielerisch näher.
Foto: Harald Sippel

Einer Talentförderung der ganz anderen Art widmen sich die Hersteller von Experimentierkästen. Für den Kosmos-Verlag beugt sich Felix Homann konzentriert über eine Kristalllösung, die auf einer Herdplatte köchelt. „Jetzt muss ich aufpassen“, sagt der Mann im weißen Kittel. Er muss die richtige Temperatur abpassen, in der die Flüssigkeit so auskristallisiert, dass sie beim Gießen wunderschöne Eisberge oder weiße Tropfstein-Kunstwerke bildet. Seine Wissenschaftsshow zeigt er außer auf Messen auch gern auf Bühnen und Kreuzfahrtschiffen, erzählt Homann.

Weniger Chemie als Physik erleben Kinder mit den Baukästen von Fischer-Technik. „Bei uns beginnt alles ab neun Jahren“, sagt Geschäftsführer Marcus Keller. Der große Renner sei „Profi Dynamic“, ein Steckspiel aus flexiblen Schienen, das vieles aus dem Reich der Bewegung lehrt. Allerdings nicht körperlich.
  



VON ANGELA GIESE

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Zum Thema
Spielwarenmesse Nürnberg
Seit:
1950
Turnus:
jährlich

Termin:
1.2. bis 6.2.2012
Zeiten:
Nur für registrierte Fachbesucher
Kurzbeschreibung:
Die Nürnberger Spielwarenmesse ist die weltweit größte Fachmesse der Spielwaren-Branche.
Veranstalter:
Spielwarenmesse eG, Nürnberg
Besucher:
79.000 im Jahr 2011
Teilnehmer:
2.683 Aussteller aus 63 Ländern im Jahr 2011