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Rennfahren auf der Straße des alten Grafen

Zeppelinstraße hinter der Nürnberger Steintribüne erinnert an den Luftschiff-Konstrukteur - 26.05.2012 12:00 Uhr

Über die Zeppelinstraße hinter der Steintribüne rasen jedes Jahr während des Norisring-Rennens die PS-Boliden der DTM-Serie.

Über die Zeppelinstraße hinter der Steintribüne rasen jedes Jahr während des Norisring-Rennens die PS-Boliden der DTM-Serie. © Günter Distler


Anerkennung für seine Errungenschaft erreichte Ferdinand Graf von Zeppelin erst spät. Als 1909 zum ersten Mal auf Nürnberger Boden ein Zeppelin landete, war die Begeisterung so groß, dass noch im selben Jahr der Landeplatz südöstlich vom Dutzendteich „Zeppelinfeld“ getauft wurde. Die daran vorbeiführende Zeppelinstraße, heute Teil der Strecke des jährlichen Norisring-Rennens, wurde 1928 nach ihm benannt. Da war der Namensgeber bereits elf Jahre tot und erlebte so nicht mehr mit, wie die Nazis nach 1933 auf dem Areal ihr Reichsparteitagsgelände errichteten.

Hinterlassen hat Zeppelin neben seiner weltbekannten Konstruktion auch verschiedene Unternehmen, die aus seiner 1908 gegründeten Luftschiffbau Zeppelin GmbH hervorgingen und noch heute Motoren, Getriebe und Ähnliches produzieren.

Dass der 1838 geborene Graf von Zeppelin seine aktive Laufbahn als Militärführer mit 53 Jahren beendete und eine späte Karriere als Forscher und Ingenieur anpacken konnte, verdankte er unter anderem einigen glücklichen Ereignissen. Mit 17 Jahren war er als Sohn eines Hofmarschalls in die Kriegsschule in Ludwigsburg eingetreten — was den technikbegeisterten jungen Grafen nicht hinderte, einige Jahre danach ein Chemie- und Maschinenbau-Studium zu beginnen. 1863 verschlug es ihn als Beobachter in den amerikanischen Bürgerkrieg.

Dort flog er zum ersten Mal mit einem Ballon. Außer Faszination war wohl etwas Unbehagen mit an Bord, denn die Geräte waren nicht steuerbar und abhängig vom Wind. Zeppelin ließ die Idee von der Lenkbarkeit nicht mehr los. Luftschiffe wurden in Europa bereits seit 1852 gebaut, doch das Problem der Steuerung war mäßig gelöst. Sie bestanden aus einer länglichen, nur mit Gas gefüllten Hülle, an der unten Gondeln für Fracht und Passagiere hingen. Steuerruder und Ähnliches zeigten nur geringe Wirkung.

Zeit, um über ihrer Weiterentwicklung zu brüten, bekam Zeppelin 1891, als er wegen eines kritischen Schreibens und einer schlechten Einsatzbeurteilung als Kavallerieführer aus dem aktiven Militärdienst entlassen wurde. Seine Idee vom lenkbaren Luftschiff stieß bei Öffentlichkeit, Experten und Kaiser Wilhelm II. jedoch auf Ablehnung. Letzterer soll ihn sogar als den „Dümmsten aller Süddeutschen“ bezeichnet haben.

Unterstützung fand Zeppelin dagegen beim Verein Deutscher Ingenieure. 1899 begann der Bau des Luftschiff Zeppelin 1 („LZ 1“). Die bahnbrechende Neuerung: Im Inneren der gasgefüllten Hülle befand sich ein festes Gitterwerk mit Längs- und Querverstrebungen für mehr Stabilität. Das Schiff war 128 Meter lang, zwei 15 PS Motoren trieben es auf eine Geschwindigkeit von 32 Kilometer die Stunde. 1900 stieg das Gebilde über dem Bodensee in die Luft – und löste bei der vorher skeptischen Bevölkerung Beifall aus.

Doch der Bau eines Luftschiffes war teuer. Nachdem 1908 auch noch der Nachfolger LZ 4 abstürzte, schien Zeppelins Vorhaben am Ende. Die sechs Mio. Mark an Spendengeldern, die nach dem Unglück bei ihm eingingen, verdankte er einem Unbekannten, der mit einem flammenden Appell an die Öffentlichkeit eine Solidaritätsflut auslöste. Damit gründete Zeppelin 1908 die Stiftung Zeppelin und die Luftschiffbau Zeppelin GmbH mit Sitz in Friedrichshafen. Firmenleiter wurde Alfred Colsman.

Um die Riesen der Lüfte bauen zu können, brauchte es verschiedene Komponenten, nicht zuletzt Motoren, Getriebe und Wasserstoffgas. Zulieferfirmen wurden gegründet, es entstand ein Geflecht um die Luftschiffbau Zeppelin GmbH: 1909 gründete der Graf mit Karl Maybach die Luftfahrzeug Motorenbau GmbH, im gleichen Jahr eröffnete eine Wasserstofffabrik.

ZF noch heute präsent

1915 entstand die Zahnradfabrik GmbH, die Teile für Getriebe produzierte. Das Unternehmen heißt heute nur noch ZF und ist einer der größten europäischen Kfz-Zulieferer mit Standorten auch in Nürnberg und Auerbach. Schon ein Jahr zuvor hatte einer von Zeppelins Mitarbeitern die Dornier Metallbau ins Leben gerufen. Firmenleiter Colsman gründete außerdem die erste Fluggesellsschaft weltweit: die Deutsche Luftfahrt Aktiengesellschaft (Delag).

Die Luftschiffbau Zeppelin GmbH war an der Delag mit zivilen Luftschiffen beteiligt. So nützlich ihr Einsatz für friedliche Zwecke war – im Ersten Weltkrieg brachten die fliegenden Giganten den Tod. Vor allem über London ließen die Kriegszeppeline Bomben niedergehen.

Das einstige Firmengeflecht besteht in Teilen noch heute. Die Tochtergesellschaft Zeppelin GmbH zählt nach eigenen Angaben über 6000 Mitarbeiter und erwirtschaftet gut zwei Mrd. € Umsatz. Sie fertigt unter anderem Baumaschinen, Schiffsmotoren und Verkehrssicherungssysteme. Auch Maybach (heute die MTU Friedrichshafen GmbH), Dornier und eben ZF sind zu international führenden Unternehmen gewachsen.

  

VON TANJA TOPLAK

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