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Nürnberger Softwarehaus mit Namenspatron in Chile

Firma Ancud entwirft und entwickelt Unternehmensportale - 17.11.2009

Friedrich von Grundherr (links) und Ancud-Gründer Konstantin Böhm mit Bauplänen vor dem rundum ansprechend restaurierten einstigen Herrensitz der Nürnberger Patrizierfamilie.

Friedrich von Grundherr (links) und Ancud-Gründer Konstantin Böhm mit Bauplänen vor dem rundum ansprechend restaurierten einstigen Herrensitz der Nürnberger Patrizierfamilie. © Karl-Heinz Daut


Es war schon immer der repräsentative Mittelpunkt von Glockenhof, seit ein paar Monaten erstrahlt das einstige Schlösschen in neuem Glanz. Und beim «Tag des offenen Denkmals« konnten sich kürzlich auch interessierte Bürger einen Eindruck von der sorgfältigen Neugestaltung im Inneren verschaffen: Seit 1930 hatte hier – später auch in einem neuen Gebäude nebenan – das renommierte IngenieurBauunternehmen Wayss & Freytag sein Nürnberger Domizil.

Konsequent moderne Gestaltung

Im Zweiten Weltkrieg hatte der 1760 entstandene Barockbau schwere Schäden erlitten. Unwiederbringlich verloren ging unter anderem eine prächtige Stuckdecke. Der Mieterwechsel bot der Grundherr‘schen Familienstiftung die Gelegenheit zu einer gründlichen Sanierung – und Neugestaltung, in die sie rund 1,8 Millionen Euro steckte: Erhalten blieben beispielsweise stilvolle Elemente im Treppenhaus, dafür präsentieren sich die Büro- und Tagungsräume in zeitgemäß kühler Eleganz.

«Es hat keinen Sinn, historische Formen und Elemente nachzuahmen«, sagt Friedrich von Grundherr als Vermieter aus Überzeugung, «das wurde früher lang und oft genug gemacht«. Deshalb entschied er sich mit dem Erlanger KJS Architekturbüro für eine konsequent moderne Gestaltung; Bilder von jungen Künstler setzen auch farblich markante Akzente.

Betriebsinternen Abläufe vereinfachen

«Aber wer oder was ist Ancud?« fragt sich vielleicht mancher Passant, der auf das neue Firmenschild aufmerksam wird oder einen Schritt in den Vorgarten wagt. Hauptaktivität ist die Gestaltung und Einrichtung von so genannten Unternehmensportalen, also von Computernetzwerken für Firmen. Die Infrastruktur soll sowohl die betriebsinternen Abläufe vereinfachen und verbessern wie auch den Austausch mit Geschäftspartnern und Kunden. Als Ausgangsbasis nutzt Ancud – im Gegensatz zu namhaften Softwaregiganten – frei verfügbare Standards («open source«) und entwickelt daraus maßgeschneiderte Lösungen.

«Der Reiz und die Herausforderung liegen darin, dass jeder Mitarbeiter Zugang zu sovielen Teilbereichen erhält wie nötig, zugleich aber soll er möglichst viel Handlungsspielraum erhalten, denn das fördert Beteiligung und Engagement«, beschreibt Konstantin Böhm das Konzept. «Denn die Unternehmen können dem wachsenden Wettbewerbsdruck nur mit mehr Flexibilität, Effizienz und Motivation die Stirn bieten.«

Bis heute gelang ein kontinuierliches Wachstum

Vor sieben Jahren gegründet, als sich gerade Ernüchterung nach dem Platzen der ersten New Economy-Träume breit machte, gelang bis heute ein kontinuierliches Wachstum. Zu den glücklichen Umständen, die dazu beitrugen, gehörten unter anderem größere Aufträge von und für Siemens und die Betreuung des Online-Auftritts eines Versandhandels für Büroartikel. Zuvor hatte Böhm reichtlich Erfahrungen als Angestellter bei einer Nürnberger Internetagentur gesammelt, die damals unter anderem den Auftritt von Quelle im Internet organisierte. Auch wenn er selbst nicht direkt betroffen ist, zeigt sich denn auch Böhm geschockt vom Schicksal des Versandhauses.

Derzeit beschäftigt das Softwarehaus insgesamt 50 Mitarbeiter, davon gut die Hälfte Software-Entwickler. Vier neue Kollegen wurden gerade eingestellt; 15 Beschäftigte sind außerhalb des Stammsitzes eingesetzt. Die meisten Kunden kommen aus den Branchen Handel und Versicherung, der Autoindustrie und allgemein der Unternehmensverwaltung. Und der Firmenname? Ist eine Reminiszenz an Böhms Studienzeit: Als Geograph war er bei Forschungsarbeiten in Chile auch nach Ancud geraten, einen Ort an der Westküste, um dort Klimadaten zu erheben. Er inspirierte ihn über das Projekt hinaus. 

Wolfgang Heilig-Achneck

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