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Rauchfrei am Arbeitsplatz: "Wir müssen nach draußen"

Wie Nürnberger Unternehmen mit dem Anspruch auf einen Arbeitsplatz ohne Qualm umgehen - 22.02. 05:00 Uhr

Nürnberg  - Wie gehen Arbeitgeber mit dem Nichtraucherschutz um? Meist müssen die Raucher nach draußen. Die heiß diskutierten Pausen für Raucher regeln Nürnberger Unternehmen höchst unterschiedlich.

Überwiegend sind Büroräume, Fabrikhallen und Werkstätten deutscher Unternehmen zu rauchfreien Zonen geworden.
Überwiegend sind Büroräume, Fabrikhallen und Werkstätten deutscher Unternehmen zu rauchfreien Zonen geworden.
Foto: Jan Woitas
Überwiegend sind Büroräume, Fabrikhallen und Werkstätten deutscher Unternehmen zu rauchfreien Zonen geworden.
Überwiegend sind Büroräume, Fabrikhallen und Werkstätten deutscher Unternehmen zu rauchfreien Zonen geworden.
Foto: Jan Woitas

Überwiegend sind Büroräume, Fabrikhallen und Werkstätten deutscher Unternehmen zu rauchfreien Zonen geworden. „In allen Büroneubauten, die wir anbieten, wird innerhalb des Gebäudes ein Rauchverbot ausgesprochen, auch die Treppenhäuser stehen den Rauchern nicht mehr so wie früher zur Verfügung“, berichtet Uli Temme, Immobilienmaklerin aus Nürnberg.

Qualmen im Pavillion

Immer häufiger werden Rauchern nach ihrer Beobachtung Extra-Pavillons draußen angeboten: „Das ist für die Raucher im Sommer schön — im Winter natürlich hart.“ In ihrem eigenen Unternehmen rauchen laut Temme nur noch zwei von zehn Mitarbeitern — und die müssen dazu eben in den Garten hinter dem Haus.



Hintergrund ist ein bedeutsames Urteil: Grundsätzlich, so entschied das Bundesarbeitsgericht, hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf einen rauchfreien Arbeitsplatz. Das ergibt sich zum einen aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch, zum anderen hat der Arbeitgeber eine Fürsorge- und Schutzpflicht gegenüber den Mitarbeitern. Auch wenn die Zahl der Raucher rückläufig ist: Nach einer GfK-Umfrage greifen noch immer rund 29 Prozent der Bundesbürger ab 15 Jahren regelmäßig zum Glimmstängel.

Beim Immobilienunternehmen wbg Nürnberg müssen die Raucher selbstverständlich vor die Tür. Unternehmenssprecher Dieter Barth sagt: „Für den Fall, dass es regnet, wurde eine Überdachung geschaffen. Wir lassen unsere Raucher nicht im Regen stehen.“ Kontroverse Diskussionen gibt es unter den wbg-Mitarbeitern nach Barths Angaben nicht, „eher das Mitleid der Nichtraucher insbesondere bei eisiger Kälte“.

Ob die nikotinabhängigen Kolleginnen und Kollegen überhaupt Zeit dazu haben, sich ihr geliebtes Zigarettchen zu gönnen, ist eine andere Frage. Ein Recht auf Raucherpausen gibt es nicht, und Verbände wollen Zigarettenpausen während der Arbeitszeit ohnehin am liebsten verbieten.

„Raucherpausen kosten die Betriebe bares Geld und stören den Arbeitsablauf“, sagt Mario Ohoven vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft. Er fordert, dass Mitarbeiter nur noch in der Mittagspause oder nach Feierabend rauchen. Unterstützung erhält er von der Chefin des Unternehmerverbands, Ursula Frerichs: „Extrapausen für Raucher müssen abgeschafft werden.“ Nichtraucher dürften gegenüber ihren rauchenden Kollegen nicht benachteiligt werden, indem sie weniger Pausen nähmen.

Bei Nürnbergs Immobilienmaklerin Temme rauchen die Mitarbeiter „eine Zigarette innerhalb der Mittagspause und eine am Nachmittag — daher haben sich die Kollegen noch nicht beschwert“. Diese Regelung wird von ihr geduldet, „da es ja wirklich überschaubar ist“. Bei der wbg Nürnberg müssen Raucher ihre entsprechenden Pausen extra in der handschriftlichen Zeiterfassung eintragen oder die Zeit nacharbeiten.

Gar nicht begeistert von der neuen Diskussion zum Thema Zigarettenpausen ist selbstverständlich die Tabakindustrie. So hält ein Reemtsma-Sprecher die Forderung für „absurd“ und fragt: „Was verbieten wir als nächstes? Die Kaffeepause, das private SMS-Beantworten bei der Arbeit, oder das Schwätzchen mit dem Kollegen?“ Allerdings verweisen überzeugte Nichtraucher auf erfolgreiche Rauchpausen-Verbote in Firmen etwa in Schweden und Norwegen.

Ob sich Rauchfrei-Liebhaber stattdessen auf die Einsicht ihrer qualmenden Kollegen verlassen können? Eine Umfrage des Nürnberger Immobilienportals immowelt.de lässt daran zweifeln: Danach verzichten 40 Prozent der rauchenden Eltern in den eigenen vier Wänden nicht einmal dann auf ihre Glimmstängel, wenn sie ihre eigenen Kinder damit zu Passivrauchern machen. Nur etwa ein Drittel nimmt etwas mehr Rücksicht auf die Gesundheit des Nachwuchses und raucht zu Hause ausschließlich in dafür bestimmten Räumen.

Wie locker der Umgang mit dem heimischen Zigarettenkonsum ist, hängt, so die immowelt-Studie, weniger von Gesundheitsfragen, sondern wohl mehr davon ab, wem die Wohnung gehört: Raucher, die in einer Eigentumswohnung leben, wählen zu 56 Prozent die Zigarettenpause im Freien. Bei den Mietern sind es dagegen nur 44 Prozent. „Letzteren fällt das Rauchen daheim wohl leichter, weil sich das Problem Rauchgeruch für sie beim Auszug von selbst erledigt“, so eine immowelt-Sprecherin.

  



VON HORST PETER WICKEL

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